Wettlauf zum Mond, Teil 2

30 Millionen Dollar Preisgeld bietet der Google Lunar X PRIZE für die erste private Mondlandung. Die Veranstalter erhoffen sich eine Revolution in der Raumfahrt.

Ein Beitrag von Alexander Bartl. Quelle: Ohne Quellen.

Seit 35 Jahren war kein Mensch mehr auf dem Mond. Zahlreiche unbemannte Sonden erforschten das Sonnensystem und vor allem den Mars, aber der Mond wurde weitgehend ignoriert. Jetzt rückt er wieder in den Blickpunkt: Nicht nur zahlreiche staatliche Raumfahrtagenturen haben Mondmissionen in Planung oder gerade gestartet, jetzt sollen auch private Unternehmen einen Wettlauf zum Mond beginnen.
Die X PRIZE Foundation, die bereits den Ansari X PRIZE für private Suborbitalflüge ausgeschrieben hatte, hat kürzlich den nächsten Wettbewerb gestartet. Ziel ist die erste weiche private Mondlandung.

„Bei Moon 2.0, der zweiten Ära der Monderforschung, handelt es sich nicht um das Streben nach ‚Flaggen und Fußabdrücken’. Dieses Mal fliegen wir zum Mond, um dort zu bleiben“, heißt es auf der Projekthomepage. [Edit 2021: Link nicht mehr aktiv]

NASA
Aufnahme des Mondes der NASA-Sonde Galileo auf ihrem Flug zum Jupiter – wird er bald auch von privaten Initiativen besucht?
(Bild: NASA)

20 Millionen als Anreiz
Das Preisgeld wird aufgeteilt: 20 Millionen Dollar gehen an das Team, das als erstes mit einer Sonde auf dem Mond landet, Videoaufnahmen, Fotos und andere Daten zur Erde sendet und mindestens 500 Meter auf dem Mond zurücklegt. Die Teams haben bis Ende 2014 für die Mondlandung Zeit, allerdings gibt es in den letzten beiden Jahren nur noch 15 Millionen Dollar Preisgeld. Fünf Millionen Dollar erhält das Team, das zumindest einen Teil dieser Aufgaben erledigt. Die restlichen fünf Millionen Dollar sind Bonuspreise für außergewöhnliche Leistungen wie das Zurücklegen weiter Entfernungen, das Überstehen einer Mondnacht oder das Fotografieren von technischen Gerätschaften vergangener Mondmissionen.

Die Gesamtinvestition aller Teams dürfte die Siegprämie um ein Vielfaches übersteigen, aber das Geld und die mit der Auszeichnung verbundene Publicity dienen vor allem als Anreiz. Teilnehmen dürfen nur privat finanzierte Teams, also keine staatlichen Einrichtungen wie die NASA. Die Veranstalter hoffen, dass mindestens zwölf Teams aus mehreren Ländern an dem Wettbewerb teilnehmen.

Google-Kooperation ermöglicht Liveübertragung
„Bei der Entwicklung von Google schien das Konzept einer alle Daten erfassenden Internet-Suchmaschine ein unerreichbares Ziel“, berichtet Sergey Brin, einer der Google-Gründer, „und doch verfügen heute viele Unternehmen, darunter auch Google, über genau diese Fähigkeit. Als der Ansari X PRIZE damals eingeführt wurde, hielt man es für undenkbar, dass Privatpersonen kommerzielle Ausflüge ins All unternehmen könnten, doch genau das wurde erreicht. Nun stehen wir also vor dem großen Abenteuer der Rückkehr einer nichtstaatlichen, kommerziellen Organisation auf den Mond und seiner Erforschung. Ich bin so aufgeregt, dass Google dabei sein wird.“

Die Kooperation mit Google ist nicht nur finanzieller Natur. Dank Googles Technik sollen Internetnutzer weltweit den Stand der Missionen mitverfolgen und die Aufnahmen vom Mond sehen können. Mehrere andere Unternehmen sind an dem Wettbewerb beteiligt und stellen zum Beispiel vergünstigte Trägerraketen oder ein Kommunikationsnetzwerk für den Empfang der Monddaten zur Verfügung. Auch die NASA gehört zu den Förderern des Projekts, da ihr die technischen Entwicklungen der teilnehmenden Teams zugute kommen dürften.

„Die X PRIZE Foundation hat mit Google den besten Sponsor und Partner gefunden. Wir teilen die Vision von neuen Innovationen und die Überzeugung, dass auch eine kleine, versierte Gruppe erstaunliche Leistungen bei niedrigen Kosten vollbringen kann“, sagt der X-PRIZE-Gründer Peter H. Diamandis.

Nicht der erste Wettbewerb dieser Art
Die X PRIZE Foundation wurde bekannt mit dem Ansari X PRIZE für Suborbitalflüge, den 2004 das SpaceShipOne erhielt. Das Nachfolgemodell SpaceShipTwo und Modelle anderer Unternehmen stehen kurz davor, den Weltraumtourismus möglich zu machen. „Jeder wusste, dass sich vor dem X PRIZE nur Regierungen an bemannten Raumflügen beteiligen konnten“, schreiben die Veranstalter. „Das hat sich dramatisch geändert, als der Ansari X PRIZE vergeben wurde. Inzwischen bringen dynamische Unternehmen eine Revolution des Weltraumtourismus’ ähnlich der revolutionären Entwicklung der Personal Computer ins Rollen. Dabei sinken Kosten und Risiken der Weltraumflüge, während Effizienz und Leistungsfähigkeit steigen. “Inspiriert wurde der X PRIZE vom Orteig-Preis für die erste erfolgreiche Atlantiküberquerung, der 1927 von Charles Lindbergh gewonnen wurde und der Luftfahrt zum Durchbruch verholfen hat.

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