MedOps und Frachter-Abflug

Auch in dieser Woche spielten medizinische Untersuchungen (MedOps) an Bord der Internationalen Raumstation erneut eine große Rolle. Außerdem wurde der Frachter Progress-M 66 zum Abflug bereit gemacht und von der Station abgekoppelt.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA.

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Koichi Wakata nimmt Luftproben für spätere mikrobiologische Untersuchungen.
(Bild: NASA)

Die medizinischen Untersuchungen betrafen ein Medikament gegen Knochenabbau, die Messung von Wadenmuskulatur und Körpermasse, Hörtests, eine Lungenfunktionsprüfung, die Entnahme von Blut- und Urinproben, das Ausfüllen von Ernährungsfragebögen und eine komplexe Erfassung wichtiger Parameter in Ruhe und unter Belastung. Bei letzterem Experiment wurden die Bewegung des Herzmuskels (Kinetokardiogramm), die Durchblutung von Lunge (Rheoplethsmogramm) und Gehirn (Rheoenzephalogramm) sowie die Herzfrequenz aufgezeichnet, während der Proband, Gennadi Padalka, für jeweils 3 Minuten eine Leistung von 125, 150 bzw. 175 Watt auf dem VELO-Ergometer halten musste.

Außerdem wurden auch verschiedene chemisch-biologische Parameter in der Station überwacht. Koichi Wakata überprüfte die Petrischalen, in denen fünf Tage zuvor Proben aus der Stationsluft bzw. von verschiedenen Oberflächenabstrichen kultiviert worden waren, auf Keimbelastung. Weitere Systeme erfassen die Belastung der Stationsluft oder verschiedener Wasserreservoire mit biologischen oder chemischen Substanzen.

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Progress-M 66 verlässt die Station.
(Bild: NASA)

Am Montag wurde das Beladen des Frachters Progress-M 66 abgeschlossen. Zuletzt war noch Urin aus der Station in leere Tanks des Raumschiffs umgepumpt worden. Als abschließende Arbeiten vor dem Abkoppeln wurden ein Temperatursensor und eine Lampe zur Wiederverwendung entnommen, die Steuerung der Triebwerke vom Stationscomputer auf die Bordelektronik des Frachters umgeschaltet, der Kopplungsmechanismus in der Außenluke des Ausstiegsmoduls Pirs eingebaut, einige Halteklammern gelöst, ein Schlauch zur Belüftung und Thermoregulierung demontiert und die Luken geschlossen. Nach dem etwa einstündigen Dichtheitstest war Progress-M 66 zum Abflug bereit. Die Abkopplung erfolgte am 6. Mai um 18:17 Uhr MESZ. Zuvor hatten Padalka und Michael Barratt ein dreistündiges Training am Fernsteuerungssystem TORU für an- und abfliegende Raumschiffe absolviert. Nach dem Abkoppeln wurde in der Station ein Amateurfunksystem aktiviert, über das Untersuchungen zu Interferenzen mit dem Telemetriesystem des Frachters vorgenommen werden konnten. Progress-M 66 fliegt noch zur Durchführung von Plasmaexperimenten bis zum 18. Mai autonom. Dann wird das Raumschiff über dem Pazifik zum Absturz gebracht.

Progress-M 02M, der zweite Frachter einer neuen Serie, startete bereits am 7. Mai, 22:37 Uhr MESZ von Baikonur aus. Er soll nach ausgiebigen Tests von Navigation, Steuerung, Sensorik und Telemetrie am 12. Mai an der ISS andocken. Bis dahin werden eventuell notwendige Ausweichmanöver der Internationalen Raumstation mit den Triebwerken des am Heck angekoppelten Sojus-Raumschiffs durchgeführt.

Am 5. Mai wurde der Stationsmanipulator Canadarm2 auf dem Mobilen Transporter (MT) in eine für eine Fahrt günstige Position gebracht. Der MT wurde am folgenden Tag, von der Erde aus ferngesteuert, von Arbeitsstation 4 nach 7 verlegt. Am 7. Mai wurde das Videosystem des Space Station Remote Manipulator Systems (SSRMS), wie der Manipulator offiziell heißt, dazu verwendet, einen CETA-Transportkarren sowie das Drehgelenk zur Rotation der Solarzellen auf der Backbordseite (Portside Solar Alpha Rotary Joint, SARJ) zu begutachten und photometrisch zu vermessen. Außerdem wurde im Gegenlicht der Ausstoß von Ammoniak aus einem Radiator des Gitterelements S1 aufgezeichnet.

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Michael beim Vorbereiten eines Experiments
(Bild: NASA)

Weitere Arbeiten betrafen Wartung und Reinigung verschiedener Stationskomponenten (Sportgeräte, Lebenserhaltungssystem, Luftstromventilatoren und -filter), Status-Checks an verschiedenen Experimenten (BCAT, Rastenija), die Analyse von Luft- und Wasserproben, Inventur und Überprüfung von EVA-Zubehör in Quest, die Neuanordnung von Beschleunigungsmesssensoren (SAMS), das Bereitlegen von Werkzeugen und Hilfsmitteln für die Anfang Juni anstehenden Ausstiege, die Inspektion von Feuerwarn- und -löschsystemen und ein einstündiges Notfalltraining. Ein neues Problem besteht im weiterentwickelten russischen Telemetriesystem. Von den neuen Raumanzügen des Typs Orlan-MK werden bisher keine Daten empfangen.

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