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Autor: Thomas Weyrauch / 24. März 2016, 17:51 Uhr

China: Keine Daten mehr vom Weltraumlabor Tiangong 1

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua teilte mit Datum vom 21. März 2016 mit, dass das Stationsmodul Tiangong 1 bisher zur Verfügung gestellte Datendienste nicht mehr bereitstellt.

Quelle: asianscientist.com, CNSA, sinodefence.com, South China Morning Post, Xinhua
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Bild vergrößernTiangong 1 über der Erde - künstlerische Darstellung
(Bild: CMSA)
Mit Bezug auf ein chinesisches Büro für bemannte Raumfahrtangelegenheiten berichtete Xinhua, dass das erste chinesische Weltraumlabor Tiangong 1 ("himmlischer Palast 1") nach 1.630 Tagen aktivem Betrieb im All die Bereitstellung von Daten eingestellt habe.

Die Funktionen des Weltraumlabors seien nach einer Betriebszeit von rund zweieinhalb Jahren abgeschaltet worden, obwohl sich das Labor noch auf dem vorgesehenen Orbit befindet, schreibt Xinhua.

Die South China Morning Post meldete, vor Kurzem habe das Labor versagt, und die Datenbereitstellung sei offiziell beendet worden.

Das seit dem 29. September 2011 um die Erde kreisende Labor hat laut Xinhua eine Auslegungsbetriebsdauer von zwei Jahren und lieferte zuletzt unter anderem im automatischen Betrieb gewonnene Aufnahmen zahlreicher abgelegener als auch bevölkerungsreicher Regionen Chinas.

Während seines Einsatzes war Tiangong 1 von den chinesischen Raumschiffen Shenzhou 8, Shenzhou 9 und Shenzhou 10 angeflogen worden, und hatte chinesische Raumfahrer und Raumfahrerinnen, sogenannte Taikonauten, aus Shenzhou 9 und Shenzhou 10 beheimatet.

Nach der Rückkehr von Shenzhou 10 zur Erde im Juni 2013 war die Primärmission von Tiangong 1 offiziell beendet. Während seiner erweiterten Mission erfüllte das Labor im automatischen Betrieb Aufgaben in den Bereichen Raumfahrttechnologie, Erdbeobachtung und Weltraumwetter.

Für chinesische Wissenschaftler und Techniker stellte Tiangong 1 eine wertvolle Gelegenheit zum Erlernen der Konstruktion eines Raumstationsmoduls und des Managements des Raumstationsbetriebs dar.

Das rund 10,4 Meter lange Labor mit einem Durchmesser von maximal rund 3,35 Metern und einer Masse von rund 8,5 Tonnen wird in den kommenden Monaten kontinuierlich an Flughöhe verlieren. Dabei wird es nach Angaben aus China sorgfältig überwacht. Letztlich wird Tiangong 1 irgendwann in den nächsten Monaten sein Ende bei einem zerstörerischen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre finden.

Ob chinesische Raumfahrtkontrollzentren derzeit noch in der Lage sind, das Labor aktiv zu steuern, wurde in aktuellen Meldungen aus China nicht mitgeteilt. Ebenso wurden keine Angaben dazu gemacht, ob es beabsichtigt oder möglich ist, das Labor aktiv und gezielt zu einem definierten Wiedereintrittsfenster in der Hochatmosphäre zu lenken.

Tiangong 1 war nur in der Lage, für rund zwei Wochen im bemannten Betrieb zu arbeiten. Beispielsweise gibt es an Bord keine Anlage zur Erzeugung von Sauerstoff und nur ein einfaches experimentelles System zum Recycling von Wasser. Das Nachfolgelabor Tiangong 2 soll eine Besatzung für einen Zeitraum von bis zu einem Monat aufnehmen.

Der Start von Tiangong 2 an der Spitze einer Rakete vom Typ Chang Zheng 2F ("Langer Marsch 2F" / CZ 2F bzw. LM 2F) vom Satellitenstartzentrum Jiuquan aus ist derzeit für das dritte Quartal 2016 vorgesehen. Das verbesserte und erweiterte Labor soll in der Folge nicht nur vom mit zwei Taikonauten bemannten Raumschiff Shenzhou 11 im vierten Quartal 2016 angeflogen werden, sondern zum ersten Mal in der chinesischen Raumfahrt auch von einem unbemannten Versorger.

Der unbemannte Versorger wird Tianzhou 1 ("himmlisches Schiff 1") genannt. Er hat die Aufgabe, neben festen Gütern auch Treibstoffe zu liefern und Tests des Umpumpens von Flüssigkeiten aus einem Raumfahrzeug in ein angedocktes zweites zu ermöglichen. Laut aktueller Planung erfolgt der Transport des Versorgers ins All voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2017 vom Startzentrum Wenchang auf der Insel Hainan aus. Als Trägerrakete soll dabei die derzeit in der Entwicklung befindliche Chang Zheng 7 zum Einsatz kommen.

Im Jahr 2020 etwa will China schließlich den Aufbau einer mehrteiligen, multifunktionalen und dauerhaft zu besetzenden Raumstation beginnen. Rund zwei Jahre später möchte man den Bau dieser Station abschließen. Dann könnte auch ein Stationsmodul mit einem Teleskop realisiert sein, das laut jüngster Informationen die Leistungen des Weltraumteleskops Hubble übertreffen könnte.

Tiangong 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.820 und als COSPAR-Objekt 2011-053A.

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