HTV im Endspurt

Das japanische unbemannte Transportraumschiff H-II Transfer Vehicle, kurz HTV, beginnt in diesen Minuten mit der Endphase des Anfluges an die Internationale Raumstation.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: JAXA, SpaceflightNow.

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Das HTV wird in unmittelbarer Nähe der Station eingefangen.
(Computergrafik: JAXA)

Dazu wurde 14.26 Uhr MESZ ein letztes Bahnanhebungsmanöver durchgeführt. Dadurch gelangt HTV 1 von seiner gegenwärtigen Bahn (328 x 341 km) auf die Zielbahn, etwa 5 Kilometer hinter der ISS, zum Zugangseinleitungspunkt (Approach Initiation Point), den es gegen 17.30 Uhr MESZ erreichen soll. In gut einer Stunde nähert sich das Raumfahrzeug unter Verwendung der eigenen Triebwerke dem Rendezvous-Ansatzpunkt, direkt 500 Meter unter der Station. Hier wird das Lasermesssystem aktiviert, mit dessen Hilfe der präzise Endanflug analysiert wird.

Dazu befinden sich an der Unterseite des japanischen Labormoduls Kibo mehrere Reflektoren, welche die vom HTV ausgesandten Laserstrahlen zu diesem zurückwerfen. Die Computer des Frachters werten die Signale aus und können aus Laufzeit und Einfallswinkel die genaue Position relativ zu Kibo zentimetergenau berechnen. Sind die Werte nicht stimmig, so führt das autonom agierende Raumschiff automatisch ein Fluchtmanöver nach unten aus. Ein derartiges Manöver kann aber auch per Knopfdruck von Bord der Station aus oder vom Bodenpersonal eingeleitet werden.

Von 18.33 Uhr bis 18.48 Uhr MESZ soll sich das HTV dann der Station bis auf 300 Meter nähern. Hier gibt es einen etwa einstündigen Zwischenhalt, an dem noch einmal alle anfallenden Daten genau analysiert werden. Ab etwa 20.02 Uhr beginnt das Raumfahrzeug erneut zu steigen und nähert sich im Verlaufe von 40 Minuten dem Labormodul Kibo bis auf 30 Meter. Erneut wird eine Pause eingelegt, die mit einer Vielzahl von Tests angefüllt ist. Vor allem geht es darum, ob das HTV auf einen Fluchtbefehl schnell und korrekt reagiert.

Von 21.08 Uhr bis 21.29 Uhr soll sich das Raumschiff schließlich der Station bis in die Andockzone, etwa 10 Meter unterhalb des Stationsbugs nähern. Danach wird der Roboterarm von Nicole Stott in Stellung gebracht. Ist er nahe genug, werden alle Triebwerke des HTV deaktiviert und gesichert. Es soll dann mit maximal 2 bis 3 Zentimetern pro Sekunde unter der Station driften. Innerhalb von 100 Sekunden soll das vordere Ende des Stationsmanipulators dann am Andockpunkt des HTV festgemacht haben. Diese Operation soll etwa 21.50 Uhr MESZ ablaufen.

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Die Außenfracht soll am Sonntag entladen werden.
(Computergrafik: JAXA)

Danach übernimmt der Kanadier Robert Thirsk die Steuerung des Roboterarms. Gegen Mitternacht soll HTV am unteren Kopplungsstutzen des Verbindungsmoduls Harmony angedockt werden. Für einen eventuellen Außenbordeinsatz halten sich derweil Nicole Stott und Michael Barratt bereit. Wenn man das HTV schon eingefangen hat, will man es natürlich unbedingt ankoppeln. Erst dann wird die Innenfracht zugänglich. Dabei handelt es sich um etwa 2.040 kg Versorgungsgüter, Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien (darunter 705 kg Nahrungsmittel, weitere Ausrüstungen für NASA und JAXA, 143 kg sonstige Lebensmittel sowie Computer-Hardware). Geöffnet wird die Luke allerdings erst am Freitag morgen unserer Zeit nach ausgiebigen Tests auf Dichtheit und Funktion der Energieversorgung.

Die Außenfracht, bestehend aus zwei Erderkundungsexperimenten von JAXA (SMILES, 392 kg) und NASA (HREP, 313 kg) soll am 24. September gelöscht werden. Dazu werden die Experimente zunächst mit dem Stationsmanipulator aus dem HTV gezogen und dann an den japanischen Manipulator übergeben. Dieser schwenkt sie auf ihre vorgesehene Position an der japanischen Außenplattform Japanese Exposed Facility (JEF). Hier sollen sie zur Erforschung von Küstenlinien und speziellen Erscheinungen in der Erdatmosphäre eingesetzt werden.

HTV soll für etwa 30 bis 45 Tage angekoppelt bleiben. Danach wird er mit nicht mehr benötigten Materialien beladen, abgekoppelt und anschließend in die dichten Schichten der Erdatmosphäre gesteuert, wo er verglüht. Zuvor wird man austesten, was man mit dem zusätzlichen Raum in der Station anfangen kann. Das erste europäische ATV, das 2008 für mehrere Monate am Heck der ISS angedockt war, diente einigen Raumfahrern als Schlafraum, da es hier leiser und etwas kühler als in anderen Stationsmodulen war.

In den kommenden Jahren soll jährlich ein HTV starten und die Station mit Nachschub versorgen. Für Treibstofftransporte oder Bahnanhebungsmanöver der gesamten Station ist das HTV im Gegensatz zu russischen Progress-Transportern und dem ATV allerdings nicht geeignet.

Raumcon:

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