10 Jahre SOHO

Dank einem der produktivsten Raumfahrzeuge, die je gebaut wurden, sind Wissenschaftler auf der ganzen Welt nun viel vertrauter mit dem Stern, der unsere Welt erleuchtet und uns das Leben ermöglicht.

Ein Beitrag von Axel Orth. Quelle: Spaceflight Now.

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Start von SOHO am 2.12.1995 mit einer Atlas/Centaur. (Bild: ESA)

Gebaut von der europäischen Raumfahrtindustrie für die ESA, startete das Solar and Heliospheric Observatory, kurz SOHO am 2. Dezember 1995 in den Weltraum.

Dieses zehnte Jubiläum von SOHOs Start ist ein Grund zum Feiern für die Wissenschaftler und Ingenieure in Europa und den USA, die dieses beispiellose Weltraum-Sonnen-Observatorium entwarfen, bauten und bis heute betreiben – und die es schon dreimal davor bewahrten, in Vergessenheit zu geraten.

Vier Monate nach seinem fehlerfreien Start mit einer NASA-Rakete war SOHO an seinem speziellen Beobachtungspunkt, dem “Ersten Lagrange-Punkt”, angelangt. Dies ist ein Sonnenorbit, der 1,5 Millionen Kilometer enger ist als der Sonnenorbit der Erde, wodurch das Teleskop ungehinderte Aussicht auf die Sonne hat und dennoch nicht allzu weit von der Erde entfernt ist. Von da sendet es einen steten Strom von Bildern des unaufhörlich tobenden Wahnsinns in der Sonnenatmosphäre zur Erde.

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Bild von der Oberfläche der Sonne (zum Vergrößern anklicken).
Bild: SOHO/EIT (ESA/NASA)

Ursprünglich für eine Lebensdauer von nur zwei Jahren ausgelegt, hat SOHO so hervorragend funktioniert und so wichtige Daten geliefert, dass seine Betriebsdauer nun bis mindestens 2007 verlängert wurde. Dies entspricht einem vollen 11-Jahre-Zyklus der Sonne, und eine weitere Verlängerung wird diskutiert. Auch wenn es nicht immer einfach war…

Im Juni 1998 riss der Kontakt mit dem Observatorium komplett ab. Dramatische Bemühungen von ESA- und NASA-Ingenieuren, unterstützt von der Firma Matra Marconi Space (heute EADS Astrium), die SOHO baute, brachten das Observatorium erst im November 1998 zurück in den Normalbetrieb. Kurz darauf fiel das letzte Gyroskop des Observatoriums aus. Aber die Teams entwickelten neue Software, dank derer SOHO auch ohne Gyroskope gesteuert werden kann. Eine dritte Krise ereignete sich im Juni 2003, als SOHOs Antenne stecken blieb. Durch Umschalten auf die Reserveantenne und dank neuer Software zum zwischenzeitlichen Aufzeichnen von Daten konnten die Beobachtungen fortgesetzt werden.

“Hut ab vor den SOHO-Teams, deren Fähigkeiten und Engagement uns all’ diese Schwierigkeiten haben bewältigen lassen”, sagte Bernhard Fleck, ESAs Projektwissenschaftler für die Mission.
Mehr als 3200 Wissenschaftler rund um die Welt sind mittlerweile mit SOHO befasst, das ein Projekt internationaler Zusammenarbeit zwischen ESA und NASA ist. SOHOs Teleskope erforschen die Sonne bis tief in ihr Inneres und verfolgen den Sonnenwind bis zur Erdbahn und darüber hinaus.

“Man kann die Bedeutung von SOHO für die weltweite Gemeinde der Sonnenwissenschaftler gar nicht hoch genug einschätzen”, sagte Dr. Joe Gurman vom Goddard Space Flight Center der NASA. “In den letzten zehn Jahren hat SOHO unsere Vorstellungen über das Sonneninnere, ihre Atmosphäre und den Sonnenwind revolutioniert.”

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“Dopplergramm”, das die Auf- und Abbwegungen von “Supergranulen” (Durchmesser 30.000 Kilometer, also etwa doppelte Erdgröße) der Sonnenoberfläche in dunklen und hellen Farben darstellt (zum Vergrößern anklicken).
Bild: SOHO/MDI (ESA/NASA)

Einige von SOHOs wichtigsten wissenschafltichen Leistungen:

  • “Raumwetter”-Vorhersagen mit bis zu drei Tagen Vorwarnzeit bei Sonneneruptionen, die auf die Erde gerichtet sind.
  • Detaillierte und präzise Messungen von unterhalb der Sonnenoberfläche.
  • Die ersten Bilder der äußeren Schale eines Sterns (Konvektionszone) und der Struktur der Sonnenflecken.
  • Bilder von der abgewandten Seite der Sonne, darunter auch von Sonnenstürmen, die sich mit der Sonne drehen und die Erde bedrohen.
  • Entdeckung eines Mechanismus’, der die Sonnenatmosphäre auf hundertmal höhere Temperaturen aufheizt wie ihre Oberfläche.
  • Entdeckungen, wie eine Serie von Sonneneruptionen von ionisiertem Gas energetische Partikel in’s All schleudert, die Satelliten außer Gefecht setzen und Astronauten außerhalb des Erdmagnetfelds gefährden.

SOHO-Daten sind frei im Internet verfügbar. Bestes Beispiel dafür sind Personen auf der ganzen Welt, die anhand von Bildern des Observatoriums über 1000 Kometen entdeckt haben.

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