NASA ernennt ersten ISS-Wissenschaftsoffizier

Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hat am 16. September mit Dr. Peggy Whitson den ersten Wissenschaftsoffizier für die Internationale Raumstation (ISS) ernannt. Durch diesen Akt soll die Forschung an Bord der ISS auch nach außen hin ein stärkeres Gewicht bekommen.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: NASA.

Dr. Peggy Whitson, erster Wissenschaftsoffizier an Bord der ISS. (Foto: NASA)

NASA-Administrator Sean O’Keefe begleitete die Ernennung von Peggy Whitson zum ersten Wissenschaftsoffizier der ISS mit der Bemerkung, dass es nach fast zwei Jahren mit einer permanenten Besatzung an Bord Zeit dafür sei, den Fokus nun auf den eigentlichen Zweck des Außenpostens – nämlich die wissenschaftliche Forschung – zu richten. Peggy Whitson ist als Mitglied der fünften ISS-Stammbesatzung seit dem 7. Juni an Bord der Raumstation. Bis zu ihrer nun erfolgten Ernennung als Wissenschaftsoffizier war sie offiziell die Flugingenieurin des Teams.
Peggy Whitson ist promovierte Biochemikerin und hat darüber hinaus verschiedene Wissenschaftspreise errungen. In der Vergangenheit hat sie unter anderem Experimente für Space Shuttle-Flüge entwickelt und war Projektwissenschaftlerin beim Shuttle-MIR-Programm in den 1990er Jahren.
Die NASA hat angekündigt, zukünftig bei jeder ISS-Besatzung einen ihrer Astronauten zum Wissenschaftsoffiziers zu ernennen. Seine bzw. ihre Aufgabe wird zunächst vorrangig die wissenschaftliche Betreuung der US-amerikanischen Experimente an Bord sein. Hierzu wird der Wissenschaftsoffizier eng mit den amerikanischen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, um einen optimalen Verlauf der Experimente an Bord der ISS zu gewährleisten. Gleichzeitig wird sie bzw. er Kontaktperson für die wissenschaftlichen Projektteams sein, die für die einzelnen Experimente verantwortlich sind. Auch an der wissenschaftlichen Nachbereitung der Experimente am Boden sowie an der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der ISS-Forschung wird der Wissenschaftsoffizier der NASA entscheidend beteiligt sein.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Aufgabenfeld des Wissenschaftsoffiziers parallel zur wachsenden Kapazität der ISS erweitert werden, so dass von ihm bzw. ihr auch Experimente anderer Nationen betreut werden sollen. Allerdings dürfte es für einen Wissenschaftsoffizier alleine kaum möglich sein, die im derzeit geplanten Endausbau der Station umfangreichen wissenschaftlichen Einrichtungen zu betreuen. Dieses Szenario könnte allerdings eintreten, sofern die NASA tatsächlich einige von ihr zu erbringenden wesentlichen Beiträge zum Ausbau der ISS streichen sollte, die unter anderem zwingend für eine Aufstockung der ISS-Besatzung von derzeit drei auf sechs oder sieben Astronauten bzw. Kosmonauten erforderlich sind. Sollte aufgrund des Sparprogramms der NASA die ISS-Besatzung auch in Zukunft aus drei Personen bestehen, so ist absehbar, dass die Besatzungen überwiegend mit Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Raumstation beschäftigt sein werden – der jetzt auch noch einmal von der NASA hervorgehobene originäre Zweck der ISS als Weltraumlabor würde dadurch ad absurdum geführt werden.

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