Sterchs geknickte Flügel

Nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti funktionieren die beiden im letzten Jahr gestarteten russischen Such- und Rettungssystemsatelliten Sterch 1 und Sterch 2 nicht wie vorgesehen.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: COSPAS-SARSAT, NPO Poljot, RIA Novosti, Roskosmos.

CNES / D. Ducros
Satelliten mit COSPAS-SARSAT-Nutzlasten im All – Illustration
(Bild: CNES / D. Ducros)

RIA Nowosti berichtete am 19. Januar 2010 von einem Interview mit dem Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatoli Perminow, der Angaben zum Status der beiden Satelliten des internationalen Such- und Rettungssystems COSPAS-SARSAT machte.

Einer der beiden Satelliten sei zur Zeit überhaupt nicht benutzbar, und Bemühungen, ihn in Funktion zu versetzen, seien bisher gescheitert. Probleme mit dem zweiten Satelliten würden zur Zeit analysiert, da ein Kontakt zu ihm möglich ist.

Bei dem völlig funktionslosen Satelliten handelt es sich um den am 21. Juli 2009 in den Weltraum gebrachten Sterch 1 alias COSPAS-11, dessen Solarpanele nach inoffiziellen Angaben nicht wie vorgesehen ausgerichtet worden sein sollen, was durch eine Störung des Kontrollsystems des Satelliten verursacht wurde und die Energieversorgung zusammenbrechen ließ. Sterch 1 gelangte nach dem Start mit dem Satelliten Parus 98 alias Kosmos 2454 in einen annähernd polaren Orbit zwischen 910 und 950 Kilometern über der Erde mit einer Bahnneigung von 83 Grad.

Der am 17. September 2009 ins All gebrachte Sterch 2 alias COSPAS-12 fuhr seinen in betriebsbereitem Zustand über acht Meter langen Ausleger zur Stabilisierung durch die Erdgravitation nicht aus, und kann deswegen nicht dem vorgesehenen Zweck dienen. Der Satellit befindet sich in einer Umlaufbahn in Höhen zwischen 815 und 830 Kilometern und mit einer Bahnneigung von 98,8 Grad.

Das Versagen der beiden nach dem sibirischen weißen Kranich (russisch: Стерх) benannten Satelliten könnte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos veranlassen, für weitere Satelliten des Such- und Rettungssystems statt der mittlerweile zu Chrunitschew gehörenden NPO Poljot aus Omsk einen anderen Produzenten auszuwählen. COSPAS 11 und 12 für den LEOSAR (engl. für low earth orbit search and rescue) genannten Teil des Weltraumsegmentes des Systems sollten jeweils fünf Jahre im Weltraum betrieben werden können. COSPAS 13 und 14 sind als Sterch 3 und 4 projektiert, und sollten im Jahr 2012 bzw. 2013 gestartet werden. COSPAS, russ. für Cosmitscheskaja Sistema Poiska Awarinitsch Sudow, bedeutet soviel wie weltraumgestütztes System zur Suche in Not geratener Schiffe.

Die ersten russischen COSPAS-Nutzlasten flogen auf Navigationssatelliten des Typs Nadjeschda mit, im Juni 1982 erreichte die erste COSPAS-Nutzlast an Bord von Kosmos 1383 eine Erdumlaufbahn. Bei den Sterch-Trabanten handelte es sich um den russischen Versuch, kleine Raumfahrzeuge exklusiv für das Such- und Rettungssystem zu etablieren. Das Vorhaben kann man nach dem Ausfall der beiden Satelliten mit einer Masse von je rund 170 Kilogramm als gescheitert betrachten. Ob dem zugrundeliegenden Satellitenbus eine Zukunft beschieden ist, sei dahingestellt.

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