„Jules Vernes“ letzter Weg: ATV 1 vor Wiedereintritt

Am Montag, dem 29. September 2008, wird das europäische Transportraumschiff ATV 1 in einem Gebiet über dem Meer wieder in die Atmosphäre der Erde eintreten, auseinanderbrechen und zum größten Teil verglühen. ATV wurde am 6. September 2008 von der Internationalen Raumstation (ISS) abgekoppelt.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ESA, NASA.

NASA
Das offizielle Logo zur Wiedereintritts-Beobachtungskampagne
(Bild: NASA)

Die Zone, in welcher der Wiedereintritt des ATV 1 (Automated Transfer Vehicle Nr. 1) stattfinden soll, ist 2.700 mal 200 Kilometer groß. Sie liegt etwa 2.500 Kilometer östlich von Neuseeland, 6.000 Kilometer westlich von Chile und 2.500 Kilometer südlich der Osterinseln.

In einem Abstand von 1.725 Kilometern hinter und zwischen 20 bis 25 Kilometer unter der Internationalen Raumstation wird sich das ATV 1 vor dem Wiedereintritt in etwa 330 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche bewegen. Ein erstes Manöver (Deorbit Burn 1) wird ein sechs Minuten langes Abbremsen des ATV 1 zwischen 12:00 Uhr und 12:06 Uhr MESZ sein. So wird aus einem annähernd runden Orbit ein elliptischer mit einem Perigäum zwischen 100 und 220 Kilometern und einem Apogäum von weiterhin etwa 330 Kilometern.

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ATV-1 hat gerade abgelegt (Bild: NASA)

Ein zweites, etwa 14 Minuten dauerndes Manöver nach zwei weiteren Erdumläufen (Deorbit Burn 2) erfolgt laut Plan um 14:58 Uhr MESZ. Gegen 15:13 Uhr MESZ wird der Eintritt des ATV 1 in die dichteren Schichten der Atmosphäre erwartet. Um 15:31 Uhr MESZ sollten die Trümmerstücke, die den Wiedereintritt überstanden haben, in die See fallen. Ein früherer Zeitplan sah die einzelnen Ereignisse jeweils etwa zehn bis zwanzig Minuten später vor.

Um eine möglichst gründliche Zerstörung Raumschiffes zu gewährleisten, wurde eine steile Abstiegsbahn gewählt, die maximale Reibung bedeutet. Das 13 Tonnen schwere, mit Müll und alten bzw. defekten Geräten von der Internationalen Raumstation beladene Raumschiff wird beim Wiedereintritt eine Geschwindigkeit von etwa 7,6 Kilometern pro Sekunde (27.000 km/h) haben.

Es wird geschätzt, dass etwa 100 Trümmerstücke, entsprechend etwa 30% der Masse, den feurigen Wiedereintritt überstehen und in das vorgesehene Seegebiet fallen. Simulationen deuten an, dass es sich dabei um Fragmente mit Massen zwischen 10 und 500 Kilogramm handeln könnte.

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in Rot dargestellt die Bremszündungen
(Bild: ESA)

Luft- und Schifffahrt sind informiert, dass der entsprechende Luftraum bzw. das betreffende Seegebiet zum Zeitpunkt des Wiedereintritts gemieden werden sollen.

Zwei Flugzeuge werden jedoch in der Nähe sein, um den Wiedereintritt, dessen eigentliche Dauer auf nur etwa vier Minuten veranschlagt wird, zu beobachten.

Im Rahmen einer gemeinsamen Mess- und Beobachtungskampagne von NASA und ESA werden von einer DC 8 und einer Gulfsstream V aus Instrumente und Kameras den Wiedereintritt verfolgen. Die DC 8 wird gemeinsam betrieben von der University of North Dakota (NSERC) und dem NASA Dryden Flight Research Center. Betreiber der Gulfsstream V ist die H211 LLC am NASA Ames Research Center. An Bord der Flugzeuge werden Teams aus US-Amerikanern und Europäern arbeiten. Drei bis vier Stunden vor dem Wiedereintrittsereignis machen sich die Flugzeuge von Thaiti aus auf den Weg und werden im Rahmen ihrer Mission jeweils sechs bis acht Stunden in der Luft sein.

NASA
Das Wiedereintrittsgebiet
(Bild: NASA)

Ziel der Kampagne namens ATV-1 „Jules Verne“ Multi-Instrument Aircraft Campaign (ATV-1 MAC) ist, die Vorhersagen bezüglich des Verhaltens des ATV beim Wiedereintritt und dessen Trümmer zu überprüfen. Das Auseinanderbrechen will man im Detail beobachten und festhalten. Bewegungen und Flugbahnen der einzelnen Trümmer sollen aufgezeichnet werden. Die Ergebnisse dürften die Sicherheitsmaßnahmen künftiger ATV-Missionen verbessern und absichern helfen.

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