US-Physiker Philip Morrison ist tot

Philip Morrison, einer der führenden Köpfe im Manhattan-Project, starb am vergangenen Freitag zu Hause in Cambridge bei Boston im Alter von 89 Jahren.

Ein Beitrag von Julian Schlund. Quelle: u.a. seti@home.

Morrison war ein Schüler von Robert Oppenheimer, dem Leiter des streng geheimen Manhattan-Project und gehörte somit zu den wenigen Augenzeugen der ersten atomaren Test-Explosion 1945 in Alamogordo unweit von Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico.

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«Die Welt hat eine ihrer lautesten Stimmen für die Verantwortung des Forschers gegenüber der Gesellschaft verloren»
(Bild: NASA)

Schließlich flog er auf die Marianen-Insel Tinian, wo er maßgeblich am Bau der Atombombe beteiligt war, die wenig später Hiroshima in Schutt und Asche legte. Einen Monat später besichtigte er die Stadt, deren Anblick Grund genug für ihn war, sich ab sofort entschieden gegen sämtliche Massenvernichtungswaffen auszusprechen. So setzte er setzte sich bis zu seinem Tod stets für die Rüstungskontrolle ein.

SETI-Pionier
Bereits 1959 schlug Philip Morrison zusammen mit seinem Kollegen Giuseppe Cocconi in einer frühen Veröffentlichung eine Mikrowellensuche vor, worin sie der Öffentlichkeit erklärten, wie gut Radiowellen mit einer bestimmten Frequenz für die interstellare Kommunikation geeignet wären. Daraus folgerten sie wiederum, dass es ein Leichtes sein sollte, solche Übertragungen mittels Radioteleskopen aufzuspüren. Es war unter anderem dieses Papier, das später die weltweiten Bemühungen der SETI-Gemeinschaft begründete:

Schon 1960 machte der junge Radioastronom Frank Drake anhand der Erkenntnisse Morrisons erste Untersuchungen zum Thema. Aus zahlreichen zwischenzeitlichen Projekten ging 1984 letztendlich das SETI-Institut hervor. Aufgrund ausbleibenden Erfolgs wurde das Unternehmen SETI von Seiten der NASA Mitte der 90er Jahre aufgegeben.

1999 erfolgte die Gründung von SETI@home. Es verwendet ebenfalls den so genannten SERENDIP-Empfänger am bekannten Arecibo-Radioteleskop. Ein grundlegender Unterschied liegt in der Auswertung eventueller Botschaften fremder Zivilisationen. So werden die Daten der aufgezeichneten Radiosignale nicht zentral ausgewertet, sondern die Analyse erfolgt im Rahmen eines weltweiten Internetprojektes auf den Rechnern von fast fünf Millionen Teilnehmern, daher auch der Name.

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