Rus-M wird nicht gebaut

Dies gab der neue Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin gestern vor der russischen Staatsduma im Rahmen einer aktuellen Stunde der Regierung bekannt.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: Roskosmos, Nowosti Kosmonawtiki.

Anatoly Zak
Drei der vier Versionen der Rus-M: Rus-MP, Rus-MT35 und Rus-MT50.
(Bild: mit freundlicher Genehmigung von Anatoly Zak)

Entwicklung, Bau und Erprobung der Rus-M, die als Trägerrakete für ein neues russisches Raumschiff dienen sollte, würden 37 Prozent der gesamten Roskosmos-Mittel bis zum Jahre 2015 binden. Dabei gäbe es allerdings große Ähnlichkeiten zur Angara-Rakete. Diese wird bereits seit den 1990er Jahren entwickelt und liegt weit hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Sie deckt aber ein ähnliches Nutzlastspektrum ab, wie die geplante Rus-M. Eine solche doppelte Entwicklung soll nun vermieden werden.

Ein weiterer Grund für die Kritik an der Rus-M war, dass diese bis zum Jahre 2015 nicht zur Verfügung stehen würde. Der Zeitplan ist angesichts der zur Verfügung stehenden Mittel offenbar zu knapp bemessen. Bisher wurden knapp 800 Millionen Rubel (ca. 18,5 Mio Euro) für das Projekt ausgegeben.

Nun beginnen Diskussionen, mit welchem Träger das russische Raumschiff der Zukunft starten wird. Chrunitschew, Hersteller der Angara, hat vorsorglich bereits eine Version seiner Rakete für bemannte Einsätze entworfen (ganz rechts im Bild unten). Diese käme dafür infrage. Dafür müsste man allerdings das Haupttriebwerk RD-191 noch für bemannte Flüge zertifizieren. Dies ist dem RD-180, dass für die Rus-M geplant war aber so ähnlich, dass diese Arbeiten eventuell unterbrechungsfrei weitergeführt werden können. Da die Sojus 2 derzeit für bemannte Flüge zertifiziert wird, wird auch das Triebwerk RD-0124 (das Drittstufentriebwerk der Sojus 2.1b) der Angara-Oberstufe bereits für bemannte Flüge zugelassen.

Jörg Knaack
Modelle der Angara-Trägerraketenfamilie auf der letzten ILA in Berlin. Wird sie in Zukunft in der bemannten Raumfahrt eingesetzt?
(Bild: Jörg Knaack)

Auf der anderen Seite werden aber auch Weiterentwicklungen der Sojus-Trägerrakete als Kandidaten gesehen. Allerdings wäre selbst die Sojus 3 nur in der Lage, die kleinste Version des neuen Raumschiffes in eine erdnahe Umlaufbahn zu befördern. Also könnte auch die Entwicklung des Raumschiffes erneut in der Schwebe sein. Gleiches gilt möglicherweise für das neue russische Kosmodrom Wostotschni. Hier sollen nun Startanlagen für Sojus und Angara entstehen. Diese hat man aber sowohl für Plesezk als auch für Baikonur in Benutzung, im Bau oder geplant. Auf der anderen Seite gilt Wostotschni allerdings als bedeutendes wirtschaftliches Erschließungs- und Entwicklungsprogramm für den fernen Osten Russlands und genießt auf Seiten der russischen Regierung eine hohe Priorität.

Alles in allem aber scheinen die Zukunftspläne in der russischen Raumfahrt keineswegs mehr so klar vorgezeichnet zu sein, wie noch vor Wochen angenommen. Zumindest wird nicht an eine Einstellung der Sojus-Flüge gedacht, bevor ein Nachfolgesystem zur Verfügung steht. Popowkin gestern: “Новая ракета нам не нужна, мы будет летать на тех, что есть”, “Die neue Rakete ist nicht erforderlich, wir werden mit denen starten, die bereits existieren.” Sein Stellvertreter Dawidow gestern gegenüber ITAR-TASS: “Пилотируемую систему запустят на базе модернизированной «Союз-2»”, “Das bemannte System startet auf der Basis der modernisierten Sojus 2”.

Raumcon:

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