Genesis Abschlussbericht veröffentlicht

Am Morgen des 8. Septembers 2004 wartete man verzweifelt auf das Eintreffen der Raumkapsel der Raumsonde Genesis. Die Raumsonde ist über 32 Millionen Kilometer geflogen, um Sonnenwindproben und interstellare Proben mitzunehmen. Die Mission sollte jedoch einen ernüchternden Ausgang nehmen.

Ein Beitrag von Martin Ollrom. Quelle: NASA.

So sollten die Trägerscheiben nach der Landung eigentlich aussehen
(Bild: NASA)
So sollten die Trägerscheiben nach der Landung eigentlich aussehen
(Bild: NASA)

Als die Kapsel durch die Erdatmosphäre flog, wurde immer mehr klar, dass etwas nicht stimmt. So war es auch schlussendlich. Anstelle einer sanften Landung krachte Genesis ungebremst auf den harten Boden der Wüste in Utah, USA. Was ging schief? Eine Spezialgruppe wurde einberufen, um die Absturzursache zu ermitteln.

Diese Gruppe wurde bereits am 10. September 2004, nur zwei Tage nach dem Genesis-Absturz, von der NASA einberufen. Sie hatte zum Ziel, Fehler zu finden und für die Zukunft Verbesserungsvorschläge zu machen. Das Investigation Board veröffentlicht jetzt ein Dokument, in dem das Hauptproblem geschildert wird. Nach einer Reihe von möglichen Ausfällen kam es dann zum Absturz der Raumsondenkapsel. Als Genesis durch die Erdatmosphäre flog, hätten spezielle Gravitationssensoren die Abbremsung initiieren sollen. Bei dem Wert von 3g (dreifache Gravitationskräfte) hätte durch schließen eines Stromkreises die Bremsfallschirmsequenz beginnen sollen. Wenn die Kräfte nachgelassen hätten, wäre der Stromkreis wieder unterbrochen worden und dann hätte sich der Hauptfallschirm öffnen sollen, der die Raumkapsel sicher zur Erde bringen sollte.

Das war der geplante Ablauf. So ist es aber nicht verlaufen! Das Team hat dafür mehrere mögliche Gründe gefunden.

  • Gesamtsystemausfall
  • elektrische Stromversorgung ist ausgefallen
  • die Verbindungsstecker, die einen geschlossenen Stromkreis erzeugen sollten, sind ausgefallen
  • Fallschirmsystemausfall

Am Ende wurde noch ein grober Installationsfehler aufgezeigt. Die Gravitationssensoren waren falsch angebracht. So wären sie sehr ineffizient gewesen und hätten wohl die Fallschirmsequenz nicht richtig gestartet. Jedoch war dies nicht der Fehler, der zum Absturz der Raumkapsel geführt hat. Dazu sind noch wichtigere Teile ausgefallen. Diese Fehlinstallation hätte lediglich bewirkt, dass die Raumkapsel noch immer viel zu schnell aufprallt, aber die Fallschirme hätten sich auf jeden Fall geöffnet.

Sonnenpartikel für 260 Millionen Dollar. Ein teures Stück
(Bild: NASA)
Sonnenpartikel für 260 Millionen Dollar. Ein teures Stück
(Bild: NASA)

Kurios ist auch die Tatsache, dass die Sensorentests abgesagt wurden. Die anderen Tests haben die Sensoren gut überstanden, jedoch hat keiner dieser Tests die Orientierung der Sensoren getestet. Der einzige Test, der diesen Fehler aufgezeigt hätte, wurde abgesagt. Im Abschlussbericht wurden genau die Techniker kritisiert, die diese Tests erst zu spät geplant und dann nicht effizient genug gefordert haben. Es wurde aber auch erwähnt, dass die Techniker erwähnt hätten, dass diese Tests unbedingt von Nöten gewesen sein.

Aber auch an der NASA-Führung ließ die Gruppe nichts Gutes. Der Fehler sei laut Bericht eine logische Folge vom NASA-Motto „schneller, besser, billiger“. Das Genesis-Team wurde deswegen auch verkleinert, um Kosten zu sparen. Es hatte nicht genug Zeit und nicht genug Personalressourcen, um Raumkapsel und Raumsonde ausreichend zu testen.

Die Forscher konnten jedoch einige unverseuchte Partikel retten, was eigentlich ein halbes Wunder war. Aber wenn die NASA ihr Motto beibehält, werden in Zukunft vielleicht größere und teuere Missionen fehlschlagen.

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