Sechsköpfige ISS-Stammbesatzung beginnt Arbeit

Ein Strukturtest, Arbeiten an Sojus-TMA 01M, der Einbau einer Wassererzeugungsstation, Notfallübungen, ein besonderes Buch und die zweiwöchige Eingewöhnung der drei „Neuen“ bestimmte diese Woche den Alltag auf der Station.

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net. Vertont von Peter Rittinger.

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Oleg Skripotschka entlädt Sojus-TMA 01M
(Bild: NASA)

Die erste Woche in voller Sollstärke startete ereignisreich. Es erfolgte ein weiterer Strukturtest der Station. Dabei wurden einige russische Manövriertriebwerke für fünf Minuten gezündet, damit die Struktur am S4-Solarzellenausleger in Schwingungen versetzt und diese Werte gemessen. Vor und nach der Zündung befand sich die ISS für 200 Sekunden im freien Flug, danach wurde die Kontrolle von den russischen Systemen wieder an die US-Gyroskope übergeben. Dieser Schwingungstest dient US-Technikern dazu, Aussagen zum jetzigen Zustand der Station, aber auch für die Laufzeitverlängerung bis 2020, zu machen.

Alexander Kaleri und Oleg Skripotschka begannen damit die Fracht ihrer Sojus zu entladen, im Gegenzug belud Fjodor Jurtschichin Progress-M 05M mit nicht mehr benötigten Gegenständen und buchte alle Frachtgüter in das stationseigene Inventar-Management-System (IMS) ein beziehungsweise aus. Weiter hat die Besatzung die neu angekommene Sojus in die Systeme der Station eingebunden. Es wurden Temperatursensoren eingebaut, Heiz- und Lüftungsschläuche verlegt und der Docking-Konus, mit anschließender fotografischer Dokumentation, ausgebaut. Die drei Neuankömmling, Alexander Kaleri, Oleg Skripotschka und Scott Kelly haben in den nächsten zwei Wochen pro Tag jeweils eine Stunde frei, um sich an die Station und die Bedingungen im All zu gewöhnen. Alle drei machten sich mit ihren Rollen und Aufgaben bei Notfällen vertraut, gingen diese mit ihren drei Kollegen durch und besprachen die Ergebnissen mit Fachleuten am Boden.

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Kommandant Doug Wheelock arbeitet am neuen Sabatier-Device
(Bild: NASA)

Kommandant Doug Wheelock verbrachte einige Zeit damit, den in der letzten Woche begonnenen Einbau einer Wassererzeugungsstation im Tranquility-Modul fortzuführen. Dieses Sabatier-Device genannte Gerät nutzt das Kohlendioxid der Kohlendioxidfilteranlage und den Wasserstoff der Sauerstofferzeugungsanlage um daraus Wasser und Methan zu erzeugen. Das Methan wird kontrolliert ins All abgelassen. Der Einbau der neuen Anlage wurde Mitte der Woche beendet, die Inbetriebnahme ist für die kommende Woche geplant. Doug Wheelock hatte die Aufgabe, gemeinsam mit Shannon Walker, die Dichtungen der Stationsluken zu prüfen und zu reinigen. Ihr Zustand wurde mit gut bewertet.

Alle Besatzungsmitglieder nahmen an dem monatlichen O-OHA-Test (On-Orbit Hearing Assessment), einem Hörtest der NASA, teil. Bei diesem 30-Minuten-Test wird mit einer speziellen Software auf dem medizinischen Ausrüstungscomputer (MEC-Laptop) das Hörvermögen getestet und über einen längeren Zeitraum protokolliert. Die Untersuchungsintervalle betragen einen Monat, wobei die erste Messung innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft auf der ISS durchgeführt werden muss. Die nächste Space-Shuttle Mission, STS-133, wirft ihre Schatten voraus. Fjodor Jurtschichin und Shannon Walker machten sich mit der Fotoausrüstung vertraut, welche bei der fotografischen Kontrolle des Hitzeschutzschildes der Discovery im November zum Einsatz kommen soll. Im Schleusenmodul Quest wurde von den amerikanischen Besatzungsmitgliedern Ausrüstungsgegenstände und Außenbordwerkzeuge für die kommenden Ausstiege der Shuttle-Besatzung gesichtet und vorbereitet.

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Scott J. Kelly macht sich mit der Station vertraut, hier in Cupola
(Bild: NASA)

Der Sicherheitsausrüstung des Orbitalkomplexes wird immer besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da sie im Notfall überlebenswichtig werden kann. So werden regelmäßig Bestandteile der medizinischen Ausrüstung, wie Medipacks oder nicht dauerhaft haltbare Medikamente, ausgetauscht und Apparaturen gewartet. Scott J. Kelly hatte die Aufgabe, medizinische Frachtanteile aus Sojus-TMA 01M zu entladen und in der Station an den entsprechend gekennzeichneten Staupositionen auszuwechseln. Shannon Walker führte eine turnusmäßige Wartung und Kontrolle der mobilen Notfallausrüstung, einschließlich der Feuerlöscher und mobiler Atmungsgeräte, durch.

Zum Ende der Woche, im Rahmen der Eingewöhnung der neuen Besatzungsmitglieder, führte Kommandant Doug Wheelock mit diesen ein zweieinhalb Stunden dauerndes Onboard-Notfalltraining durch. Dabei geht es hauptsächlich um den Fall eines schnellen Druckverlustes im amerikanischen oder russischen Segment. Aber auch andere Szenarien wie Feuer an Bord oder die schnelle Evakuierung der Station wurden geprobt und die Ergebnisse anschließend mit der Bodenstation gemeinsam ausgewertet. Doug Wheelock und Shannon Walker hatten außerdem eine videounterstützte Trainingseinheit als medizinische Offiziere der Station. Bei dieser 30-minütigen Sitzung wurden ihre Kenntnisse in Wiederbelebungstechniken aufgefrischt.

Einen besonderen Leckerbissen für die Bordbibliothek hatte Alexander Kaleri bei seinem Flug mit Sojus-TMA 01M im Gepäck. Zum 100. Todestag des russischen Dichters Lew Tolstoi am 20. November, gelangte so ein Original der „Sewastopoler Erzählungen“ zur Internationalen Raumstation. Zum Lesen dieser speziellen Ausgabe haben die Raumfahrer allerdings nicht viel Zeit. Das Buch soll am 30. November, speziell im All signiert und abgestempelt, mit Sojus-TMA 19 zur Erde zurückkehren, um in der Schwarzmeer-Stadt Sewastopol ausgestellt zu werden.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 14.10.2010:353,1 km bei einem Höhenverlust von 93 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 20. Oktober, Bahnanhebung durch Progress-M 07M
  • 25. Oktober, Ablegen von Progress-M 05M
  • 30. Oktober, Ankunft von Progress-M 08M

Raumcon:

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