Meteosat 6 im Friedhofsorbit

Am 15. April 2011 gab EUMETSAT, Betreiberin der europäischen Wettersatelliten, bekannt, dass Meteosat 6 nach über 17 Jahren Einsatz in einen Friedhofsorbit geschickt und dort deaktiviert wurde.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: EUMETSAT.

Eumetsat
Meteosat 6 – Illustration
(Bild: Eumetsat)

Meteosat 6 war am 20. November 1993 auf einer Ariane-4-Rakete in der Version 44LP von Kourou in Französisch Guyana aus in den Weltraum gebracht worden. Zur Erfüllung seiner Hauptaufgabe, der Erfassung von Wolken und Wasserdampf aus dem geostationären Orbit, hatte man ihn mit einem MVIRI für Meteosat Visible and InfraRed Imager genannten Instrument ausgestattet.


Ursprünglich für eine fünfjährige Einsatzperiode entworfen übertraf Meteosat 6 alle Erwartungen und wurde zu dem Raumfahrzeug, das von allen europäischen geostationären Wettersatelliten am längsten meteorologische Daten lieferte. Über 17 Jahre lang übermittelte Meteosat 6 nützliche Informationen zur Erde.

ESA
Grundaufbau von Meteosat 6 – Illustration
(Bild: ESA)

Eine seiner wichtigsten Einsatzperioden erlebte Meteosat 6 zwischen September 2001 und Januar 2007, als er als erster europäischer geostationärer Wettersatellit einen Dienst zur Schnellabtastung des europäischen Wettergeschehens mit Daten versorgte. Der als RSS für Rapid Scanning Service bezeichnete Dienst wurde von seinen Nutzern gut angenommen, auch weil er es zum ersten Mal ermöglichte, alle 10 Minuten Informationen zum Wettergeschehen der gleichen konkreten in Europa gelegenen Region zu erhalten. Eine mit kurzem Abstand wiederholte Abtastung ist beispielsweise bei der Beurteilung von sich schnell verändernden Wettersituationen wie Gewittern von Bedeutung.

ESA/CNES/Arianespace/CSG
Meteosat 6 1995 auf Nutzlastadapter in Kourou
(Bild: ESA/CNES/Arianespace/CSG)

Eine maßgebliche Rolle spielte der von Meteosat 6 unterstützte RSS auch im Hinblick der Vorbereitung der potentiellen Nutzer auf die Dienste der europäischen geostationären Wettersatelliten zweiter Generation (Meteosat Second Generation, MSG). Bis zum Start von MSG 2 alias Meteosat 9 im Dezember 2005 fungierte Meteosat 6 außerdem als Reservesatellit für MSG 1 alias Meteosat 8. Letzterer liefert seit Mai 2008 RSS-Daten.

Ab 2007 war Meteosat 6 im geostationären Orbit bei 67,5 Grad Ost positioniert, von wo aus er zusammen mit dem bei 57,5 Grad Ost stationierten Meteosat 7 Bilder von Ostafrika, Mittelasien und dem westlichen Indischen Ozean liefern und Meldungen von Bojen des Tsunami-Warnsystems empfangen und weiterleiten konnte. Von Meteosat 7 erwartet man, dass er diese Aufgaben unter dem Titel Indian Ocean Data Coverage, abgekürzt IODC, noch bis 2013 erfüllen kann.

Der Treibstoff an Bord von Meteosat 6 in Form von ursprünglich rund 39 Kilogramm Hydrazin für seine vier 10-Newton- und die beiden 2-Newton-Triebwerke war fast vollständig aufgebraucht, so dass es schließlich erforderlich wurde, den robusten Satelliten außer Betrieb zu nehmen, bevor nicht mehr genug Treibstoff für einen Transfer auf eine Friedhofsbahn zur Verfügung stehen würde. Mit dem verbliebenen Treibstoff war die Bahn von Meteosat 6 anzuheben, um auf diese Weise der Gefahr einer Kollision mit im geostationären Orbit weiter aktiven Satelliten aus dem Wege zu gehen.

Treibstoffverbrauch von Meteosat 6 zwischen Dezember 1995 und Juli 2010. (Grafik: EUMETSAT)

Jetzt befindet sich Meteosat 6 laut EUMETSAT auf einer Bahn, die rund 380 Kilometer über dem geostationären Orbit liegt. Nach der Bahnanhebung konnte die Deaktivierung des Satelliten getreu der internationalen Vereinbarungen zur Reduzierung von Gefahren durch Weltraumschrott erfolgen: Die Drehungen des spinstabilisierten Raumfahrzeugs um seine Hochachse wurden von rund 100 pro Minute auf einen deutlich geringeren Wert reduziert, übrig gebliebene Treibstoffreste und Gase zum Druckaufbau in den Treibstofftanks abgelassen und die Akkumulatoren entladen.

Meteosat 6 (alias MOP 3 für Meteosat Operational Programme Nr. 3) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 22.912 bzw. als COSPAR-Objekt 1993-073B.


Bild und Grafik (Quelle EUMETSAT):

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