Astrium führt Vorbereitungen von DEOS für das DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Astrium GmbH am 13. September 2012 mit der der Gesamtsystemführung bei der Vorbereitung einer deutschen Mission zur kontrollierten Entsorgung ausgedienter Satelliten namens DEOS beauftragt.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Astrium, BmBF, BmWi, DLR.

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Servicesatellit visiert ein Ziel an – Illustration
(Bild: DLR)

DEOS steht für “Deutsche Orbitale Servicing Mission” und kennzeichnet ein Konzept, das zur Realisierung einer Möglichkeit führen soll, gealterte und deaktivierte Satelliten auf niedrigen Erdumlaufbahnen einzufangen und anschließend bei kontrollierten, zerstörerischen Wiedereintritten in der Erdatmosphäre zu entsorgen. Außerdem werden im Rahmen von DEOS Möglichkeiten zur robotischen Wartung und automatisch ablaufenden Nachbetankung von Satelliten im Weltraum untersucht.

Die Astrium GmbH hat jetzt die Aufgabe, mit ihren Geschäftsbereichen “Satellites” in Friedrichshafen und “Space Transportation” in Bremen im Rahmen einer auf ein Jahr angesetzten Designphase vorbereitende Missions- und Produktdefinitionen zu erledigen und zu koordinieren. Das Unternehmen erhält dafür 15 Millionen Euro.

Am mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finanzierten Projekt DEOS wird schon geraume Zeit gearbeitet. Dabei wurde eine Reihe von Projektphasen bereits abgeschlossen. Phase 0 begann Ende April 2007, ein Mission Definition Review (MDR) fand im Juli 2007 statt. Zu Vorschlägen für die Phase A wurde Ende Februar 2008 aufgerufen, die Studien im Rahmen der Phase A endeten im Februar 2009 unter der Systemführung der SpaceTech GmbH, Immenstaad (STI). Im Januar 2010 begann die Definitionsphase Phase B, die Gesamtsystemführung lag bei der OHB-System AG, Bremen.

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gemeinsamer Wiedereintritt von Service- und Zielsatellit – Illustration
(Bild: DLR)

Ob das Projekt tatsächlich zu einer erfolgreichen Technologiedemonstrationen führt, bei der sich zwei gemeinsam gestartete Satelliten im All in rund 550 km über der Erde zunächst voneinander trennen sollen, damit anschließend ein komplexes Testprogramm und schließlich ein gemeinsamer Wiedereintritt in die Erdatmosphäre durchgeführt werden kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt angesichts knapper Kassen alles andere als sicher. Industrievertreter rechnen mit einem Start von DEOS ab dem Jahr 2018. Im Hinblick auf die Vermarktung eines deutschen Systems zur Satellitenentsorgung hofft man seitens des DLR Raumfahrtmanagement auf eine erste Mission zu einem früheren Zeitpunkt.

Die sich zuspitzende Situation im Bereich der am intensivsten genutzten Erdorbits, insbesondere auch der niedrigen Erdumlaufbahnen macht es unbedingt erforderlich, möglichst bald über einsatzfähiges System zur Beseitigung havarierter und stillgelegter Satelliten zu verfügen. Die Wahrscheinlichkeit von Kollisionen mit oder zwischen ausgedienten Raumfahrzeugen ist wegen der bisher stetig zunehmenden Zahl der Erdtrabanten auf ein Besorgnis erregendes Maß angestiegen.

Bisher auf niedrige Erdumlaufbahnen transportierte Satelliten haben nur in seltenen Fällen ausreichend Betriebsmittel an Bord, um nach Einsatzende einen gezielten Wiedereintritt abzuwickeln. Manche der nicht entsprechend ausgestatteten Satelliten sind plötzlich und unerwartet ausgefallen, ohne dass beispielsweise Prozesse zur Sicherung von Treibstofftanks und Akkumulatoren ausgelöst werden konnten. Eine solcher, außerdem besonders massereicher und großer Satellit ist Envisat. Dieser bisher größte europäische Erdbeobachtungssatellit kreist seit dem 8. April 2012 ungesteuert in rund 774 km Höhe um die Erde. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes mit einem anderen Stück Weltraumschrott liegt ausgehend von der derzeitigen Population auf niedrigen Erdorbits für die Restlebensdauer des Satelliten auf einer Bahn um die Erde im zweistelligen Prozentbereich.

Ohne Frage wäre ein möglichst bald nutzbares System zur Satellitenentsorgung für alle Raumfahrt betreibenden Nationen von Vorteil. Letztlich werden aber alle Erdbewohner profitieren. Es wäre dann nämlich auch möglich, Satelliten, deren Masse oder Aufbau vermuten lassen, dass schwere Trümmer auf den Erdboden gelangen und Menschenleben gefährden könnten, gezielt über unbewohnten Meeresregionen niedergehen zu lassen. Erst Ende Oktober 2011 stellte der deutsche Röntgensatellit ROSAT eine reale Gefahr dar. Ohne jede Möglichkeit einer beabsichtigen Beeinflussung trat der Satellit wieder in der Erdatmosphäre ein. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass ROSAT nicht über dicht besiedelten Gebieten Chinas niederging, sondern über dem Golf von Bengalen.

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