Guenter Wendt verstorben

Der US-amerikanische Raketeningenieur und gebürtige Deutsche Guenter Wendt verstarb an seinem letzten Wohnsitz auf Meritt Islands am 3. Mai 2010 an den Folgen eines Herz- und Schlaganfalls.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: NASA, collectspace.com. Vertont von Peter Rittinger.

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Guenter Wendt mit John Glenn nach einem Startabbruch
(Bild: NASA)

Guenter Wendt kam am 28. August 1924 in Berlin auf die Welt. Nach seiner Schullaufbahn studierte er in Berlin Maschinenbau. Während des Krieges wurde Wendt an Bord von Nachtjägern der deutschen Luftwaffe als Mechaniker eingesetzt. Er nutzte diese Zeit, um eine vierjährige Ausbildung in Flugzeugbau zu absolvieren.

1949 wanderte er in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wie es sein Vater bereits zuvor getan hatte. In St. Louis lebte er zusammen mit seinem geschiedenen Vater und war zunächst als LKW-Mechaniker tätig. Die McDonnell Aircraft Corporation wollte Wendt einstellen, musste jedoch warten, bis Guenter Wendt 1955 US-amerikanischer Staatsbürger wurde.

Bis 1967 war Guenter Wendt am Gelingen von NASAs bemannten Raumflugmissionen der Programme Mercury und Gemini beteiligt. Als Beschäftigter der McDonnell Aircraft Corporation war er für die Betriebsbereitschaft der von McDonnell gebauten Mercury- und Gemini-Raumschiffe auf der Startrampe zuständig.

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Wendt (Bildmitte) während Glenn Friendship 7 besteigt
(Bildausschnitt: NASA)
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Guetner Wendt (rechts an der Luke) überwacht das Aussteigen aus Apollo 11 nach einem Probecountdown
(Bild: NASA)

Nach dem Feuer in Apollo 1 im Jahre 1967 wechselte Guenter Wendt zum Hersteller des Apollo-Raumschiffs North American Rockwell und unterstützte weiterhin US-amerikanische Raumfahrer während der Startvorbereitungen. Vor den Starts zum Mond, zur Raumstation Skylab und zum Rendezvous mit Sojus 19 verabschiedete er die Astronauten und überwachte das Verschließen der Luken.

Im Sinne einer möglichst guten Unterstützung der einzelnen Missionen legte Guenter Wendt einen sehr exakten und gründlichen Arbeitsstil an den Tag und hatte gleichzeitig einen warmherzigen Kontakt zu den Astronauten, bei denen er nicht zuletzt wegen seiner Verlässlichkeit beliebt war.

Als das Apollo-Programm abgeschlossen war, beschäftigte sich Guenter Wendt noch mit der Sicherheit von Shuttle-Missionen, bevor er 1989 in den Ruhestand ging. In der Folge unterstütze er Film- und Fernsehproduktionen als Berater, um z. B. möglichst realitätsnahe und verständliche Darstellungen der Vorgänge und Abläufe bei der Vorbereitung eines Raketenstarts zu ermöglichen.

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Wendt 2009 im Gespräch mit Technikern im White Room des LC39A
(Bild: NASA)

2001 veröffentlichte Wendt zusammen mit Russell Still ein autobiographisches Buch mit dem Titel „The Unbroken Chain“, in dem er über seine Arbeit für die verschiedenen bemannten Raumflugprogramme der NASA schreibt. Wie es der übersetzt “ungebrochene Verbindung” lautende Titel des bei Apogee Books erschienenen Werkes andeutet, pflegte Guenter Wendt auch nach der Beendigung seiner Tätigkeit für die bemannten Raumflugprogramme der NASA über lange Jahre zu vielen Astronauten persönliche freundschaftliche Beziehungen.

Guenter Wendt wurde 85 Jahre alt und hinterlässt drei erwachsene Töchter.

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