MARS – Kontaminationsgefahr durch Raumsonden

An der University of Florida wurden neue Experimente unternommen, um die Gefahren und Möglichkeiten einer ungewollten Kontamination des Mars´ durch Raumsonden besser abschätzen zu können. Ergebnis: organische Moleküle von der Erde können auf dem Mars lange stabil bleiben.

Ein Beitrag von Daniel Schiller. Quelle: astrobionet, UF.

Andrew Schuerger/UF
Der Marssimulator an der University of Florida
(Bild: Andrew Schuerger/UF)

Bei der Suche nach Spuren von Leben oder dessen Grundlagen auf dem Mars ist ein Aspekt, dass durch Missionen zu unserem Nachbarn keine Mikroben oder auch organische Moleküle von der Erde eingeschleppt werden, wodurch die Ergebnisse verfälscht werden könnten. An der University of Florida wurden in mehreren Versuchen die Strahlungsbedingungen auf der Oberfläche in Äquatornähe in einem Marssimulator nachgestellt.

Nach bisheriger Erkenntnis sterben einfache Lebewesen (Mikroben, Einzeller) an Bord einer Raumsonde durch die hohe Intensität der harten UV-Strahlung auf der Marsoberfläche sehr schnell, innerhalb von Stunden, da ihre DNA zerstört wird. Die Oberfläche eines Landers wird demnach schnell sterilisiert.

Unbekannt war bisher, was mit den organischen Überresten der blinden Passagiere passieren würde. Es wurde erwartet, dass auch diese schnell zerfallen müssten, was durch Versuche mit einfachen Molekülen bisher bestätigt wurde. In Florida wurde jetzt das komplexe Molekül ATP (Adenosintriphosphat), verantwortlich für den Energietransport in Zellen irdischer Lebewesen, im Marssimulator den Oberflächenbedingungen ausgesetzt.

University of Arizona, NASA
Arbeit eines Ingenieurs unter Reinraumbedingungen am TEGA-Instrument des Phoenix-Landers
(Bild: University of Arizona, NASA)

Überraschendes Ergebnis war, dass es bis zu 158 Sol (Marstage) dauern kann, bis das Molekül von freien Flächen verschwunden ist. Bei schattigen Flächen kann es sogar bis zu 32.000 Sol ausharren, was ca. 50 Marsjahren entspricht. Da bei den Versuchen aber nur die Wirkung der harten UV-Strahlung simuliert wurde, kann die wahre Verweildauer unter allen Effekten der Marsumgebung deutlich kürzer ausfallen, da noch Oxidationsprozesse durch die Atmosphäre auftreten können.

Es muss davon ausgegangen werden, dass ATP bei den zurückliegenden Marslandungen bereits mit eingeschleppt wurde. Bisher wurde auf die Reinheit der Sonden bezüglich Lebewesen geachtet. Als Richtwert der NASA gilt, dass beim Start weniger als 300.000 Mikroben auf der Oberfläche eines Landers existieren dürfen. Die Mengen an unlebendigem, organischem Material wurden bisher nicht geregelt.

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