Venus Express kurz vor Erreichen der Umlaufbahn

Am kommenden Dienstag, dem 11. April 2006 soll die europäische Sonde Venus Express in eine Umlaufbahn um die Venus einschwenken und muss dafür um mehr als 4500 km/h abgebremst werden.

Ein Beitrag von Eric Honstrass. Quelle: DLR. Vertont von Dominik Mayer.

Eintritt in den Orbit

ESA/C. Carreau
Anfang März 2006 passierte Venus Express erstmals die Bahn der Venus. Im Augenblick nähert sie sich dem Planeten innerhalb seiner Umlaufbahn.
(Bild: ESA/C. Carreau)

Sie ist seit etwa fünf Monaten unterwegs und wird hoffentlich in ein paar Tagen in einen langgestreckten Venusorbit einschwenken. Die Rede ist von der am 9. November des Vorjahres gestarteten europäischen Raumsonde Venus Express. Die etwa 400 Millionen Kilometer weite Reise begann in Baikonur, einem russischen Weltraumbahnhof in Kasachstan. An ihrem Ziel, der Venus, angekommen, wird die Sonde ihre Geschwindigkeit um 1.310 Meter pro Sekunde reduzieren, um nicht an der Venus vorbeizuschießen, sondern den geplanten Orbit zu erreichen. Das hierfür entscheidende Bremsmanöver erfolgt durch das etwa schuhkartongroße Haupttriebwerk der Sonde und dauert insgesamt 51 Minuten. Das Triebwerk entwickelt dabei einen Schub von bis zu 400 Newton, was etwa einer Leistung von 850 PS entspricht.
Langsame Annäherung an den Planeten

ESA
Künstlerische Darstellung der Venusoberfläche.
(Bild: ESA)

Die zunächst erreichte Umlaufbahn (Initialorbit) ist hochelliptisch, wodurch sich die Sonde einerseits bis auf 250 Kilometer der Venusoberfläche nähert und andererseits sich von ihr bis zu 220.000 Kilometer entfernt. Fünf Tage nach der Ankunft wird das Haupttriebwerk am 16. April 2006 bei der größten Annäherung an die Venusoberfläche nochmals gezündet, um den fernsten Punkt des Orbits auf 66.000 Kilometer abzusenken. Weitere Zündungen werden folgen, bis letztlich ein 24-stündiger, polarer Orbit erreicht ist. Zur Feinsteuerung werden dann nur noch acht kleine Lageregelungstriebwerke dienen, die jeweils zehn Newton Schub liefern.

Venusdaten
Unser Nachbarplanet ist mit Oberflächentemperaturen von bis zu 480 Grad Celsius ausgesprochen ungastlich und ließe damit sogar Blei und Zinn schmelzen. Die Venus bietet dem Naturschauspielbegeisterten zudem Stürme in Hurricane-Stärke, Riesenvulkane, Hitzetäler, Geröllwüsten und einen gegenüber der Erde rund neunzigfach höheren Druck. Weiterhin gibt es beispielsweise Schwefelsäureregen, der aber Dank der viel zu hohen Temperatur nicht den Boden erreicht. Die Atmosphäre besteht überwiegend aus Kohlendioxid, was einen ungeheuren Treibhauseffekt nach sich zieht und die höchsten planetaren Temperaturen im Sonnensystem verrursacht.

Venus Express soll herausfinden, wie der der Erde hinsichtlich Größe und Masse so ähnliche Planet eine so vollkommen unterschiedliche Entwicklung vollziehen konnte und wie der Planet zu der heißen Welt wurde, die er heute ist.

NSSDC/NASA
Farbaufnahmen von Venera 13
(Bild: NSSDC/NASA)

Die Venus hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Besuch: Magellan kartografierte den Planeten Anfang der 90er Jahre und bereits Anfang der 70er Jahre platzierte die damalige Sowjetunion ihre Venera-Lander auf der Planetenoberfläche und sandte die ersten und einzigen vom Boden aus aufgenommenen Bilder zur Erde. Auch die Sonden Pioneer Venus 1 und Pioneer Venus 2 brachten neue Erkenntnisse und die erste (etwas unscharfe) Karte der Venusoberfläche. Den Anfang machte allerdings im Jahre 1962 die Sonde Mariner 2 mit ihrem Vorbeiflug.

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