3000 Weltraumtouristen pro Jahr bis 2010?

Burt Rutan, der Kopf hinter SpaceShipOne, und Richard Branson, Chef der Virgin-Firmengruppe, haben die Gründung eines neuen Unternehmens bekanntgegeben, das die ersten bemannten Raumfahrzeuge bauen wird, die im kommerziellen Betrieb eingesetzt werden sollen.

Ein Beitrag von Gero Schmidt. Quelle: Virgin Galactic.

Die The Spaceship Company getaufte Firma wird Virgin und Rutans Firma Scaled Composites gemeinsam gehören. Ihr werden die Rechte an den von Rutan und seinem Team entwickelten Vehikeln gehören und sie wird diese auch produzieren, um sie dann an Weltraumtourismus-Unternehmen zu verkaufen. Erster Kunde wird Virgin Galactic sein, ein ebenfalls von Branson gegründetes Unternehmen.
Angelehnt an die heutige Luftfahrtindustrie könnte man sagen, dass Scaled Composites und The Spaceship Company die Rolle des Flugzeugherstellers zukommen wird, während Virgin Galactic und andere Weltraumtourismus-Unternehmen wie Fluggesellschaften funktionieren werden, die Flugzeuge von den Herstellern kaufen, diese aber nicht selbst entwickeln und produzieren.

Scaled Composites wird im Auftrag von The Spaceship Company die eigentliche Entwicklungsarbeit leisten, Testflüge durchführen usw.

Das Testprogramm wird im Bereich der bemannten Raumfahrt Maßstäbe setzen: Zwischen 50 und 100 Testflüge sind geplant, Rutan will bei einigen davon selbst mit an Bord sein. The Spaceship Company wird ausschließlich als Produzent der geplanten Vehikel auftreten und die Vermarktung an andere Weltraumtourismus-Firmen übernehmen.

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Burt Rutan hält nach dem Sieg im X-Prize-Wettbewerb eine Rede. Im Hintergrund Richard Branson.
(Bild: Scaled Composites)

Es handelt sich bei diesen Vehikeln um eine etwa dreimal größere Version des SpaceShipOne, mit dem Rutan und seine Firma im letzten Jahr den X-Prize gewannen, genannt SpaceShipTwo, und dazu eine ebenfalls stark vergößerte Version des Trägerflugzeugs White Knight, von dem aus SpaceShipOne ins All startete. Das neue Trägerflugzeug soll angeblich den Namen Eve tragen.

SpaceShipTwo soll Berichten zufolge sieben Passagiere und zwei Piloten auf einer suborbitalen Flugbahn ins All bringen können, wobei es anders als SpaceShipOne nicht fast senkrecht in den Himmel steigen und danach auf geradem Weg zur Erde zurückstürzen wird, sondern einer eher bogenförmigen Bahn folgen soll. Angeblich ist geplant, ein paar hundert Kilometer vor der Westküste der USA zu starten und dann auf dem Festland zu landen.

Für den Anfang wird Virgin Galactic fünf SpaceShipTwo-Raumflugzeuge und zwei Trägerflugzeuge von The Spaceship Company kaufen, mit Optionen auf weitere Auträge. Damit sollen Schätzungen zufolge im ersten Betriebsjahr etwa 400 Menschen ins All fliegen, im zweiten rund 2000 und im dritten schließlich um die 3000. Dazu müsste jeden Tag mindestens ein kommerzieller Flug stattfinden, es blieben also bei einer Flotte von fünf Raumfahrzeugen jeweils fünf Tage Zeit, um die einzelnen Vehikel zwischen ihren Exkursionen ins All zu überholen. Das scheint durchaus realistisch, da die X-Prize-Flüge von SpaceShipOne auch nur ein paar Tagen auseinanderlagen.

Die Frage scheint vielmehr, ob sich genügend Kunden finden werden. Die ersten Flüge werden etwa 200.000 Dollar pro Ticket kosten, und laut Virgin Galactic haben sich bereits über hundert Leute auf eine Warteliste dafür setzen lassen und Vorauszahlungen geleistet. Branson erwartet, dass die Preise noch deutlich sinken werden; je mehr Menschen mitfliegen wollten, desto billiger würden die Ticketpreise.

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