Warum Genesis versagte

Lockheed Martin, Hersteller der Raumsonde Genesis, die 2004 in die Wüste von Utah crashte, führte einen Test nicht durch, der den für den Unfall verantwortlichen Fehler noch rechtzeitig aufgedeckt hätte.

Ein Beitrag von Axel Orth. Quelle: Space.com.

Genesis’ Rückkehrkapsel, die mikroskopische Partikel des Sonnenwindes zurück zur Erde trug, sollte an Fallschirmen landen und in einer spektakulären Aktion mit einem Hubschrauber aus der Luft gefischt werden, um den empfindlichen Sonnenstaubträgern im Inneren der Kapsel einen harten Aufstoß zu ersparen.

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Bild: NASA-TV

Die NASA-Live-Übertragung der Aktion am Tag X war dann auch höchst spektakulär: Anstelle am Fallschirm hernieder zu schweben, fiel die Kapsel wie ein Stein vom Himmel, rammte mit um die 300 km/h in den weichen Wüstenboden und platzte auf wie eine Muschelschale. Die Fallschirme hatten sich erst gar nicht geöffnet (Raumfahrer.net berichtete). Trotzdem waren JPL-Techniker noch in der Lage, aus den Trümmern der Kapsel genug Sonnenstaub-Material zu bergen, um wissenschaftliche Auswertungen machen zu können.
Eine Untersuchung ergab später, dass vier Schalter, die den Eintritt in die Erdatmosphäre registrieren und die Fallschirme in einer bestimmten Höhe auslösen sollten, falsch herum eingebaut worden waren und so gar nicht funktionieren konnten. Der Leiter der Untersuchung, Michael G. Ryschkewitsch, sagte, dass ein ursprünglich geplanter Test bei Lockheed Martin den fatalen Fehler noch vor dem Start aufgedeckt hätte.
Offizielle von Lockheed Martin bestreiten auch nicht, dass die Durchführung dieses Tests den Crash vermieden hätte, der der 264 Millionen Dollar teuren Mission zwar nicht zum Verhängnis wurde, sie aber doch schwer beeinträchtigte. Lockheed-Sprecher Buddy Nelson sagte, dass die Firma sich damals entschieden habe, einen einfacheren Test durchzuführen, der Genesis’ Konstruktion mit der einer ähnlichen Kapsel vergleichen sollte. Diese Kapsel war früher gebaut worden, beruhte auf den selben Bauteilen und hatte den aufwändigeren Test bereits bestanden.

Dieser Test, der in den späten 1990ern durchgeführt wurde, bestand darin, die Elektronikbox der Kapsel mit den vier Schaltern auf einem Drehtisch so zu montieren, dass ab einer bestimmten Drehzahl des Tisches die Fliehkräfte auf die Box und die Schalter jenen Kräften entsprachen, die beim späteren Wiedereintritt in die Atmosphäre auf die Kapsel wirken würden.

Das Genesis-Untersuchungskomitee plant, seinen abschließenden 15-Seiten-Bericht über den Crash der Kapsel im Laufe dieses Monats zu veröffentlichen, in dem die Ereignisse detailliert werden sollen, die zu dem Unfall führten, und eine verstärkte Testüberwachung empfohlen werden soll.
Und nun die gute Nachricht: Die Kapsel, an deren Elektronik der Test durchgeführt wurde und die den Test erfolgreich bestand, war die originale Rückkehrkapsel von Stardust. Nächstes Wochenende, am 15. Januar soll diese Kapsel an derselben Stelle in der Wüste von Utah landen wie damals Genesis. Die Experten sind zuversichtlich, dass die sanfte Landung am Fallschirm diesmal klappen wird.

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