Die ISS-Besatzung Nummer 26 ist vollzählig

In der Weihnachtswoche hatten die sechs Mitglieder der Stammbesatzung einen vollen Terminplan. Etliche Vorbereitungen auf die Ankunft von HTV 2 „Kounotori“ wurden getroffen, eine Bahnanhebung fand statt und Dextre wurde getestet. Weiterhin wurde eine Notfallübung durchgeführt, es gab ein Geburtstagskind und diverse Experimentalreihen wurden betreut.

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roscosmos, CSA, ESA. Vertont von Peter Rittinger.

NASA
Paolo Nespoli reinigt mit dem Staubsauger seine Schlafkabine
(Bild: NASA)

Nach der Ankunft von Sojus-TMA 20 am 17. Dezember mit Dmitri Kondratjew, Catherine Coleman und Paolo Nespoli an Bord ging die Langzeitbesatzung 26 in ein Wochenende mit leichteren Arbeiten und in eine zweiwöchige Eingewöhnungsphase für die Neuankömmlinge. Lediglich die Durchführung des täglichen Fitnessprogrammes, Privatkonferenzen mit der Familie, einige kleinere Wartungstätigkeiten und die regelmäßige Stationsreinigung standen auf dem Aufgabenzettel. Weiter wurde die wöchentliche Planungskonferenz WPC (Weekly Planning Conference) mit den Bodenstationen in Houston und Moskau durchgeführt.

Zum Beginn der Woche machte sich Catherine Coleman mit den Prozeduren zum Test des japanischen Manipulatorarms JEM RMS (Japanese Experiment Module Remote Manipulator System) vertraut. Zusammen mit Paolo Nespoli absolvierte sie diesen Test im Kibo-Labormodul zur Vorbereitung auf die Ankunft des japanischen Versorgers HTV 2 „Kounotori“ im Januar. Paolo Nespoli führte seine erste Messreihe mit SLAMMD (Space Linear Acceleration Mass Measurement Device) durch, einem Gerät zur Masseermittlung von Menschen im All. Für erneute Robotiktests des Stationsarms Canadarm2, gemeinsam mit der kanadischen „Roboterhand“ Dextre, wurde der Mobile Transporter mit dem angekoppelten Stationsarm auf der Gitterstruktur zur Steuerbord-Arbeitsseite gefahren. Oleg Skripotschka und Dmitri Kondratjew begannen mit den Übergabeprotokollen zur täglichen Kontrolltätigkeit am russischen Sauerstoffgenerator Elektron im Swesda-Modul. Das von Maxim Surajew am 19.10.2009 installierte Gerät wird jeden Morgen auf Verfärbungen der Filterpackungen geprüft, was auch fotografisch dokumentiert wird.

Die drei neuen Besatzungsmitglieder der Station mussten, neben ihrer dienstfreien Eingewöhnungszeit, mit Kommandant Scott Kelly ein zweieinhalb Stunden dauerndes Onboard-Notfalltraining durchführen. Dabei geht es hauptsächlich um den Fall eines schnellen Druckverlustes im amerikanischen oder russischen Segment. Aber auch andere Szenarien wie Feuer an Bord oder die schnelle Evakuierung der Station wurden geprobt und die Ergebnisse anschließend mit der Bodenstation ausgewertet. Kommandant Scott Kelly und Oleg Skripotschka hatten außerdem eine videounterstützte Trainingseinheit als medizinische Offiziere der Station. Bei dieser 30-minütigen Sitzung wurden diesmal ihre Kenntnisse in intravenösen Infusionstechniken aufgefrischt.

CSA
Dextre am Stationsarm bewegt den CTC-3 an der Steuerbordseite der ISS
(Bild: CSA)

In der Mitte der Woche stand neben den Tests mit Dextre auch eine weitere Bahnanhebung der ISS auf dem Programm. Am 22. Dezember um 17:28 Uhr MEZ wurden die acht Lageregelungs- und Annäherungstriebwerke von Progress-M 07M für 21 Minuten und 10 Sekunden gezündet und hoben die mittlere Umlaufbahn der ISS um 4,2 Kilometer auf insgesamt 352,9 Kilometer an. Dabei stieg die Geschwindigkeit der Station um 2,4 m/s. Diese Optimierung der Flughöhe für die Ankunft von HTV 2, Progress-M 09M und das Space Shuttle Discovery im Februar lief weitestgehend ohne die Hilfe der sechs Mitglieder der Langzeitbesatzung 26 ab. Die entsprechenden Befehle kamen von der Erde und wurden automatisch ausgeführt. Der benötigte Treibstoff wurde diesmal direkt aus den Tanks des Sarja-Moduls entnommen.

Dextre wurde in diesen Tagen einem Testprogramm zur abschließenden Zertifizierung unterzogen. An Canardarm2 befestigt, ist er zum Ersatzteilträger ELC-2 (External Logistic Carrier) an der Steuerbordseite der ISS bewegt worden. Dort hat er eine Staubox CTC-3 (Cargo Transport Carrier) gegriffen und das 442 kg schwere Element wurde zwischenzeitlich auf seinen Arbeitstisch, einer vorläufigen Lagerungsmöglichkeit an Dextre, untergebracht. Einen Tag später übernahmen die Manipulatoren von Dextre erneut CTC-3 und befestigten ihn an seinem neuen Platz auf der gegenüberliegenden Seite des ELC-2. Dadurch soll mehr Platz für das mit STS 134 zu liefernde Alpha Magnetic Spectrometer entstehen. Weiterhin ist dieser Test ein Probelauf für die Ankunft des HTV 2 im Januar und den Entladevorgang bei dieser Frachtmission. Alle Operationen wurden von der Bodenkontrolle, ohne die Besatzung der ISS, durchgeführt.

ESA
Catherine Coleman und Paolo Nespoli bei Geleinspritzungen in die EEG-Kappe für NeuroSpat
(Bild: ESA)

Im europäischen Columbus-Labormodul führten Paolo Nespoli und Catherine Coleman ihre erste Sitzung des ESA-Experiments NeuroSpat durch. Dabei wird die dreidimensionale Wahrnehmung von Besatzungsmitgliedern während ihrer Langzeitmissionen in der Schwerelosigkeit untersucht. Die Testperson trägt dabei eine EEG-Kappe zur Messung der Gehirnströme und führt mehrere Aufgaben zur räumlichen Orientierung an einem Bildschirm aus. Paolo Nespoli wird in den nächsten Tagen die Daten für eine Auswertung herunterladen. Scott Kelly arbeitete erneut mit der Vorrichtung zum Testen von binären kolloiden Legierungen. Diese Testreihe Binary Colloidal Alloy Test 5 (BCAT 5) beobachtet Kolloide und ihre Wechselwirkungen in der Mikrogravitation, Beispiele für Kolloide sind Haarspray, Milch und Styropor.

Im russischen Segment der Station nahm Oleg Skripotschka, welcher am 24. Dezember seinen 41. Geburtstag feiern konnte, am russischen Experiment Pilot-M teil. Hierbei wird die Fähigkeit eines Besatzungsmitgliedes untersucht, unter Stress im All ein Raumfahrzeug zu steuern. Es werden Reaktionszeiten des Piloten während einer Simulation auf einem Laptop gemessen und bewertet. Ähnlich wie Pilot-M ist das Interactions Experiment. Hierbei werden die kulturellen und sprachlichen Unterschiede, sowie andere zwischenmenschliche Faktoren, welche die Gruppendynamik betreffen, per Fragebogen erfasst und ausgewertet. Positive Beziehungen zwischen den Besatzungsmitgliedern und auch mit dem Bodenpersonal sind für die Mannschaftsmoral und den Missionserfolg entscheidend. Im Verlauf der Woche wurde Sojus-TMA 20 von Dmitri Kondratjew weiter entladen. In diesem Zuge hatte er die Aufgabe, Aufnahmen vom Docking-Kegel des Kopplungs- und Forschungsmoduls Rasswjet zu erstellen und zur Erde zu senden. Alexander Kaleri verlud Müll und nicht mehr benötigte Gegenstände in den Transporter Progress-M 08M. Er soll am 24. Januar 2011 die Station verlassen und den Koppungsstutzen für das nächste Versorgungsraumschiff frei machen.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 23.12.2010:352,7 km bei einem Höhenverlust von 130 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 13. Januar 2011, Bahnanhebung durch Progress-M 07M
  • 21. Januar 2011, russischer Weltraumausstieg 27 von Oleg Skripotschka und Dmitri Kondratjew

Raumcon:

Scroll to Top