Spirits Landestelle: Eine weite Ebene

Beim Vergleich mit Aufnahmen des ersten amerikanischen Mars-Rovers Pathfinder aus dem Jahr 1997 fallen große Unterschiede der beiden Landestellen auf.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: NASA.

Ausschnitte aus Panorama-Aufnahmen von Spirit und Pathfinder .
(Foto: NASA/M.Stein)

Steve Squyres, der Hauptexperimentator des so genannten Athena-Instrumentenpakets an Bord von Spirit, war nach Sichtung der ersten Bilder von der Landestelle voll des Lobes: “Es gibt vieles, was an dieser Stelle gut ist. […] Sie sieht aus, als ob sie für unsere Fahrzeuge maßgeschneidert worden wäre. Unsere Fahrzeuge sind zum Fahren, zum Erforschen gebaut worden. Wir sehen Gesteinsbrocken, wir sehen genug Gesteinsbrocken so das wir mit ihnen großartige Forschung betreiben können, aber nicht so viele, dass sie uns den Weg versperren würden. Wir werden daher in der Lage sein, an diesem Ort wirklich herum zu fahren. Ich freue mich daher auf einige gute Fahrten in den vor uns liegenden Wochen und Monaten.”
Tatsächlich fallen bei einem Vergleich der ersten Rundum-Aufnahme von Spirit mit einer Panorama-Aufnahme von der Landestelle der Mars Pathfinder-Mission des Jahres 1997 sofort deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gebieten auf. Während die Pathfinder-Landestelle einige markante Merkmale aufweist – am bekanntesten sind sicherlich die beiden als “Twin Peaks” bezeichneten Hügel in einiger Entfernung zum Lander – und mit Felsbrocken nur so übersät ist wirkt die Region des Gusev-Kraters, in der Spirit heute morgen niedergegangen ist, vergleichsweise einförmig. Es sind auf der ersten 360°-Aufnahme des Rovers nur einige Gebiete mit einer helleren Färbung des Bodens und mehrere größere Gesteinsbrocken zu sehen, ansonsten dominiert eine mit größeren “Kieselsteinen” bedeckte weite Ebene die Aufnahme. Auffällige geologische Formationen wie beispielsweise Hügel oder ausgeprägte Rinnen sind nicht zu sehen, auch Einschlagskrater kann man höchstens erahnen, nicht aber sicher ausmachen.

Einen anderen deutlichen Unterschied macht die verschiedene Bedeckung des Marsbodens mit Staub aus: Während an den Felsbrocken in der Umgebung der Pathfinder-Landestelle oftmals wahrscheinlich angewehte Miniatur-Sanddünen zu sehen sind liegen die Gesteinsbrocken an der Spirit-Landestelle relativ frei und ohne sichtbare Staubanlagerungen auf dem Marsboden. Möglicherweise – so zumindest die Vermutung von Steve Squyres – hat ein Sturm in der letzten Woche noch zu diesem Erscheinungsbild beigetragen, aber sicherlich spiegeln die unterschiedlichen Ansichten auch die verschiedenen Entstehungsgeschichten der beiden Landestellen wieder.

Das ellpisenförmige Landegebiet von Spirit im Gusev-Krater.
(Foto: NASA)

Obwohl die beiden Landestellen auf einander entgegengesetzten Seiten des Planeten liegen sind beide Gebiete durch Wasser geformt worden: Beim Ares Vallis, der Landestelle von Pathfinder, handelt es sich um ein ehemaliges Strömungstal, durch das vor langer Zeit – geologisch gesehen wohl in der Frühzeit des Mars – wahrscheinlich einmal gigantische Wassermassen geflossen sind und die Landschaft dabei geprägt haben. Der Gusev-Krater wiederum zeigt starke Anzeichen dafür, dass hier einmal über längere Zeit hinweg ein stehendes Gewässer gewesen ist. Sollte Spirit dort Sedimentgestein entdecken, dann wäre dies ein sehr deutlicher Beleg für diese Annahme.

Bereits in den nächsten Stunden oder Tagen werden wir wahrscheinlich Informationen über die exakte Position der Landestelle bekommen. Im Moment sind Bildauswertungs-Spezialisten der NASA dabei, die Aufnahmen der Abstiegskamera von Spirit, die in der letzten Phase vor der Landung gemacht worden sind, mit hochauflösenden Aufnahmen des Gusev-Kraters zu vergleichen, die von der seit September 1997 um den Mars kreisenden amerikanischen Raumsonde Mars Global Surveyor aufgenommen worden sind. Darüber hinaus wird der europäische Mars-Orbiter Mars Express in den kommenden Tagen und Wochen versuchen, Spirit auf hochauflösenden Fotos des Landegebiets zu lokalisieren.

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