X-37: Boeing denkt über Weiterentwicklung nach

Der Hersteller des unbemannten, militärischen Raumgleiters X-37B bringt eine Weiterentwicklung des Raumfahrzeugs in die öffentliche Diskussion.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: Boeing. Vertont von Peter Rittinger.

US Air Force
OTV-1 nach der Landung in Vandenberg
(Bild: US Air Force)

Dabei handelt es sich zunächst um eine interne Studie, die vorsieht, eine auf etwa 165% vergrößerte Version für den Transport größeren Frachtguts zur Internationalen Raumstation und zurück zu entwickeln. Später wäre ein Umbau zu einem bemannten Raumgleiter mit einer Besatzung von 5 bis 7 Astronauten denkbar.

Dass das Konzept prinzipiell funktioniert, beweist gegenwärtig der zweite Flug des Orbital Test Vehicle (OTV), dessen Start am 5. März erfolgte. Der Test des OTV-1 hingegen wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres nach 224 Tagen im All und mehreren Bahnmanövern erfolgreich abgeschlossen.

OTV ist 8,90 m lang, 4,50 m breit, 2,90 m hoch und besitzt eine Startmasse von knapp 5 Tonnen. Die aufklappbare Nutzlastbucht hat eine Länge von 2,10 m und einen Durchmesser von nur 1,20 m. Darin findet eine Fracht mit einer Masse deutlich unter 1 Tonne Platz. Außerdem beherbergt die Bucht einen ausklappbaren Solarzellenträger, mit dessen Energie eine lange Aufenthaltsdauer im All möglich wird.

US Air Force
OTV-1 beim Einbau in die Nutzlastverkleidung
(Bild: US Air Force)

Der am Ende befindliche Triebwerksteil ist vergleichsweise überdimensioniert und ermöglicht dem Raumfahrzeug mehrfache und deutliche Bahnänderungen. Die X-37B kann in Höhen bis etwa 900 Kilometer operieren und soll 270 Tage einsetzbar sein. Dies wurde beim ersten Testflug bereits annähernd erreicht. Am Ende landet der Raumgleiter auf einer Rollbahn und soll nach 15 Tagen bereits für den nächsten Einsatz bereitstehen können.

Beim Start an der Spitze einer Atlas-5-Trägerrakete ist der kleine Raumgleiter allerdings von einer Nutzlastverkleidung umhüllt, so dass die Flügel keine aerodynamischen Auftriebe beitragen können. Bei einer vergrößerten Version wäre dies unwahrscheinlich, weswegen zusätzliche Entwicklungsarbeiten an der Steuerung der Atlas 5 notwendig würden.

Wie Art Grantz, Boeings Projektleiter bei der X-37B, angab, könnte die weitere Entwicklung der X-37B in drei Phasen erfolgen. Zunächst würde man mit der existierenden Version die ISS probeweise anfliegen. Anschließend könnte die vergrößerte Version entwickelt und getestet werden, der eine bemannte Version folgen könne. Die Entwicklung der Boeing-Kapsel CST-100 soll davon unberührt bleiben.

Inwieweit dieses Konzept realisiert wird, ist hingegen vollkommen unklar; es ist – wie so vieles in diesen Tagen – eher als interessante Diskussionsgrundlage anzusehen.

Raumcon:

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