Shenzhou 1

Am 19. November 1999 startete China erstmals ein Shenzhou-Raumschiff ins All.

Ein Beitrag von Felix Korsch. Quelle: Xinhua.

Start von Shenzhou 1
(Bild: Xinhua)

Start: 19. November 1999, 22.30 Uhr UTC

Ursprünglich sollte der Flug um den 1. Oktober 1999 zu Ehren des 40. Jahrestages der Gründung der Volksrepublik China stattfinden, wurde aber dann aus ungeklärten Gründen verschoben. Die Mission war ein Test in vielerlei Hinsicht: nicht nur das neue Raumschiff, auch die neue Trägerrakete Langer Masrsch CZ-2F und das kritische Landeverfahren wurde erprobt. Darüber hinaus kam erstmals das neue Beijinger Kontrollzentrum (BCCC) zum Einsatz und die auf vier Schiffe aufgestockte Bahnverfolgungs-Flotte konnte, stationiert in drei Ozeanen, ihr Zusammenspiel proben. Zur Erleichterung aller am Projekt beteiligten Personen und natürlich auch der chinesischen Machthaber verlief der Flug absolut problemfrei.

Über die technische Ausrüstung dieses ersten Raumschiffes ist noch nicht viel bekannt. Es sollte jedoch davon ausgegangen werden, dass sich keine höheren Subsysteme an Bord befanden. Zumindest wurden keine solchen erprobt und im Orbit wurden keine Bahnmanöver durchgeführt. Der Orbit wurde zehn Minuten nach dem Start erreicht. Perigäum und Apogäum lagen zu jenem Zeitpunkt bei 196,3 bzw. 324,4 km und die Inklination betrug 42,6°. Jener Wert erwies sich während der kommenden Missionen als Charakteristik der Shenzhou-Flüge. Die Bahndaten veränderten sich während des recht kurzen Fluges kaum, lediglich das Perigäum sank – ohne manuelle Eingriffe wegen der minimalen Atmosphärenreibung – konstant.

Nach 14 Erdumkreisungen endete die Mission wie geplant. Am 20. November 1999 um 18:49 Uhr UTC empfing das dritte Bahnverfolgungsschiff (YW-3) vor der Küste Namibias das Signal von Shenzhou 1 und gab den Befehl zur Zündung der Triebwerke. Neun Minuten später brach der Kontakt wieder ab. Der Wiedereintritt geschah, einsetzend über Afrika, von Südwesten her und verlief u.a. über Pakistan. In einer Höhe von 30 Kilometern öffnete sich der Hauptfallschirm und um 19:41 Uhr UTC landete die Kapsel nach einem Flug von 21 Stunden und 11 Minuten 110 km nord-westlich von Wuhai in der Inneren Mongolei. Dabei wurde der vorausberechnete Landepunkt um nur rund 12 Kilometer verfehlt. Alle Systeme präsentierten sich den Bergungsmannschaften in einwandfreiem Zustand.

An Bord befanden sich als “Hauptnutzlast” 100 kg Samen, welche während des Fluges den Bedingungen des freien Raums ausgesetzt wurden. Diese Fracht diente danach wissenschaftlichen Untersuchungen des Landwirtschafts-Ministeriums. Freilich spektakulärer und medial präsenter zeigte sich eine lebensgroße Taikonauten-Puppe (“Taikobot”). Während die Kapsel zur Erde zurückkehrte, verblieb die Orbitalsektion noch bis zum 27. November in einem niedrigen Orbit und bewies damit – verblüffend für das westliche Ausland – die Fähigkeit, autonom zu operieren.

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