Wie würden wir auf dem Mars leben?

Soziologe Prof. Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen unternimmt in seinem neuen Buch „Wunschland“ eine Reise in die Zukunft unserer Gesellschaft. Eine Information der Hochschule Furtwangen Universität (HFU).

Quelle: Hochschule Furtwangen Universität.

HFU-Professor Dr. Stefan Selke untersucht in seiner Forschungsprofessur „Öffentliche Wissenschaft“ und in seinem neuen Buch „Wunschland“, wie die Gesellschaft der Zukunft funktionieren könnte. Bild: privat

HFU, Dr. Stefan Selke, 10. März 2022. Alles fing mit einem Widerspruch an. Prof. Dr. Stefan Selke hörte einen Vortrag der European Space Agency (ESA), in dem das Zukunftsthema Weltraumkolonien behandelt und davon ausgegangen wurde, dass man in solchen Settings auch in einer Art zivilisatorischem Neustart „kontrolliert“ beobachten könne, wie Menschen zusammenleben. Selke, der selbst aus der Luft- und Raumfahrttechnik kommt und in die Soziologie gewechselt hatte, brachte das ins Nachdenken. „Gesellschaft ist doch ein ‚offenes Labor‘, wir werden immer von Störfaktoren von außen beeinflusst“, überlegte der Wissenschaftler, der an der Hochschule Furtwangen (HFU) eine Professur „Gesellschaftlicher Wandel“ und die Forschungsprofessur „Transformative und Öffentliche Wissenschaft” innehat. Selke fragte sich: „Wie würden wir wirklich auf dem Mars leben?“ und geht der Idee der zukünftigen Gesellschaft in seinem neuen Buch „Wunschland“ nach, das nun im Ullstein Verlag erschienen ist.

Selke stellt Überlegungen für die Zukunft an, in dem er auch auf vergangene  zivilisatorische Experimente wie etwa Aussteiger-Kommunen, Idealstädte oder schwimmende Mikronationen zurückschaut. Allesamt Menschheitslabore, die es seit 1900 ungefähr im 50-Jahres-Abstand weltweit immer wieder gab. „Dabei entdeckte ich ein Muster, das sich durch all diese real-utopischen Experimente zog, unabhängig von deren inhaltlichem Ansatz oder äußerem Erscheinungsbild“, berichtet Selke. „Letztlich durchlaufen alle Utopien verschiedene Phasen. Egal, wie idealistisch die Ausgangsidee war, alles mündet immer in ‚Alltag‘ – und endet nach vielen Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit mit einem Scheitern“, sagt er. „Tröstlich ist aber, dass immer wieder andere nachkommen und weitermachen“; Selke nennt das Lernen aus gescheiterten Ideen die „Poesie der Hoffnung“.

Selkes Buchthema hat eine enorme aktuelle Brisanz, denn bei allen Gedankenexperimenten stellt der Soziologe klar: „Menschheit ist ein Gruppensport, der immer wieder neu gespielt wird. Wir werden nie ganz neu anfangen können, unsere Erfahrungen, Traditionen, unsere erlebten Krisen nehmen wir immer mit“. Ob er selbst auf eine Kolonie in den Weltraum ziehen würde? „Nur unter zwei Bedingungen. Wenn meine Frau mitkommt und wenn ich dort die Aufgabe habe, eine moderne Universität zu gründen – vielleicht ja als weitere Außenstelle der HFU, wer weiß?“

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