GOES 7 nach 25 Jahren im Friedhofsorbit

An Bord verbliebener Resttreibstoff wurde verwendet, um den Wettersatelliten GOES 7 in einen Friedhofsorbit zu steuern, teilte die US-amerikanische Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) am 12. April 2012 mit.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: NASA, NOAA.

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GOES 7 als GOES-H vor dem Start
(Bild: NOAA)

Die Bahn von GOES 7 wurde unter Einsatz von Triebwerken des an Bord des Satelliten befindlichen, Spacecraft Propulsion Subsystem (SPS) genannten, Hydrazin zersetzenden Antriebssystems angehoben. Das letzte Manöver zum Verbrauch übrig gebliebenen Treibstoffs und der letzten Justierung der Spinrate des Satelliten erfolgte am 12. April 2012 gegen 08:00 Uhr MESZ. Anschließend wurden die Kommunikationseinrichtungen an Bord des vor dem Start unbetankt rund 400 Kilogramm schweren Satelliten deaktiviert und seine Stromversorgungssysteme heruntergefahren.

Die Flughöhe von GOES 7 konnte insgesamt um rund 300 Kilometer gesteigert werden, so dass er künftig in ausreichend großem Sicherheitsabstand zu den im Geostationären Orbit aktiven Raumfahrzeugen auf einer derzeit um rund 13,8 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn um die Erde ziehen kann.

GOES 7 als letzter Vertreter der von der Hughes Aircraft Corporation gebauten zweiten Generation NOAAs geostationärer Wettersatelliten war am 26. Februar 1987 als GOES-H gestartet worden. Seinen Transport von der Rampe 17A auf Cape Canaveral in Florida in den Weltraum hatte die Delta-Rakete Nr. 179, einer Variante in der Version 3914, erledigt.

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GOES 7 im All – Illustration
(Bild: NOAA)

Den Einschuss in eine geosynchrone Umlaufbahn mittels Feststoffmotor hatte man wegen einer sich außerhalb des spezifizierten Temperaturbereichs erwärmten Zündeinrichtung – vermutlich verursacht durch eine fehlerhafte Verkabelung von Heizelementen – um zwei Erdumläufe vorgezogen. Nach Ausbrennen des beim Start rund 456 Kilogramm schweren Apogäumsmotors Star-27, dessen Abwurf und diversen Korrekturmanövern hatte der Satellit am 5. März 1987 eine Position im Geostationären Orbit bei 81,5 Grad West erreicht, wo ausgiebige Tests der Raumfahrzeugsysteme und Beobachtungsinstrumente vorgenommen wurden.

Nach zügiger erfolgreicher Inbetriebnahme wurde der spinstabilisierte Satellit mit einem Durchmesser von rund 2,15 Metern Ende März 1987 bei 75 Grad West über dem Atlantik positioniert. Den operationellen Einsatz auf der als GOES Ost bezeichneten Position begann der Satellit am 25. März 1987; seitdem wird er GOES 7 genannt. Der in den Tanks des Satelliten befindliche Hydrazinvorrat sollte eine Auslegungsbetriebsdauer von 7 Jahren ermöglichen, welche das Raumfahrzeug auf Grund häufiger Positionswechsel nicht ohne Probleme erreichte.

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Ansichten des Hurrikans Andrew am 23., 24. und 25. August 1992 nach Daten von GOES 7
(Bild: NASA)

Der Satellit wurde als bisher einziger der NOAA im Regelbetrieb auf den Positionen GOES Ost und GOES West verwendet. Von 1989 an, als sein Vorgänger GOES 6 ausfiel, bis hinein ins Jahr 1994 war GOES 7 überhaupt der einzige geostationäre Wettersatellit der NOAA. Auf der westlicheren Position wurde GOES 7 in den Wintermonaten zur Beobachtung von Stürmen, die vom Pazifik Richtung Nordwesten der Vereinigten Staaten und Kalifornien ziehen, benutzt, auf der östlichen im Sommer, um die Verfolgung der Stürme, die die Ostküsten bedrohen, sicherzustellen.

1992 lieferte GOES 7 überlebenswichtiges Bildmaterial zum Hurrikan Andrew, der im Süden Floridas wütete und Schäden in geschätzter Höhe von 30 Milliarden US-Dollar verursachte.

Aus Gründen der Treibstoffersparnis absolvierte GOES 7 ab Juni 1992 keine Korrekturmanöver in Nord-Süd-Richtung mehr, was zur Ausbildung einer gewissen Bahnneigung führen sollte – pro Jahr rund 0,9 Grad. Im Januar 1994 betrug die Neigung des Orbits des Satelliten gegen den Erdäquator etwa 1,2 Grad, in den Tanks befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch knapp 9,4 Kilogramm Hydrazin.

Schließlich hatte die Qualität der Daten der für die NOAA wesentlichen Instrumente so weit nachgelassen, dass die Wetterbehörde über eine Außerdienststellung des Satelliten entscheiden musste. Am 11. Januar 1996 beendete die NOAA offiziell die Nutzung von GOES 7.

NOAA
Das letzte Wetterbild von GOES 7 am 11. Januar 1996
(Bild: NOAA)

Danach überließ man den Satelliten mit weiterhin funktionsbereiten Kommunikationsanlagen der Universität Manoa auf Hawaii, so wie es früher bereits mit ATS 1, ATS 3, GOES 2 und GOES 3 geschehen war. Die Universität nutzte die noch in gutem Zustand befindlichen S-Band-Kommunikationseinrichtungen von GOES 7 bis vor Kurzem im Rahmen ihres Pan-Pacific Education and Communication Experiments by Satellite (PEACESAT) genannten Programms, das medizinische Konsultationen via Videokonferenz für Nutzer in abgelegenen Gebieten des Inselstaats ermöglicht. Für PEACESAT wurde GOES 7 bei 175 Grad West im Geostationären Ort positioniert, wo er bis zuletzt arbeitete.

Neben den Instrumenten zur Wetterbeobachtung und seinen Kommunikationseinrichtungen besaß der Satellit außerdem eine Nutzlast für das internationalen Such- und Rettungssystem COSPAS-SARSAT. GOES 7 trug einen experimentellen Transceiver für das GEOSAR für Geostationary Search and Rescue genannte Weltraumsegment von COSPAS-SARSAT auf Satelliten im Geostationären Orbit.

GOES 7 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 17.561 bzw. als COSPAR-Objekt 1987-022A, von der Meteorologischen Organisation der Vereinten Nationen (WMO) als Satellit Nr. 251.

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