Privat finanzierte Orbitalflüge im Jahr 2010?

Elon Musk, Milliardär und Gründer der aufstrebenden Raumfahrtfirma SpaceX, will den von Robert Bigelow ausgelobten America’s Space Prize gewinnen.

Ein Beitrag von Gero Schmidt. Quelle: Wired.

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Falcon I in der Montagehalle.
(Quelle: SpaceX)

Dem Internet- und Technologie-Magazin Wired gegenüber hat Musk jetzt erstmals klar gesagt, was von vielen bereits vermutet worden war: Er will den mit 50 Millionen Dollar dotierten America’s Space Prize gewinnen. Dieser Preis wurde von Robert Bigelow, seines Zeichens ebenfalls Weltraumunternehmer (und nebenher milliardenschwerer Hotelmogul), im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um einen Anreiz für die Entwicklung eines neuen bemannten Raumfahrzeugs zu schaffen. Ein solches wird von Bigelow dringend benötigt, um möglichst kostengünstig seine privat finanzierten und entwickelten Raumstation(en) anzufliegen, die er ab 2009 in eine Umlaufbahn zu schießen plant.

Das Space Shuttle kommt für solche Flüge auf Grund seiner exorbitant hohen Betriebskosten nicht in Frage, zudem soll es 2010 außer Dienst gestellt werden. Die Sojus wäre eine Alternative, doch fürchtet Bigelow, dass die Russen, die immer wieder Geldsorgen haben, ihre Monopolstellung ausnützen und ihre Dienste stark überteuert anbieten würden. Deshalb also der America’s Space Prize.

Der Gewinner muss innerhalb von 60 Tagen zwei Orbitalflüge mit mindestens fünf Astronauten durchführen. Das dafür verwendete Raumfahrzeug muss weitestgehend wiederverwendbar sein, an eine Raumstation ankoppeln und dort ein halbes Jahr lang angedockt bleiben können. Dies sind überaus schwer zu erfüllende Anforderungen. Selbst die von der NASA bzw. von den Russen geplanten neuen Raumfahrzeuge, die das Space Shuttle bzw. die Sojus-Kapsel ablösen sollen, und für deren Entwicklung, insbesondere auf Seiten der Amerikaner, Milliardenbudgets und eine langjährige Entwicklungszeit eingeplant sind, werden kaum leistungsfähiger sein, als das Vehikel, das den America’s Space Prize gewinnt. Wenn dieser Preis denn tatsächlich gewonnen wird: Vielleicht die am schwierigsten zu erfüllende Gewinn-Bedingung ist die, dass alle Preisflüge vor dem 10. Januar 2010 stattfinden müssen. Der Zeitdruck ist also enorm. Zum Vergleich: Die NASA plant den ersten bemannten Flug des als Shuttle-Nachfolger vorgesehenen CEV (Crew Exploration Vehicle) für 2014.

Sollte es Musk dennoch gelingen, so wäre das Monopol der staatlichen Raumfahrtbehörden, das bereits durch die erfolgreichen (suborbitalen) Raumflüge von Burt Rutans SpaceShipOne im vergangenen Jahr erste Risse bekommen hat, endgültig gebrochen. Tatsächlich wäre Musk mit seiner Firma SpaceX zu diesem Zeitpunkt in einer besseren Ausgangsposition für bemannte Mond- und Marsmissionen als die NASA. Um Robert Heinlein zu zitieren: “Wenn Sie den Erdorbit erreicht haben, sind Sie auf halbem Weg zu jedem beliebigen Ziel im Sonnensystem.”

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Im Moment konzentriert man sich bei Musks Firma SpaceX ganz darauf, die erste, Falcon I getaufte Trägerrakte startklar zu machen für ihren ersten Flug im März diesen Jahres. Ursprünglich war der erste Start für Ende 2003 geplant, doch technische und bürokratische Hindernisse vereitelten die Einhaltung des extrem ehrgeizigen Zeitplans – SpaceX wurde Im Sommer 2002 gegründet. Doch selbst mit diesen Verzögerungen ist das Vorhaben erstaunlich schnell vorangekommen, vor allem wenn man es mit den Entwicklungszeiten bei etablierten Firmen wie Boeing oder Lockheed Martin vergleicht.

Sollte der Jungfernflug der Falcon I-Rakete erfolgreich sein – und im Moment sieht alles danach aus – wird man sich bei SpaceX mit Hochdruck an die Entwicklung des bereits geplanten Nachfolgemodels machen: Falcon V. Bei dieser Rakete wird man die gleichen Triebwerke, Flugleitsysteme und viele andere Komponenten verwenden wie bei Falcon I, was die Entwicklung deutlich weniger zeitaufwändig und weniger kostspielig gestalten dürfte.

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Schematische Zeichnung der Falcon V .
(Quelle: SpaceX)

Falcon V würde auch bei einer Teilnahme am America’s Space Prize zum Einsatz kommen. Der erste Start ist für Ende 2005 geplant. So blieben Musk und seinen Ingenieuren also noch vier bis fünf Jahre, um eine bemannte Kapsel zu entwickeln.

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