Thomas Reiter: Erster Europäer auf Langzeit-Mission

Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter wird mit Beginn der Shuttle-Mission STS 121 als erster Europäer für mehrere Monate in der Internationalen Raumstation leben und forschen. Der Start ist derzeit für Mai angesetzt.

Ein Beitrag von Florian Stremmel. Quelle: ESA. Vertont von Dominik Mayer.

Die Mission Reiters wird sechs bis sieben Monate dauern und viele wichtige Meilensteine für Europa und seine Astronauten, die Forschung und Kontrollzentren markieren. Zwei Tage nachdem die Discovery an der ISS angekoppelt haben wird, übernimmt der ehemalige Testpilot als zweiter Flugingenieur der Expedition-13-Crew. Damit wird er der erste europäische Crew-Angehörige an Bord der Raumstation werden, und es bietet sich ihm ein breites Spektrum an möglichen Aufgaben, wozu auch Weltraumspaziergänge zählen. Damit hat Reiter bereits bei seinem Aufenthalt auf der russischen Raumstation Mir von September 1995 bis Februar 1996 (Euromir 95) Erfahrungen gesammelt.

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Thomas Reiter ist 1958 geboren, verheiratet und hat zwei Söhne.
(Bild: ESA)

Reiters Ankunft in der Umlaufbahn stellt zudem die Rückkehr von einer Zwei-Mann- zu einer Drei-Mann-Crew dar, schließlich mussten die Expedition-Crews 6 bis 12 auf einen dritten Mann verzichten. Seine beiden Kollegen Pavel Winogradow (ISS Kommandeur) und Jeffrey Williams (ISS Flugingenieur) werden voraussichtlich bereits am ersten April mit einer Sojus-Kapsel an die ISS docken. Drei Leute im All bedeutet mehr Zeit für die wissenschaftliche Arbeit, und die Mission von Thomas Reiter ist das erste Mal, dass ein europäisches Forschungsprogramm für einen Langzeit-Aufenthalt zusammengestellt wurde. Dieses Programm, welches vornehmlich von wissenschaftlichen Institutionen aus Europa erstellt wurde, wird Bereiche der menschlichen Physiologie, der komplexen Plasma-Physik und der Strahlungs-Dosimetrie abdecken. Zusätzlich wird Reiter an der Inbetriebnahme von Experimentier-Anlagen der ESA teilnehmen, nämlich einem Lungen-Funktionssystem (Pulmonary Function System), einem System zum Pflanzenanbau bei Mikrogravitation (European Microgravity Cultivation System) und einem Labor-Eisfach (Minus 80-degrees Laboratory Freezer, MELFI). Des Weiteren stehen Arbeiten zu Technologie-Demonstrationen, Industrie-Experimenten und zum Thema Erziehung an.

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Das Columbus-Kontroll-Zentrum in Oberpfaffenhofen bei München.
(Bild: ESA)

Eine weitere Premiere stellt im diesem Zuge die Nutzung des Columbus-Kontroll-Zentrums in Oberpfaffenhofen als erstes europäisches Kontroll-Zentrum, das mit einer Langzeit-Mission beauftragt wird, dar. Wie der Name bereits verrät, wird diese Einrichtung (wohl ab 2007) als Kontrollstation für das europäische Columbus-Labor dienen. Hier laufen für Reiters Mission alle relevanten Daten zusammen, seine Aktivitäten werden überwacht und koordiniert. In Verbindung steht man dabei mit den Kontrollzentren in Houston und Moskau, dem europäischen Astronauten-Zentrum in Köln und weiteren Unterstützungs- und Betriebszentren in Europa. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches das Columbus-Kontroll-Zentrum im Auftrag der ESA betreibt, unterstützt bereits jetzt die Missionsvorbereitung und -simulation.

Als Mitglied des Europäischem Astronautenkorps der ESA hat der 47-jährige ein intensives Trainingsprogramm in Houston, Moskau und Köln durchlaufen. Doch nicht nur er bereitet sich ausgiebig auf den Aufenthalt im All vor sondern auch sein Kollege Léopold Eyharts aus Frankreich. Er dient als Ersatzmann.

Reiters Rückkehr zur Erde ist geplant für die Shuttle-Mission STS 116 im Dezember dieses Jahres. Da Winogradow und Williams schon im September zur Heimat aufbrechen werden, wird Reiter den Rest seiner Aufenthaltsdauer als zweiter Flugingenieur der Expedition-Crew 14 an Bord der ISS residieren. Wird seine Mission einst zu Ende gehen, dann kann Thomas Reiter behaupten, dass niemals zuvor ein Europäer länger im All gewesen ist als er selbst. Den bisherigen Rekord hält Jean-Pierre Haigneré mit 209 Tagen über zwei Missionen.

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