Zukunft der bemannten US-Raumfahrt in Diskussion

Die Zukunft der bemannten Raumfahrt in den USA steht zur Diskussion. Dazu wurde das Review of US Human Space Flight Commitee ins Leben gerufen, das in den letzten Monaten Informationen gesammelt hat und nun eine Reihe von Optionen für die US-Regierung erarbeitet.

Ein Beitrag von Günther Glatzel und Tobias Willerding. Quelle: NASA, Raumcon.

NASA
Das neue Orion-Raumschiff soll den Aktionsradius des Menschen im Weltraum über ISS und Mond ausdehnen.
(Bild: NASA)

An den letzten drei Tagen trafen sich Mitglieder des Human Space Flight Commitee (auch Augustine Kommision genannt) nacheinander in Houston, Huntsville und Cocoa Beach zu öffentlichen Beratungen. Auch verantwortliche Politiker waren zugegen. Diese Informationsveranstaltungen sollen dazu führen, dass das Komitee einen Entwurf erarbeitet, wie es mit der bemannten Raumfahrt in den USA weitergehen könnte. Zur Klärung stehen unter anderem die folgenden Fragen an. Welche Ziele sollen bemannt erkundet werden und in welchen Zeiträumen? Auf welchen Himmelskörpern sollen bemannte Landungen erfolgen? Wie sollten bemannte und unbemannte Raumfahrt koordiniert werden? Welche Trägersysteme sind notwendig und welche Rolle könnten Treibstoffdepots im All dabei spielen? Wie lassen sich internationale Partner und kommerzielle Dienste einbeziehen?

Diskutiert werden dabei fünf verschiedene Konzepte, die über den Erdorbit hinausgehen. Lunar Base sieht die Errichtung einer langfristig besetzten Mondbasis vor, Lunar Global eine Vielzahl von Einzellandungen zur Erkundung verschiedener Mondgebiete. Bei Moon to Mars sollen zunächst alle notwendigen Techniken am Mond erprobt und später auf den Mars angewendet werden, Mars First sieht den Roten Planeten direkt als nächstes Ziel vor.

NASA/LPL University of Arizona
Könnte der Marsmond Phobos ein Zwischenziel der NASA werden?
(Bild: NASA/LPL University of Arizona)

Bei Flexible Path setzt man sich der Reihe nach höhere und weitere Ziele: Mondumrundung, Flug zu Lagrange-Punkten und Nachbarplaneten, Landung auf erdnahen Asteroiden und Marsmonden. Die Landung auf Körpern mit vergleichsweise starkem Gravitationspotential wie Mond und Mars wird nicht direkt angestrebt aber für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen.

Hierbei wird auch angedeutet, dass für eine weitere Erforschung des Alls nicht zwangsläufig Schwerlastraketen benötigt würden. Dazu notwendige Raumschiffe könnten unter Umständen leer in den Erdorbit geschickt werden und dort mit Treibstoff befüllt werden. Dieser Treibstoff könnte von Firmen wie Boeing, Lockheed etc. ins Weltall transportiert werden. Auch eine internationale Kooperation würde erleichtert. Modularer Aufbau und dabei zumindest teilweise Wiederverwendung verschiedener Komponenten wird durchaus als gangbarer Weg angesehen.

Einig ist man sich, dass die unbemannte Erforschung unseres Sonnensystems weiterhin eine wichtige Voraussetzung für bemannte Missionen bleibt. Dies ist nicht nur eine Kostenfrage sondern dient auch der Sicherheit. Der Mensch aber bringt eine höhere Flexibilität. Außerdem bleibe das langfristige Ziel, in Zukunft die menschliche Zivilisation ins All auszudehnen. Dabei soll die NASA unbedingt die führende Rolle übernehmen.

NASA
Wird man auf Schwerlastraketen wie Ares V verzichten?
(Bild: NASA)

Um die Lücke zwischen den letzten Shuttleflügen und Missionen des in Entwicklung befindlichen Orion-Raumschiffes zu verkleinern, wird vor allem die weitere Nutzung der Raumfähren über 2010 hinaus gesehen. Aufgrund von Verzögerungen im noch vorgesehenen Programm mit 7 Flügen zur ISS wird die Durchführung wenigstens eines Fluges im Jahre 2011 schon fast als notwendig erachtet. Im Gespräch ist auch eine zusätzliche Mission zur Station. Die Fortführung des Shuttle-Programms bis 2015 wird ebenfalls als Option gesehen, würde aber wie auch die Verlängerung des Betriebs der ISS bis 2020 sehr kostspielig. Allein für eine um 5 Jahre verlängerte Nutzung der Station sollen 14 Milliarden US-Dollar erforderlich sein. Da mit zusätzlichen Mitteln in dieser Höhe nicht zu rechnen sei, würde sich der erste Orion-Flug vemutlich um mehrere Jahre verzögern.

Am 5. und 12. August werden die Beratungen in Washington, D. C. fortgesetzt. Am Ende steht ein Abschlussbericht mit einer Reihe von realistischen Optionen, die mit dem voraussichtlichen NASA-Budget machbar sind. Eine Entscheidung wird durch die Politik getroffen, wo sicherlich auch andere Aspekte berücksichtigt werden.

Raumcon:

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