USA 197 beginnt eine Serie naher Vorbeiflüge

Am 5. Dezember 2008 berichtete space.com, dass sich der im geostationären Orbit ungesteuert driftende US-amerikanische Frühwarnsatellit DSP 23 in der Nähe des Wettersatelliten Meteosat 8 befindet. Einer Anlayse basierend auf Daten des internationalen Weltraumbeobachtungsnetzwerkes der russischen Akademie der Wissenschaften zufolge habe ein Satellit, den man für DSP 23 halte, bereits drei geostationäre Satelliten knapp passiert.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: space.com, sat-nd.com.

ESA
Meteosat 8 alias MSG 1 im Transportbehälter
(Bild: ESA)

Wie bereits gemeldet wurde, driftet der US-amerikanische Frühwarnsatellit USA 197 alias DSP 23 im geostationären Orbit, nachdem er dort seine feste Position nicht mehr halten konnte.

Üblicherweise können Satellitenbetreiber Informationen über kritische Vorgänge im geostationären Orbit vom von der US-amerikanischen Luftwaffe betriebenen Weltraumüberwachungsnetzwerk erhalten. Zu in dessen offiziellem Katalog nicht geführten Objekten werden jedoch keine Daten herausgegeben. Dies gilt für eine Reihe von Militärsatelliten, so auch für die Frühwarnsatelliten aus dem DSP-Programm. Lt. space.com habe es die US-amerikanischen Luftwaffe bisher abgelehnt, Fragen zum Zustand und der Position von USA 197 und dessen mögliche Gefahr für andere Satelliten zu beantworten.

Eumetsat, der Betreiber des am 28. August 2002 gestarteten Wettersatelliten Meteosat 8, sei in der Vergangenheit aber jeweils von der US-amerikanischen Luftwaffe davon in Kenntnis gesetzt worden, wenn ein DSP-Satellit sich auf einen Satelliten von Eumetsat zubewege. Dies soll der Eumetsat Operations Director Mikael Rattenborg in einem Interview mitgeteilt haben. Üblicherweise halte Eumetsat die US-amerikanische Luftwaffe über den Standort der Eumetsat-Satelliten auf dem Laufenden, die Luftwaffe mache keine Angaben, wo sich deren Satelliten befinden. Bezüglich Meteosat 8 sei man nicht übermässig besorgt und vertraue darauf, dass die Luftwaffe Eumetsat gegebenenfalls mitteile, ob es nötig sei, die Position von Meteosat 8 abzusenken oder anzuheben. Einen entsprechenden Hinweis habe man bisher nicht erhalten.

ESA
Meteosat 8 bei der Integration
(Bild: ESA)

Am 22. Mai 2007 war Meteosat 8 alias MSG 1 vermutlich von einem Mikrometeoriten oder einem kleinen Stück Weltraumschrott getroffen worden. Dabei wurde unter anderem die Wärmeisolierung des Satelliten beschädigt, seine Funktion als Reservesatellit für den am 11. April 2007 gestarteten Meteosat 9 erfüllt Meteosat 8 bisher jedoch weiterhin.

USA 197 soll bereits die Satelliten Eurobird 9 (alias Hot Bird 2) in 4,4 Kilometern Abstand und Eutelsat W1 in 25,7 Kilometern Abstand passiert haben und an Meteosat 8 in 9,9 Kilometern Entfernung vorbei geflogen sein. In den nächsten beiden Monaten soll USA 197 an sechs weiteren Satelliten im geostationären Orbit vorbeiziehen, an drei Satelliten des Betreibers Eutelsat, am italienischen militärischen Kommunikationssatelliten Sicral 1 und am russischen Aufklärungssatelliten Kosmos 2379. Eine Sprecherin von Eutelsat in Paris, Vanessa O`Connor, habe am 5. Dezember geäußert, man wolle die Situation nicht kommentieren.

Entsprechende Ausweichmanöver durch Anheben oder Absenken der Flugbahn sollten lt. space.com für die Betreiber der Satelliten unkompliziert sein, die Lebensdauer des jeweiligen Satelliten wird wegen des Treibstoffverbrauchs unter Umständen jedoch reduziert.

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