ESA kürzt Wissenschaftsprogramm

Aufgrund stagnierender Finanzmittel hat die ESA schmerzhafte Streichungen und Reduzierungen in ihrem laufenden Wissenschaftsprogramm Cosmic Visions vornehmen müssen.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: ESA.

Die geplante Raumsonde Eddington .
(Grafik: ESA)

Das Science Program Committee (SPC) der europäischen Raumfahrtagentur ESA hat auf der letzten Sitzung am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche beschlossen, die geplante Forschungsmission Eddington insgesamt sowie den für die Merkur-Sonde BepiColombo vorgesehenen Lander zu streichen. Gestiegene Kosten laufender Missionen in Verbindung mit absehbar weiterhin stagnierenden finanziellen Mitteln haben es demnach unmöglich gemacht, alle im Langzeitforschungsprogramm Cosmic Visions vorgesehenen Forschungsmissionen wie ursprünglich vorgesehen zu realisieren.

Eine wesentliche Ursache für die gestiegenen Kosten sind die Startverschiebungen der Missionen Rosetta und SMART-1 aufgrund des Ariane 5-Fehlstarts im Dezember letzten Jahres und dem seinerzeit als Folge davon verhängten mehrmonatigen Startverbot für dieses Trägersystem: Alleine die hierdurch verursachten Mehrkosten belaufen sich auf etwa 80 Millionen Euro. Dazu kommen beispielsweise nicht geplante Sonderzahlungen in Höhe von 70 Millionen Euro für die ESA-Missionen Herschel und Planck, um die weitere Instrumentenentwicklung für diese Raumsonden zu finanzieren. Eine andere Ursache für die finanziellen Probleme sind Mehrbelastungen, die der ESA durch frühere Zahlungstermine der Raumfahrtindustrie entstehen; aufgrund der desolaten Lage des kommerziellen Satellitenmarktes sind die europäischen Raumfahrtunternehmen teilweise auf Vorauszahlungen der ESA angewiesen, um nicht Kapazitäten abbauen und hochspezialisierte Mitarbeiter entlassen zu müssen.
All’ diese zusätzlichen Kosten kommen zu einem Zeitpunkt auf die ESA zu, wo steigende Budgets weder für die nahe noch die mittlere Zukunft absehbar sind. Die Mitglieder des SPC mussten sich daher zu Kürzungen des früher verabschiedeten Forschungsprogramms Cosmic Visions 2020 entschließen. Wie schon erwähnt ist das Weltraumteleskop Eddington daher komplett aus dem Programm gestrichen worden. Diese Raumsonde sollte mit einem extrem empfindlichen Photometer winzigste Helligkeitsveränderungen tausender Sterne messen. Durch Analyse der Helligkeitsveränderungen hätten die Wissenschaftler dann Rückschlüsse auf Masse, Zusammensetzung und Alter der Sterne ziehen können. Die zweite, wichtige Aufgabe von Eddington wäre die Entdeckung von extrasolaren Planeten gewesen, die sich beim Umlauf um ihre Sonne durch minimale Helligkeitsreduzierungen bemerkbar gemacht hätten.

Die andere gravierende Einsparung, die nun beschlossen worden ist, betrifft die europäische Merkur-Sonde BepiColombo. Bisher sahen die Planungen vor, dass dabei auch ein Lander mitgeführt wird, der In Situ-Messungen der Merkuroberfläche hätte durchführen sollen. Diese Komponente der Mission ist ebenfalls gestrichen worden.
Insgesamt sind die Entscheidungen dieser Woche ein schwerer Schlag für die europäische Weltraumforschung. Für die Zukunft bleibt die – leider eher schwache – Hoffnung auf positivere finanzielle Rahmenbedingungen; andernfalls könnte es sein, dass noch weitere Bestandteile der ambitionierten Kosmischen Visionen Europas auf dem Weg zu ihrer Realisierung auf der Strecke bleiben.

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