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Autor: Karl Urban & Martin Ollrom / 06. Juli 2005, 14:04 Uhr

Hat Tempel 1 nun andere Form?

Nachdem XMM Newton völlig überraschend Wasser entdeckt hat, gibt es jetzt neue Daten des Teleskops Gemini. Laut diesen, hat der Komet nach diesen Einschlag eine andere Form. Lesen Sie hier mehr darüber....

NASA / ESA / ESO
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So sieht die Form des Kometen nachdem Einschlag aus(Bild: Gemini North Teleskop)
Update 9.07.2005
Ein weiteres Teleskop das Bilder veröffentlichte ist das Gemini Teleskop auf der Erde. Dies sah auch die weggesprengten Teile des Kometen die sehr felsig zu sein scheinen. Das Gemini Teleskop steht auf Hawaii, wo zum Zeitpunkt der Kollision die Bedingungen zur Datenaufzeichnung nicht besser hätten sein können. Dieses Teleskop arbeitet zum größten Teil im infraroten-Licht und zeigt erwartungsgemäß andere Ergebnisse als zum Beispiel SWIFT. Jedoch werden die Daten von Gemini, die großteils nur felsiges Material zeigen, die Wissenschaftler längere Zeit beschäftigen. "Die Infrarotverhältnisse änderten sich nach dem Einschlag komplett", erklärt David Harker aus der Universität San Diego. "Der Komet wurde im infraroten-Licht was vierfach so hell und nach dem Einschlag hatte er zumindest im infraroten-Licht eine komplett andere Form", fügt Harker hinzu. Wie sich Tempel 1 nun genau verändert hat, steht bisher wohl noch buchstäblich in den Sternen.

Update 8.07.2005
Nachdem XMM Newton die Sensationsmeldung bestätigt hatte, dass Tempel 1 Wasser besitzt haben nun auch andere Teleskopbetreiber ihre Fotos vom 4. Juli veröffentlicht. Unter ihnen ist auch der Hochleistungssatellit SWIFT der NASA, der Gammastrahlen-Ausbrüche des Kometen überprüfte und analysierte. Eine der wichtigstens Entdeckungen waren die Strahlungsspitzen im Ultravioletten-Bereich. Dies bedeutet, dass der Impactor auf etwas hartes gestoßen sein muss. Jedoch machte SWIFT nicht nur Untersuchungen im Gammastrahlen-Bereich sondern auch im Ultravioletten-, Infraroten- und Röntgenbereich. Jeder Bereich wurde an die 50 Minuten untersucht, teilweise sogar parallel. Dabei wurden interessante Entdeckungen gemacht. Alle Daten wurden noch nicht ausgewertet aber das wird in den kommenden Tagen und Wochen der Fall sein. Die Forscherteams sitzen sowohl in Amerika als auch in Italien und England.

Update 06.07.2005, 18 Uhr:
Lange und intensive Untersuchungen des Kometen Tempel 1 mit dem Röntgenteleskop XMM-Newton haben sich bezahlt gemacht. Aus Daten und Fotos, die bereits am 3. und 4. Juli gemacht wurden, konnten Wissenschaftler heute die sensationelle Nachricht veröffentlichen. Der Komet Tempel 1 hat Wasser. Die Entdeckungen im Röntgenbereich wurden sofort auch im Ultravioletten Spektralbereich überprüft und bestätigt. Da sich auch in den weggesprengten Teilen Wasser befindet, muss man davon ausgehen, dass Wasser im Kern des Kometen und nicht auf der Oberfläche zu finden ist. Dies unterstützt natürlich die Theorie, dass ein Komet/Asteroid Wasser auf die Erde brachte und somit Leben erst ermöglichte. Dieser Fund soll sich bereits seit längerem durch Untersuchungen der ESA-Raumsonde Rosetta angekündigt haben, meinen ESA-Forscher. Aber dennoch ist diese Entdeckung nun eine kleinere Sensation, auf die hoffentlich noch viele folgen werden.



Sonnenuntergang in La Silla, Chile: Ungeduldiges Warten auf die ersten Beobachtungen von Tempel 1.
(Bild: Moritz Schollbach)
Es war ein anstrengender Tag für alle Beteiligten: Kurz vor Mitternacht Ortszeit für die verantwortlichen Ingenieure und Wissenschaftler der NASA in Kalifornien ereignete sich der gezielte Einschlag des Impactors von Deep Impact. Doch damit hatte für sie der Tag erst richtig angefangen, wie sich bald herausstellen sollte. Denn sie wurden mit einem perfektem Missionsverlauf für ihre harte Arbeit belohnt.

Den Einschlag um 7.52 Uhr (MESZ) beobachteten jedoch bei weitem nicht nur die NASA-Wissenschaftler mit ihrer erfolgreichen Sonde Deep Impact. So waren Weltraumteleskope wie Hubble, XMM-Newton und Chandra sowie dutzende erdgebundene Teleskope beteiligt, jedes nur erdenkliche Detail des Einschlags und des dabei losgelösten Kometenmaterials aufzuzeichnen. Obwohl die Sichtung und Analyse der Daten wohl noch viele Monate dauern wird, wollen wir einen ersten Überblick geben.



vergrößernDer Einschlag des Impactors auf "Tempel 1", fotografiert vom Mutterschiff!
(Bild: NASA/JPL)

Deep Impact
Als der Impactor mit 37.000 km/h auf Tempel 1 einschlug, war Deep Impact bei weitem der dichteste Beobachter des Ereignisses. Dieses überflog kurz nach dem Einschlag die Stelle in 600 Kilometern Höhe - und machte dabei Aufnahmen mit nur vier Metern pro Pixeln. So genau wurde bisher kein Komet fotografiert. Daraufhin musste die Sonde für rund 30 Minuten abgestellt werden, um sie sicher durch die Koma (den Schweif) des Kometen zu lotsen. Nachdem nun die größten Strapazen und Risiken der Mission überstanden waren, die mit 330 Millionen US-Dollar relativ günstig war, wird sie in den kommenden Monaten weiter ein Auge auf Tempel 1 haben, um die Auswirkungen des Einschlags weiter zu erforschen. Die Aufarbeitung der während des Einschlags gesammelten Bilder hat erst begonnen.

Hubble
Zu den besten Aufnahmen im sichtbaren Teil des Spektrums gehören neben den Aufnahmen der Sonde selbst die des Hubble-Weltraumteleskops. Wohl am beeindruckendsten ist eine Bildersequenz, die den Kometen vor, während und nach dem Einschlag zeigt.



vergrößernTempel 1 vor (links), während (Mitte) und nach (rechts) dem Einschlag des Impactors.
(Bild: NASA/Hubble)

XMM-Newton
Kometen geben geringe Mengen an Röntgenstrahlung ab. Soviel war bisher bekannt, jedoch sind die Gründe dafür noch weitgehend ungeklärt. Das Röntgenstrahlen-Teleskop XMM-Newton der ESA beobachtete aus dem Erdorbit den Einschlag auf Tempel 1. Die aufgezeichneten Emissionen während des Einschlags waren äußerst schwach. Zudem konnte XMM-Newton Wasser entdecken, das vermutlich aus dem Komentenkern zu kommen scheint. Mehr zu dieser Entdeckungen finden Sie hier.

Bisher existieren zwei Theorien, wie es zu den Röntgenstrahlen-Emissionen von Kometen kommt: Die eine geht davon aus, dass es zu Interaktionen zwischen den neutralen Partikeln in der Koma des Kometen und den geladenen Teilchen des Sonnenwinds kommt. Die zweite geht davon aus, dass es sich bei den Röntgenemissionen lediglich um Streuungseffekte von solarer Röntgenstrahlung an den Staubpartikeln der Koma handelt. Ob die XMM-Newton-Daten von Tempel 1 ausreichen um diese Frage endgültig zu klären, muss sich noch zeigen.



vergrößernVLT-Aufnahmen vom Kometenschweif.
(Bild: ESO)

Europäische Südsternwarte
Die europäische Südsternwarte hatte mit einem unüberwindbaren Problem zu kämpfen: Der Komet war leider nicht mehr am Himmel, als sich der Einschlag ereignete. Die ersten Großteleskope konnten erst etliche Stunden nach dem Einschlag einen Blick auf Tempel 1 wagen - nachdem der Komet wieder auf- und die Sonne untergegangen war. Etwa 13,5 Stunden nach dem Einschlag warf das Infrarotteleskop TIMMI2 in La Silla, Chile, einen ersten Blick auf den Kometen. Dabei fiel sofort die um den Faktor drei höhere Infrarotstrahlung vom Kometen auf - trotz der vergangenen Zeit seit dem Einschlag. Zudem war die Koma deutlich ausgeprägter als normal.

Nach Sonnenuntergang machten sich gleich sieben Teleskope in La Silla an die Arbeit. Auch beim Very Large Teleskope, dem größten der Welt, wurden die Kuppeln geöffnet. Dabei gelangen Antu, einem der vier 8,2 Meter-Spiegelteleskope im Süden Chiles, Aufnahmen die offenbaren, dass sich durch den Einschlag die Morphologie des Kometen stark verändert hat. Eine neue Komastruktur hat sich herausgebildet, die bis zu 15.000 Kilometer in den Raum hinausreicht, während die noch vor wenigen Tagen beobachtete Koma weiter im Hintergrund erkennbar ist. Die Ausdehnung der neuen Struktur weist darauf hin, dass der Einschlag Material auf 700 bis 1.000 km/h beschleunigt hat.

Fazit
Das enorme Interesse der Betreiber von Großteleskopen weltweit an den Ereignissen um den gezielten Einschlag auf Tempel 1 hat gezeigt, wie interessant für die wissenschaftliche Gemeinschaft Kometenkerne sind. Dieses Material aus der Frühzeit unseres Sonnensystems kann Aufschluss über Sternen- und Planetentstehung aber auch über die Entstehung von Leben geben. Wie weit uns die Mission Deep Impact in diesen fundamentalen Fragen weitergebracht hat, wird die aufwendige Analyse der vielen Daten zeigen. Die weiter offenen Fragen kann dann Rosetta helfen zu klären, wenn die ESA-Sonde ab 2014 einen Kometen aus nächster Nähe erforschen wird.



vergrößernNah-Infrarotaufnahme aus La Silla, Chile.
(Bild: ESO)

 
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