Weißer Zwerg in heißer Phase

Aus Beobachtungsdaten des Sterns KPD 0005+5106, die ursprünglich wiederholt zu Kalibrierungszwecken gesammelt worden waren, hat ein internationales Astronomenteam eine überraschend hohe Temperatur und eine einmalige chemische Zusammensetzung des betreffenden Sterns ermittelt.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: Universität Tübingen, Johns Hopkins University.

NASA
UV-Teleskopsatellit FUSE
(Bild: NASA)

Von KPD 0005+5106 war bereits durch Beobachtungen mit erdgebundenen Teleskopen und mit dem Hubble Space Telescope bekannt, dass er ein weißer Zwerg in einer heißen Phase ist. Weiße Zwerge entstehen aus Sternen mittlerer Masse, wenn deren Wasserstoffvorrat weitgehend aufgebraucht ist. Auch unsere Sonne wird so enden.

Prof. Klaus Werner und Dr. Thomas Rauch vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen sowie Dr. Jeffrey Kruk von der Johns Hopkins University haben über Daten des NASA-Weltraumteleskops FUSE (Far-Ultraviolet Spectroscopic Explorer) erstmals im Photosphärenspektrum eines Sterns Emissionslinien im UV-Bereich gefunden, die durch neunfach ionisiertes Kalzium hervorgerufen werden. Dies lässt auf eine Oberflächentemperatur um 200.000 Kelvin schließen. Damit hat man den Stern in einer von vielen Astronomen vermuteten, heißen Übergangsphase vom normalen kerfusionierenden Stern zum etwa erdgroßen weißen Zwerg erwischt.

Die Besonderheit von KPD 0005+5106, eine heliumdominierte Atmosphäre zu besitzen, in der ungewöhnlich viel Kalzium vorkommt, wurde von bisherigen Sternentwicklungsmodellen nicht berücksichtigt.

Weißer Zwerg inmitten der von ihm abgestoßenen Schichten.
(Bild: NASA)

FUSE ist ein 1999 gestarteter Satellit, der über ein hochwertiges Teleskop verfügt, das Beobachtungen im fernen Ultraviolettbereich ermöglicht. Erstmals wurden damit Wellenlängen von 90 bis 120 Nanometern erfasst. Der Satellit hat seinen Betrieb erst im vergangenen Jahr eingestellt und funktionierte damit etwa doppelt so lange wie geplant.

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