GOES 10 im Friedhofsorbit

An Bord verbliebener Resttreibstoff wurde verwendet, um den Wettersatelliten GOES 10 in einen Friedhofsorbit zu steuern, teilte der Hersteller des Satelliten, Space Systems/Loral aus Palo Alto in Kalifornien am 13. Januar 2010 mit.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: NASA, NOAA, Space Systems/Loral.

NASA
Start von GOES-K am 25. April 1997
(Bild: NASA)

Zum 1. Dezember 2009, 13:30 Uhr MEZ wurde die Bereitstellung von Diensten via GOES 10 beendet (GOES steht für “Geostationary Operational Environmental Satellite”, übersetzt geostationärer operationeller Umweltsatellit). Seit Ende 2006 war GOES 10 an einer Position bei 65 Grad West in einem geosynchronen Orbit stationiert, wo er insbesondere für Beobachtungen des Südens der Vereinigten Staaten sowie Südamerikas im Rahmen des internationalen globalen Erdbeobachtungssystems GEOSS (für Global Earth Observation System of Systems) benutzt wurde. Bis zum 27. Juni 2006 hatte GOES 10 unter den Wettersatelliten der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA (für National Oceanic and Atmospheric Administration) die Funktion von GOES West inne, und wurde dort von GOES 11 abgelöst. Weil sich das Ende der an Bord von GOES 10 befindlichen Treibstoffreserven bereits abzeichnete, zog man ihn von der Position bei 135 Grad West ab, an der er seit August 1998 stand.

NASA
GOES-K vor dem Start
(Bild: NASA)

Der Satellit war am 25. April 1997 nach dem Start auf der Rampe 36B auf Cape Canaveral in Florida als GOES-K mit einer Atlas-1-Rakete mit Centaur-Oberstufe in den Weltraum gebracht worden. Am 3. Mai 1997 hatte der Trabant nach einigen Zündungen seines Apogäumsmotors R-4D-11 und diversen Korrekturmanövern eine Position im Geostationären Orbit (bei 105 Grad West) erreicht und wird seit diesem Zeitpunkt offiziell als GOES 10 bezeichnet. Zunächst diente GOES 10 als im Geostationären Orbit verfügbares Backup für seine Vorgänger GOES 8 und 9. Zwischen zwei Phasen der Inaktivität wurde der Satellit am 7. Mai 1998 offiziell an die NOAA übergeben. Richtig zum Einsatz kam der Satellit dann früher als geplant, als Probleme mit den Drallrädern (Gyroskopen) von GOES 9 den Einsatz von GOES 10 an der Position von 135 Grad West erforderlich machten.

Der von Space Systems/Loral gebaute Satellit mit einer Startmasse von 2.105 Kilogramm war für eine Einsatzdauer von 5 Jahren ausgelegt, konnte jedoch 12 Jahre lang auf einer Umlaufbahn in etwas unter 35.800 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche betrieben werden. Im Dezember 2009 wurde die Umlaufbahn im Rahmen der Ausserdienststellung mit übrigem in den Tanks des Satelliten verbliebenen Treibstoff um rund 300 Kilometer angehoben, um das Kollisionsrisiko mit im Geostationären Orbit aktiven Satelliten zu verringern. Obwohl es sich im konkreten Fall um eine Anhebung der Bahn handelte, spricht man von einem Deorbiting. Die entsprechenden Manöver mit GOES-10 wurden am 1. Dezember 2009 begonnen und waren nach drei Brennphasen am 2. Dezember 2009 abgeschlossen.

Aktuell befinden sich vier NOAA-Wettersatelliten im Geostationären Orbit. GOES 11 (West) und GOES 12 (Ost) befinden sich im Regelbetrieb, GOES 13 fungiert als Backup für GOES 12, und ist zur Zeit inaktiv. Zu einem Einsatz von GOES 13 könnte es jedoch recht bald kommen, da die Treibstoffreserven von GOES 12 gering sind. Im April 2010 könnte es soweit sein. Möglicherweise wird GOES 12 dann schon ab Mai oder Juni 2010 die letzte Aufgabe von GOES 10, die Beobachtung des südamerikanischen Kontinents übernehmen, was mit reduziertem Treibstoffeinsatz möglich ist. Der am 28. Juni 2009 gestartete GOES 14 wird das Backup zunächst ergänzen, wenn alle Tests des neuen Satelliten abgeschlossen sind. Vermutlich wird er später GOES 11 ersetzen.

Eine verbesserte, neue Serie Gesostationärer Wettersatelliten soll nach den derzeitigen Planungen beginnend mit einem als GOES-R bezeichneten Raumfahrzeug ab 2015 ins All gelangen. Diese Satelliten soll Lockheed Martin basierend auf einem überarbeiteten A2100-Satellitenbus bauen.

Scroll to Top