Hartley 2: erste Ergebnisse

Erstmals wurden in der Umgebung eines Kometen regelrechte Eisbrocken aufgenommen, die aus der Kometenoberfläche herausgerissen wurden.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA/JPL. Vertont von Peter Rittinger.

NASA/
Rauhe Enden, glatte Mitte: Nahaufnahme des Kometen Hartley 2 vom EPOXI-Vorbeiflug am 4. November 2010 (Bild: NASA)

Dies geschieht offenbar, wenn im Sonnenlicht zunächst gefrorenes Kohlenstoffdioxid beinahe schlagartig direkt in den gasförmigen Zustand übergeht. Diesen Vorgang nennt man Sublimation. Er erfolgt nur im (beinahe) luftleeren Raum.

“Es ist das erste Mal, dass wir einzelne Eisklümpchen in der Wolke um einen Kometen oder in Jets, die durch Kohlenstoffdioxidgas angetrieben werden, gesehen haben”, sagte Michael A’Hearn, Leitender Forscher für Deep Impact/EPOXI an der Universität von Maryland. “Wir haben danach schon beim Kometen Tempel 1 gesucht, konnten aber keine solchen Eispartikel finden.” Zur Erläuterung: Deep Impact passierte im Juli 2005 Tempel 1.

Auf den Bildern vom nahen Vorbeiflug an Hartley 2 erkennt man sofort eine rauhe Beschaffenheit an den kugelförmigen Enden des Kometenkerns, während die mittlere Zone schlank und scheinbar eben ist. Außerdem treten vorwiegend aus den rauhen Oberflächen Gasstrahlen aus, die im Sonnenlicht deutlich zu sehen sind.

NASA/JPL
“Schneebälle” wirbeln in der Umgebung des Kometenkerns umher. (Bild: NASA/JPL)

Nach Schlussfolgerungen und Messungen der beteiligten Wissenschaftler sublimiert hier vor allem Kohlenstoffdioxid, welches bei der schlagartigen Gaswerdung ganze Bröckchen umgebenden Materials mitreißt. Diese “Schneebälle” treiben dann in der Umgebung des Kometen umher. Durch die Abrisse wirken die Enden des Kometen aufgerissen und rauh.

“Als wir diese den Kern umgebenden Flecken gesehen haben, stand uns der Mund offen”, sagt Pete Schultz, EPOXI-Co-Investigator an der Brown University. “3D-Bilder ergaben, dass da Schneebälle vor und hinter dem Kern sind, die es wie eine Szene aus einer Schneekugel aussehen lassen.”

Im mittleren Bereich des hantel- oder erdnussförmigen Kometenkerns dagegen wirkt die Oberfläche relativ glatt. Hier tritt offenbar vor allem verdampfendes (sublimierendes) Wasser aus, der CO2-Vorrat ist hier wohl schon aufgebraucht. Die Ursache dieses Phänomens dürfte nun auch Gegenstand weiterer Überlegungen und Untersuchungen sein. Es bleibt spannend.
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