Roskosmos-Jahresbilanz und ISS-Ausweichmanöver

Roskosmos-Chef Borissow zieht überwiegend negative Raumfahrtbilanz 2022. ISS muss Weltraumschrott ausweichen. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski.

Quellen: TASS, RIA Nowosti, Rossija 24, Wedomosti und NASA.

Moskau, 21. Dezember 2022 – Für die GK Roskosmos geht das Raumfahrtjahr 2022 mit einer überwiegend negativen Bilanz zu Ende. Auf der Habenseite stehen vor allem 22 Starts. Diese Zahl wird allerdings dadurch etwas aufgehübscht, dass Russland damit inzwischen 98 Starts in Folge ohne Havarie vollzogen hat, wie Behördenchef Chef Juri Borissow am Mittwoch in einem Fernsehinterview mitteilte. Gegenüber der Zeitung Wedomosti musste er allerdings einräumen, dass die Verluste des Unternehmens von 31 Milliarden Rubel im vergangenen Jahr auf nunmehr voraussichtlich über 50 Milliarden angestiegen sind. “Praktisch alle führenden Unternehmen von Roskosmos haben ihre geplanten Verpflichtungen weder 2021 noch 2022 erfüllt”, sagte er und kündigte ein neues “Finanzierungsmodell” für die neuen Ziele und Aufgaben an. Zudem sei etwa ein Viertel der bisherigen Führungskräfte ausgetauscht worden.

Zur Lage nach der Lokalisierung des Lecks im Kühlsystem des Raumschiffes Sojus-MS 22 versicherte Borissow, man werde alles tun, um die normale Rückkehr der Besatzung zur Erde zu gewährleisten. Für den Fall, dass das mit diesem Raumschiff nicht möglich sein sollte, werde man als Reserve-Variante den Nachfolger Sojus-MS 23 unbemannt zur Station schicken. Diese Kapsel könne bis zum 19. Februar startfertig gemacht werden. Das Angebot der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, die Russen zur Erde zu bringen, lehnte der Roskosmos-Chef ab. Dazu bestehe “derzeit keinerlei Notwendigkeit”. 

Am Nachmittag musste die Station Weltraumschrott ausweichen. Dazu wurden die Triebwerke des russischen Frachters Progress-MS 20 für 620,6 Sekunden gezündet. Zudem musste wegen der drohenden Gefahr ein Ausstieg zweier US-Astronauten abgesagt werden.

Gerhard Kowalski

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