Rosetta ist gestartet

Die Kometensonde Rosetta ist heute morgen um 08:17 Uhr (MEZ) vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou aus erfolgreich gestartet. Mittlerweile sind die Solarpaneele der Raumsonde entfaltet worden.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: ESA/Arianespace.

Die Ariane 5 -Rakete mit Rosetta hebt von der Startrampe in Kourou ab.
(Foto: ESA)

Nach zwei Startverschiebungen – am letzten Freitag verhinderten starke Höhenwinde den Start, und am Samstag musste der Start aufgrund einer gelösten Isolierung am Haupttank erneut verschoben werden – hat der dritte Anlauf nun endlich geklappt: Pünktlich um 04:17 Uhr Ortszeit hob die Ariane 5 G+ mit der Kometensonde Rosetta an Bord von dem Startkomplex ELA-3 in den nächtlichen Himmel über Französisch-Guayana ab.

Nach 2 Minuten und 30 Sekunden wurde mit dem Absprengen der beiden gewaltigen Feststoffbooster, die während der Startphase den Großteil des Schubs erzeugen, ein wichtiger Meilenstein passiert. 3 Minuten und 15 Sekunden nach dem Start wurde die Nutzlastverkleidung wie geplant abgesprengt, die Rosetta beim Flug durch die dichteren Schichten der Erdatmosphäre schützt. Noch einmal acht Minuten später hatte dann auch die erste Stufe der Trägerrakete ihren Dienst wie vorgesehen verrichtet und fiel nach der Trennung von der Oberstufe in den Atlantik.

Anschließend flog der aus Rosetta und der Ariane 5-Oberstufe bestehende Verbund in einem antriebslosen ballistischen Flug um die Erde, wobei der Scheitelpunkt der Flugbahn 3.800 Kilometer über der Erdoberfläche lag. Während des dann folgenden Zurückfallens Richtung Erde wurde das Triebwerk der Ariane 5-Oberstufe rund zwei Stunden nach dem Start um 10:14 Uhr (MEZ) für 14 Minuten gezündet, um der Raumsonde die notwendige Geschwindigkeit für das Verlassen des irdischen Gravitationsfeldes zu geben. Nach dieser zweiten Triebswerkszündung wurde Rosetta dann von der Ariane 5-Oberstufe getrennt, um die rund zehn Jahre lange Reise zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko zu beginnen. Die Raumsonde entfernt sich nun mit einer Geschwindigkeit von 3,4 Kilometer pro Sekunde von der Erde.
Mittlerweile hat das European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt einen ersten Funkkontakt zur Raumsonde hergestellt. Die beiden Solarpaneele mit insgesamt 32 qm Fläche haben sich wie vorgesehen entfaltet, und auch die Sternenscanner haben ihre Arbeit erfolgreich aufgenommen. Alle Anzeichen deuten bisher darauf hin, dass der heutige Start ohne Probleme verlaufen ist: Rosetta und der kleine Kometenlander Philae scheinen diese anstrengende Prozedur gut überstanden zu haben. Ganz genau wird man dies natürlich erst in einigen Monaten wissen, wenn sämtliche Systeme und wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Sonde erstmals aktiviert und getestet worden sind. Etwa acht Monate nach dem Start, mit dem Ende dieser so genannten Kommissionierungsphase, wird Rosetta in einen Ruhemodus fallen, in dem nur noch die absolut notwendigen Systeme an Bord der Raumsonde aktiv sind. Spannend wird es dann wieder im März 2005 beim ersten von zwei Vorbeiflügen an der Erde werden, wodurch die Raumsonde an Geschwindigkeit gewinnen wird.

Der heutige Start ist übrigens für die europäische Trägerrakete Ariane eine Premiere: Zum ersten Mal verlässt eine Raumsonde, die mit einer Rakete dieses Typs gestartet worden ist, den Erdorbit – alle bisher mit Ariane-Trägerraketen gestarteten Forschungssonden und Satelliten sind in Erdumlaufbahnen transportiert worden (mit Ausnahme von SMART-1, aber diese europäische Mondsonde wird erst gegen Ende des Jahres in das Gravitationsfeld des Mondes überwechseln).
Wenn alles nach Plan verläuft wird Rosetta nach einem komplizierten Flug durch unser Sonnensystem im Herbst 2014 den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko erreichen. Mehr über diese ambitionierte Mission können Sie in unseren Artikeln Rosetta, Hieroglyphen des Planetensystems und Philae, der erste Kometenlander erfahren.

Den aktuellsten Stand der Rosetta-Mission finden Sie auf unserer Rosetta-Statusseite.

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