Indischer Booster S200 im statischen Brennversuch

Die indische Raumfahrtorganisation ISRO meldete am 24. Januar 2010 den erfolgreichen Test eines Feststoffboosters, wie er bei GSLV-Mk-III-Raketen verwendet werden soll.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ISRO.

ISRO
GSLV-Mk-III mit S200-Boostern – Illustration
(Bild: ISRO)

Der als S200-ST-01 bezeichnete Versuch erfolgte im Teststand 6C der Anlagen für Montage und statische Tests (engl. Vehicle Assembly and Static Test Facilites, VAST) des Satish Shawan Space Centre (SDSC) auf der Insel Sriharikota. Teststand 6C war ursprünglich in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts für Tests der PS-1-Motoren der Raketentypen PSLV und GSLV errichtet worden und erfuhr seither Anpassungen und Erweiterungen. So wurde beispielsweise eine Löschanlage eingerichtet, die einen gerade ausgebrannten S200-Motor zunächst mit 1000 Kilogram Halon flutet und später 3600 Liter Wasser in das Aggregat pumpt um zu verhindern, dass die Wärmeisolierung des Boosters nicht soweit verbrennt, dass ihr Zustand nicht mehr sinnvoll analysiert werden kann und um Verbrennungsrückstände im Motor herunterzukühlen. Fragen der Handhabung und der Passgenauigkeit waren vor dem jetzt erfolgten ersten Test eines S200-Motors unter Verwendung eines in Masse und Abmaßen identischen Mockups überprüft worden.

ISRO
S200-Booster im Teststand 6C
(Bild: ISRO )

Nach den Feststoffboostern für die US-amerikanischen Space Shuttle und die europäischen Raketen des Typs Ariane 5 ist der S200 der drittgrößte Feststoffbooster. Zwei solche Booster sollen von der in Entwicklung befindlichen GSLV-Mk-III-Rakete benutzt werden.

Der erste Start einer GSLV-Mk-III – sie soll in der Lage sein einen rund vier Tonnen schweren Satelliten in den Geostationären Orbit zu bringen – ist nach derzeitigen Planungen für das Jahr 2011 vorgesehen.

ISRO
statischer Brennversuch S200-ST-01 am 24. Januar 2010
(Bilder: ISRO )

Während des Test am 24. Januar 2010 brannte der Raketenmotor nach Angaben der ISRO (engl. Indian Space Research Organisation) 130 Sekunden und erzeugte dabei einen Maximalschub von rund 500 Tonnen. Er soll sich dabei genau wie vorausgesagt verhalten haben. Rund 600 Parameter wurden während des Brennversuchs aufgezeichnet, deren erste Beurteilung für einen nominalen Versuchsverlauf spricht.

Der 21,9 Meter lange Booster mit einem größten Durchmesser an der Basis von 3,27 Meter besaß drei mit Hydroxyl-Terminiertem Poly-Butadien (HTPB) gefüllte Segmente mit einem Zylinderdurchmesser von 3,2 Metern. Das Kopfsegment war mit 21,7 Tonnen Treibstoff ausgestattet, im mittleren Segment befanden sich 97,28 Tonnen Treibstoff und das hintere Segment mit der Ausströmdüse war mit 82,21 Tonnen Treibstoff versehen. Die Montage des Boosters mit dem Aufeinandersetzen der einzelnen Segmente erfolgte im Gebäude für Feststoffstufenmontage (engl. Solid Stage Assembly Building, SSAB).

Die ISRO nennt in den Plandaten für den S200 einen nominalen Maximalschub von 5.151 Kilonewton in Meereshöhe, und einen durchschnittlichen Schub von 3.578,2 Kilonewton in Meereshöhe. Der Spezifische Impuls auf Meereshöhe wird mit 227 Sekunden angegeben, im Vakuum soll er bei 274,5 Sekunden liegen. Während einer Gesamtbetriebsdauer von 127,7 Sekunden soll ein S200-Motor 103,8 Sekunden brennen. 149,3 Sekunden nach dem Start einer GSLV-Mk-III-Rakete würden die Booster abgeworfen.

Nach oben scrollen