Atlas V soll Boeings Kapsel CST-100 ins All tragen

Voraussetzung ist allerdings eine ausreichende finanzielle Förderung durch die NASA. Dann könnten 2015 drei Testflüge absolviert werden und ab 2016 der operationelle Betrieb beginnen.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: Boeing, Raumcon.

ULA (via Wikipedia)
Atlas-V-Trägerrakete beim Start des Mars Reconnaissance Orbiter im Jahre 2005
(Bild: ULA (via Wikipedia))

Gewählt wurde die Atlas V mit einem seitlich angebrachten Booster. Die Rakete verfügt dann über ausreichend Schub, um das Raumschiff und die erforderliche Centaur-Oberstufe zu transportieren. Die Oberstufe soll mit zwei Triebwerken ausgerüstet sein. Dies ermöglicht eine Nutzlast von etwas mehr als 12 Tonnen in eine erdnahe Umlaufbahn (LEO = Low Earth Orbit).

Ausschlaggebend für die Entscheidung war nach Worten von John Elbon, Vizepräsident von Boeing und Programm-Manager für die bemannte kommerzielle Raumfahrt (CCDev), dass die Atlas V seit ihrem Jungfernflug 2002 insgesamt 26 ausnahmslos erfolgreiche Einsätze absolviert hat. Mit eine Rolle spielen könnte auch, dass Boeing an der United Launch Alliance, dem Betreiber der Atlas, einen Anteil von 50% hält.

Das in Entwicklung befindliche Raumschiff CST-100 soll aus zwei Sektionen bestehen, der Besatzungskabine (Crew Module), einer kegelförmigen Kapsel mit Hitzeschutz, die zur Erde zurückkehren kann, und dem Service Module mit Tanks, Triebwerken und Radiatoren zur Wärmeabführung. An der Basis hat die Kapsel einen Durchmesser von 4,56 m, die Höhe liegt bei etwa 2,40 m. Darin soll Platz für maximal 7 Personen sein. Geplant ist das Anfliegen einer Raumstation innerhalb von 8 Stunden. Ohne zusätzliche Versorgung soll die CST-100 zwei Tage im All bleiben können, mit Versorgung bis zu 210 Tage. Dafür soll das Raumschiff eine Leistung von nur etwa 1 kW beziehen.

Mögliche Ziele für das Raumschiff sind zum einen die Internationale Raumstation, zum zweiten eine in Planung befindliche kommerzielle Station von Bigelow Aerospace. Dazu wurden bereits erhebliche Vorarbeiten vorgenommen. Die meisten Stationsmodule von Bigelow sind entfaltbar. Das größte Modell erreicht ein höheres Volumen als alle gegenwärtigen Module der ISS zusammen. Testmodule umlaufen die Erde bereits seit mehreren Jahren.

Werden von der NASA im Rahmen des Programms CCDev (Commercial Crew Development, kommerzielle bemannte Raumfahrtentwicklung) Fördermittel in ausreichender Höhe zur Verfügung gestellt, so könne man die Entwicklungs- und Erprobungsphase bis 2015 abschließen. Zum Erprobungsprogramm gehören ein unbemannter orbitaler Flug (Uncrewed Orbital Flight Test), ein Aufstiegsabbruchtest (Ascent Abort Test) und ein bemannter Test mit Boeing-Personal (Two-Crew Fligt Test). Zuvor müssen aber noch andere sogenannte Meilensteine erreicht werden.

Als einigermaßen ausreichend sieht Boeing die vom Weißen Haus angesetzten 850 Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Förderung ist allerdings zwischen den demokratischen Entscheidungsgremien der USA äußerst umstritten und so wird man zunächst diese schwierige Entscheidung abwarten müssen. Neben Boeing bewerben sich aber mehrere Konkurrenten um die geplanten Mittel.

Raumcon:

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