RASCOM-QAF1 im Friedhofsorbit

Nachdem der Ersatzsatellit für RASCOM-QAF1 seinen kommerziellen Einsatz aufgenommen hat, wurde der lecke Kommunikationsatellit vom Geostationären Orbit in einen Friedhofsorbit geschickt.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Satellite News Digest, Space News.

ESA/CNES/Arianespace/CSG
RASCOM-QAF1 in Kourou
(Bild: ESA/CNES/Arianespace/CSG)

Die Bahn des von Thales Alenia Space (TAS) gebaute RASCOM-QAF1 wurde Anfang Oktober 2010 um über 300 Kilometer angehoben. Sein Nachfolger, der am 4. August 2010 ins All transportierte RASCOM-QAF1R, hatte zwischenzeitlich den Betrieb an der Position von 2,9 Grad Ost im Geostationären Orbit aufgenommen.

Der außer Dienst gestellte Satellit RASCOM-QAF1 hatte vor dieser Maßnahme das Interesse mindestens zweier anderer Betreiber von Kommunikationssatelliten erregt. RascomStar QAF, an dem libanesische Investoren zu 63 Prozent beteiligt sind, 45 Telekommunikationsunternehmen aus Afrika zu 25 Prozent und TAS zu 12 Prozent soll laut Angaben von TAS einem Bericht des Branchendienstes Space News zufolge einen Verkauf jedoch abgelehnt haben. Das Risiko, in irgendeiner Art und Weise dafür verantwortlich sein zu können, wenn der Satellit im Geostationären Orbit ausfällt, bevor er auf eine andere Bahn gebracht werden konnte, habe Rascom nicht eingehen wollen.

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RASCOM-QAF1 wird auf den Nutzlastadapter herabgelassen
(Bild: ESA/CNES/Arianespace/CSG)

Trotz einer wahrscheinlich sehr geringen verbleibenden möglichen Einsatzdauer von RASCOM-QAF1 und einer wegen limitiert verfügbarem Treibstoff inklinierten Bahn hätte der Satellit für einen anderen Betreiber noch nützliche Funktion erfüllen können. Beispielsweise hätte der Satellit zur zeitweisen Besetzung einer vorher unbenutzten, aber reservierten Position im Geostationären Orbit verwendet werden können, um zu verhindern, dass die betreffende Position neu vergeben werden kann.

Der auf dem Spacebus 4000B3 basierende RASCOM-QAF1 erreichte nur einen Bruchteil seiner Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren. Nach dem Start des Satelliten am 21. Dezember 2007 auf einer Ariane-5-GS-Rakete stellte sich im Verlauf der Vorbereitungen des ersten Manövers zur Anhebung seiner Umlaufbahn um die Erde mit seinem Apogäumsmotor heraus, dass das System zur Druckbeaufschlagung, welches Helium verwendet, und für den ordnungsgemäßen Betrieb des Motors benötigt wird, nicht so funktioniert wie geplant.

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Ariane 5 GS mit RASCOM-QAF1 und Horizons 2 an Bord hat abgehoben
(Bild: ESA/CNES/Arianespace/CSG)

Eine Undichtigkeit des Heliumsystems war wahrscheinlichste Quelle für die Schwierigkeiten. Anschließend wollte TAS das Perigäum der Bahn des Satelliten erst einmal nur so weit vergrößern, dass dieser in größerer Flughöhe weniger durch Strahlungseinwirkung beeinflusst wird, und die Situation in Ruhe analysieren. Dazu erfolgte ein Einsatz des Apogäumsmotors unter Verwendung von übriggebliebenem Helium. Weiter Einsätze des Apogäumsmotors waren nicht möglich. Die Lageregelungstriebwerke von RASCOM-QAF1 waren aber für weitere Bahnanhebungen nutzbar. Ende Januar 2008 hatte es der Satellit schließlich in den Geostationären Orbit geschafft, nachdem seine Lageregelungstriebwerke achtzehn Mal zum Einsatz gekommen und bedeutende Mengen des eigentlich für Manöver im Geostationären Orbit und Positionskorrekturen vorgesehen Treibstoffs verbraucht waren. Zwei bis drei Jahre kommerzieller Einsatz waren dem Satelliten so noch zuzutrauen.

Wo, wann und auf welche Weise das Leck im Heliumsystem von RASCOM-QAF1 entstanden ist, wurde bis dato nicht berichtet. TAS gibt lt. Space News an, man habe das System in Kourou getestet, bevor der Satellit auf die Trägerrakete gesetzt wurde. Dabei habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Daten vom Flug der Rakete sollen auch keinen Hinweis auf eine mögliche Ursache für das Leck geben. Besonders intensive Vibrationen oder Turbulenzen beim Flug der Rakete durch die Atmosphäre seien nicht beobachtet worden.

RASCOM-QAF1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 32.387 bzw. als COSPAR-Objekt 2007-063A.

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