Expedition 28 nimmt gemeinsame Arbeit auf

Die drei Neuankömmlinge bezogen ihre neuen Quartiere in der ISS und starteten ihre ca. sechs Monate andauernde Mission. Dabei bereitete man sich auf die Abreise von ATV 2 und die Ankunft von Progress-M 11M in der nächsten Woche vor. Aber auch Experimente und eine Notfallübung standen auf dem vollen Terminplan. Zum Ende seiner Mission gab es richtig Arbeit für ATV 2, der europäische Raumtransporter schob die Station auf eine rund 35 Kilometer höhere Umlaufbahn. (Newsbild: Ronald Garan im Swesda-Modul)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos.

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Die jetzige Langzeitbesatzung 28 im Bild
(Bild: NASA)

Nach der Ankunft von Sojus-TMA 02M am 10. Juni waren dafür einigen Arbeiten der Nachbereitung nötig. So hat die Besatzung die neu angekommene Sojus in die Systeme der Station eingebunden. Es wurden Temperatursensoren eingebaut, Heiz- und Lüftungsschläuche verlegt und der Docking-Konus, mit anschließender fotografischer Dokumentation, ausgebaut. Das Ventil zum Druckausgleich zwischen Rasswjet und Sojus wurde in den elektronischen Kontrollmodus zurückgesetzt. Die drei Neuankömmlinge, Sergej Wolkow, Michael Fossum und Satoshi Furukawa haben in den nächsten zwei Wochen pro Tag jeweils eine Stunde frei, um sich an die Station und die Bedingungen im All zu gewöhnen. Gleich am nächsten Tag stand eine der größten Bahnanhebungen der ISS auf dem Programm. ATV 2 brachte die ISS an diesem Tag auf eine durchschnittliche Umlaufbahn von 364,8 Kilometer (RN berichtete).

Am 13. Juni beging man auf russischer Seite den Feiertag „Tag Russlands“. Die drei Kosmonauten an Bord der ISS hatten deshalb etwas mehr Freizeit zur Verfügung und nahmen an einigen Live-Schaltungen mit der Bodenstation teil. Ansonsten lief das normale Tagesgeschäft, Michael Fossum und Satoshi Furukawa absolvierten ihre erste Sitzung des US-Experimentes Bisphosphonates. Dabei werden spezielle Medikamente eingenommen, um der Verringerung der Knochendichte in der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken und diesen Prozess weiter zu erforschen. Beide Raumfahrer erhielten unterschiedliche Medikamentierungen, so erhält man einen direkten Vergleich auf Basis vorheriger Messungen. Einen Gesamtüberblick des Gesundheitsstatus der Besatzung sammelte Ronald Garan auf einem Stations-Laptop und übermittelte die Daten zur Erde. Zusätzlich setzte er die in der letzten Woche unterbrochenen Arbeiten am Stationsnetzwerk und dessen Computern fort, da es bei einem Softwareupdate zu diversen Fehlermeldungen kam.

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Hier das manuelle Kontrollsystem TORU in Swesda-Modul
(Bild: NASA)

Auf russischer Seite taten sich Sergej Wolkow und Alexander Samokutjajew zusammen, um das russischen System TORU zu prüfen. Mit TORU ist es möglich, den Anflug von Progress-Raumschiffen zu verfolgen und bei Problemen mit dessen automatischem KURS-Annäherungssystem per Handsteuerung manuell anzudocken. Der nächste Transporter Progress-M 11M wird am 23. Juni erwartet, nachdem ATV 2 am 20. Juni vom Swesda-Modul abgelegt hat. ATV 2 wurde weiter von der ISS-Crew mit Müll und nicht mehr benötigten Gegenständen gemäß einer aktualisierten Cargo- und Stauliste beladen. Alexander Samokutjajew bereitete für das Ablegemanöver entsprechendes COM-Equipment, wie die Antennenzuleitung, die Antennen-Kontrolleinheit und das ATV-Kontrollpult, vor. Alle sechs Besatzungsmitglieder nahmen an einer routinemäßigen Notfallübung teil. Diesmal wurden die Prozeduren bei Feuer, schnellem Druckverlust, toxischen Gefahren und Ammoniak-Lecks besprochen und geprobt.

In der Wochenmitte arbeitete Satoshi Furukawa im japanischen Kibo-Modul. Er fotografierte dabei sein erstes 2D Nano Template 2 Experiment. Hierbei geht es um die Erzeugung von Nano-Schablonen zur Herstellung elektronischer Materialien auf der Erde. Im Rahmen der JAXA-RBO-3-Matrjoschka-R-Strahlenforschungsstudie montierte er siebzehn mit Sojus-TMA 02M gelieferte Flächendosimeter PADLE (Passive Area Dosimeters for Lifescience Experiment). Diese wurden gleichmäßig in den japanischen Modulen Kibo (JPM) und JPL (JEM Pressurized Logistics Segment) platziert und zu Dokumentationszwecken fotografiert. Anschließend musste er sich einer Fehlerbeseitigung widmen. Das JAXA Kibo SLT (Systemlaptop-Terminal) wurde neu gestartet, nachdem es am 10. Juni einen Verbindungsfehler angezeigt hatte.

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Die beiden K u -Band Antennen der ISS
(Bild: NASA)

Alle sechs Besatzungsmitglieder führten am Ende der Woche eine medizinische Notfallübung durch. Sie trainierten dabei den Umgang mit der Notfallausrüstung, wie dem automatisierten Defibrillator, einem Beatmungsgerät und dem „Crew Medical Restraint System“. Dieses CRMS ist eine Vorrichtung, auf der Patienten für Behandlungen, Defibrillationen und andere Notfälle in der Schwerelosigkeit befestigt werden können. Gemeinsam führten alle Sechs ihre Gewichtsbestimmung mit dem IMT (mass measurement device) durch. Dabei wird das Gewicht des Menschen berechnet, indem man seine Masse in der Schwerelosigkeit ermittelt. Das geschieht durch die Messung der Trägheitskräfte, die während der Schwingungsbewegung einer Masse entstehen, vergleicht diese mit einer bekannten Masse und ermittelt damit das Gewicht des Raumfahrers. Ronald Garan, Michael Fossum und Satoshi Furukawa hatten anschließend die Aufgabe, sich mit den kommenden Tätigkeiten während des letzten Logistikfluges des Space Shuttles Atlantis vorzubereiten. Das MPLM Raffaello in der Nutzlastbucht der Atlantis beinhaltet die größte Frachtmenge, welche je in einem MPLM (Multi-Purpose Logistics Module) transportiert wurde. Daher mussten extra Stauräume in den Modulen JLP (JEM Logistics Pressurized Segment), COL (Columbus Orbital Laboratory), PMM (Permanent Multipurpose Module) und im russischen Sarja-Modul (FGB) vorbereitet werden.

Da sich die Umlaufbahn der ISS zur Zeit lange im Sonnenlicht (High Solar Beta Angle) befindet, müssen Anlagen und Operationen an und in der ISS sorgfältig auf Überhitzung geprüft werden. So wird zum Beispiel der Backbord Radiator als Schattenspender für den Andockadapter 3 (PMA-3) genutzt. Weiter wurde die Ku-Band Antenne deaktiviert und geparkt. Daher sind in dieser Woche weniger Datentransfers zur Erde möglich und das AMS 2 (Alpha Magnetic Spectrometer 2) kommunizierte per S-Band mit der Bodenstation. Am 15. und am 17. Juni fanden zwei weitere Bahnanhebungen des Orbitalkomplexes statt. Die Triebwerke von ATV 2 arbeiteten dabei rund 60 Minuten und hoben die mittlere Umlaufbahn der ISS um 17 Kilometer auf insgesamt 381,6 Kilometer an. In dieser Höhe wird die Station durch immer noch vorhandene Luftmoleküle der Atmosphäre wesentlich weniger gebremst. Vor der Bahnanhebung waren es rund 100-150 Meter täglicher Höhenverlust.
Mittlere Bahnhöhe der ISS am 14.06.2011:

364,8 km bei einem Höhenverlust von 13 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 20. Juni, geplante Abreise von ATV-2 “Johannes Kepler”
  • 23. Juni, geplante Ankunft von Progress-M 11M
  • 29. Juni, Bahnanhebung durch Progress-M 11M
  • 10. Juli, geplante Ankunft des Space Shuttles Atlantis

Raumcon:

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