Startsimulation für Galileo-Satelliten

Der erste der vier Satelliten für die Galileo-Testkonstellation (IOV) wird in einem Technikzentrum der europäischen Raumfahrtagentur (ESA) auf Herz und Nieren getestet.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ESA.

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Ingenieursmodelle SM und STM an einem Testdispenser im Vibrationstest
(Bild: ESA)

Das Technikzentrum im niederländischen Noordwijk namens ESTEC untersucht derzeit, ob der von einem Konsortium unter Führung von EADS Astrium und Thales Alenia Space (TAS) zuerst gebaute IOV-Satellit, der auch als Protoflight Model (PFM) bezeichnet wird, den beim Start auftretenden Belastungen wie Vibrationen und Erschütterungen standhalten kann, und bereit für den Transport ins All ist.

Vor dem Start muss ein Satellit qualifiziert werden. Das bedeutete, er muss eine Reihe von rigorosen Tests betriebsbereit überstehen. In ihrer mechanischen Auslegung gleichen sich die vier Satelliten für die IOV-Konstellation, weshalb man einen der Satelliten den Qualifizierungstests aussetzt.

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Sojus-Start in Kourou – Illustration

Das von TAS in Italien bei Rom zusammengebaute Raumfahrzeug mit einer Kommunikationsnutzlast von Astrium in Portsmouth, Großbritannien muss simulierte Belastungen wie die beim Start auftretenden Vibrationen und abrupte pyrotechnische Schocks, die bei der Trennung des Satelliten von der Rakete entstehen, auf einem Rütteltisch aushalten.

Anschließend wird der Satellit in der Large European Acoustic Facility mit verschiedenen Lautstärken und in Frequenzbereichen beschallt, wie sie auch beim Start des Satelliten vorkommen werden.

Überraschungen erwartet man bei den Tests nicht. Sie wurden vorher bereits an zwei Modellen des Satelliten vorgenommen, die gebaut worden waren, um Struktur (SM) und Thermalhaushalt (STM) der Raumfahrzeuge für die Galileo-Testkonstellation zu verifizieren.

Die Modelle kamen außerdem zusammen mit einem Versuchsexemplar der Dispenser genannten Struktur zum Tragen und Aussetzen der Satelliten, wie sie auf den zum Start der Satelliten vorgesehenen Sojus-Raketen benutzt werden sollen, bei einem erfolgreichen Pyrotechniktest im Dezember 2010 zum Einsatz.

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Galileo-IOV-Satelliten im All – Illustration
(Bilder: ESA)

Der PFM-Satellit und der erste für einen Start vorgesehen Dispenser sollen Ende Januar 2011 einen Test des Trennvorgangs absolvieren.

Im Februar 2011 will man die Arbeiten mit dem Satelliten in Noordwijk dann abgeschlossen haben. Zurück in Italien wird er anschließend wie die übrigen drei Satelliten, die als Flight Models FM2, FM3 und FM4 bezeichnet werden, auf seine Weltraumtauglichkeit untersucht. In einer entsprechenden Testkammer müssen die Satelliten beweisen, dass sie die extremen Bedingungen im Vakuum des Weltraums mit ihren besonders hohen und besonders geringen Temperaturen vertragen, ohne auszufallen.

Erweisen sich die Satelliten als startbereit, werden sie nach Kourou in Französisch-Guayana gebracht. Das Duo aus dem PFM und dem FM2 ist als Nutzlast für den ersten Flug einer Sojus-Rakete von Kourou aus vorgesehen. Eine doppelte Premiere für die ESA.

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