„Wet Dress-Rehearsal“ bringt Themis dem Flug einen Schritt näher

ESAs Demonstrator für wiederverwendbare Raketenstufen hat am 23. Juli auf der Startrampe des Esrange Space Center in Schweden seinen ersten „Wet Dress-Rehearsal“ oder Betankungs- und Starttest bestanden. Im Rahmen des Tests wurde die Raketenstufe mit mehreren Tonnen ultrakaltem flüssigem Stickstoff befüllt, um den gesamten Ablauf zu simulieren, der vor dem Start und nach der Landung stattfinden müsste. Inspiriert vom Weg der Ariane 6 zum Erstflug ermöglicht die Generalprobe den Betreibern, die Abläufe unter sicheren Bedingungen zu optimieren. Diese Vorgänge sind Teil einer Reihe von Tests und Proben, die zum ersten Testflug der Themis-Trägerrakete führen.
Eine Pressemitteilung der Europäischen Weltraumagentur ESA.

Quelle: ESA / Enabling & Support / Space Transportation / Future space transportation, 30. Juli 2026

Themis Control Zentrum während des Betankungs- und Starttest
Credit: SSC Space–Mattias Forsberg; Licence: ESA Standard Licence

Themis ist ein Raketenprototyp der ESA – ein europäisches Demonstrationsprojekt für kostengünstige Technologien zur Wiederverwendung von Raketen. Mit dem ebenfalls wiederverwendbaren, mit flüssigem Sauerstoff und Methan betriebenen Triebwerk „Prometheus“ steht Themis auf der Startrampe im Esrange Space Center in Schweden.

Die Generalprobe am 23. Juli ermöglichte es der ArianeGroup und SSC Space, die Countdown- und Postflug-Verfahren zu üben und mögliche verbleibende Anomalien zu identifizieren. Der Raketenprototyp wurde mit auf –200 °C abgekühltem flüssigem Stickstoff befüllt, um das gesamte System zu testen und zu prüfen, wie es der extremen Kälte und dem hohen Druck standhält, sowie um sicherzustellen, dass alle Systeme unter diesen Bedingungen ordnungsgemäß funktionieren.

Themis während des Betankungs- und Starttest
Credit: SSC Space–Mattias Forsberg; Licence: ESA Standard Licence

Die bei diesem Test gesammelten Daten werden eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung von Themis auf seinen Erstflug spielen, insbesondere bei komplexen Vorgängen wie der Vorbereitung des Kryotriebwerks auf die Zündung.

Themis wird mit flüssigem Methan und Sauerstoff betrieben, doch bei dieser Probe wurde aus Sicherheitsgründen flüssiger Stickstoff verwendet – dieser weist hinsichtlich der kryogenen Temperatur und der Dichte ähnliche Eigenschaften auf, ist jedoch weder brennbar noch explosiv.

„Coole“ Treibstoffe

Themis während des Betankungs- und Starttest
Credit: SSC Space–Mattias Forsberg; Licence: ESA Standard Licence

Obwohl der Prometheus-Triebwerk, der Themis antreibt, denselben Schub wie das Haupttriebwerk der europäischen Schwerlastrakete Ariane 6 hat, verwendet er andere Treibstoffe: flüssigen Sauerstoff und flüssiges Methan. Flüssiger Sauerstoff wird auf bis zu –183 °C abgekühlt, sodass die Aufbereitung und Handhabung solcher kryogenen Flüssigkeiten für die Betankung schon eine Herausforderung für sich ist. Im Vergleich zu anderen Raketentreibstoffen wie Wasserstoff und Kerosin hat Methan Vorteile: Es muss nicht so extrem gekühlt werden wie flüssiger Wasserstoff und ist aufgrund seiner größeren Molekülgröße einfacher zu handhaben und weniger anfällig für Leckagen, während es gleichzeitig eine höhere Leistung als Kerosin liefert.

Themis, der Demonstrator im Originalmaßstab der ersten europäischen wiederverwendbaren Hauptstufe, wurde im Rahmen des Programms zur Vorbereitung des künftigen Raumtransportwesens der ESA entwickelt, wobei die ArianeGroup als Hauptauftragnehmer fungierte und zahlreiche europäische Industriepartner beteiligt waren. Nach seiner Fertigstellung wurde Themis im Rahmen des von der Europäischen Kommission finanzierten „Horizont Europa“-Projekts SALTO für die Startkampagne weiterentwickelt. Das SALTO-Projekt ist Teil des „Space Research and Innovation Work Programme“ der EU und wird von der EU-Exekutivagentur HaDEA verwaltet. Es vereint 25 Konsortialpartner aus 12 Ländern der Europäischen Union.

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