Mit Lichtschildern in die Zukunft

Weltraumteleskope sind dazu gebaut worden, weit entfernte Planeten zu erblicken. Leider muss man aber solche Objekte erst mühsam vom Umgebungslicht eines hellen Sterns unterscheiden können. Die Universität Colorado hat nun eine neue Technik entwickelt, mit der man die Effizienz eines jeden Teleskops vervielfachen kann.

Ein Beitrag von Martin Ollrom. Quelle: Universität Colorado.

Dabei ist die Technik eigentlich sehr einfach und logisch. Wenn uns beim Autofahren die Sonne blendet, was machen wir dann? Richtig! Wir geben die Sonnenblende herunter, so dass uns die Sonne nicht mehr blenden kann. Raumsonden haben etwas Ähnliches eingebaut, kurz bevor das unerwünschte Sternenlicht auf die empfindlichen Teleskope und Geräte treffen würde. Die Forscher an der Universität Colorado meinen nun, dass dies viel zu nah an den Instrumenten ist, viel zu klein und schwach ausfällt. Deswegen setzt die Universität Colorado auf eine neue, eigentlich wiederum logische Technik. Denn welcher Sonnenschutz ist effektiver? Einer der direkt vor meinen Augen die Sonne abdeckt, oder der tausende Kilometer über mir bereits die Sonne komplett verdeckt? Beispiel wäre hier der Mond bei einer Sonnenfinsternis – besser als jeder Sonnenschirm. Genauso müsste man bei Raumsonden arbeiten. Ein großes Lichtschild (auch als „Sternverdünkler“ bekannt) sollte jede Raumsonde vor sich aufgebaut haben. Dieses blockt dann effizienter das unerwünschte Sternenlicht als die jetzige Technik und die Forscher können das Teleskop voll ausnutzen und erdähnliche Planeten in anderen Sonnensystemen finden. So sehen dies zumindest die Forscher der Universität von Colorado.

Universität Colorado
Der New World Observer mit seinem Lichtschild
(Bild: Universität Colorado)

Der dünne, aus Plastik hergestellte „Sternverdünkler“, soll den Teleskopen, die sich mehrere tausend Kilometer hinter dem Lichtschild befinden, erlauben, alle gesuchten Objekte vom Umgebungslicht unterscheiden zu können, so Professor Webster Cash. Es soll nicht nur der Planet selbst entdeckt werden können, sondern auch planetarische Eigenheiten wie zum Beispiel: Ozeane, Polare, Wolken oder sogar Methan, Sauerstoff und Wasser. „Wir glauben, dass es ein sehr gutes und machbares Konzept ist, weil wir alles, was wir benötigen, mit heutiger und existierender Technologie schon bauen könnten“, erwähnt Cash. „Wir könnten erdähnliche Planeten bis auf’s kleinste Detail untersuchen, obwohl sie Billionen oder gar Billiarden von Kilometern entfernt sind. Die am 6. Juli veröffentlichte Studie beinhaltet mathematische Lösungen und Optimierungen für den Abstand Lichtschild – Raumsonde und für die Form des Lichtschildes. Beides ist natürlich von der Raumsondenart und Raumsondengröße abhängig.

Dabei werden die Lichtschilder eigene, kleine Antriebe haben, von der Raumsonde aus starten und sich richtig platzieren. Im Notfall könnten die Antriebe wieder verwendet werden, um die Position zu korrigieren oder zu halten. Es könnten Planeten bis in Mondgröße entdeckt werden. In den letzten Jahren wurden 175 Planeten um fremde Zentralsterne entdeckt.

Das Team um Professor Cash hat auch schon reichlich Anhänger. Die NASA hat dem Team den Auftrag gegeben, ein eigenes Lichtschild zu starten, das mit dem James Webb Teleskop zusammenarbeiten soll und somit die Leistungen und Qualitäten des James Webb Teleskops in ungeahnte Höhen treiben soll. Auch der New World Observer wird komplett auf dieser Technik basieren. Natürlich wird das Projekt von der NASA finanziell unterstützt. Cash hat schon ehrgeizige Ziele. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts will er mit dieser Technik erdähnliche Planeten entdeckt haben und vielleicht sogar mögliches Leben. In einer weitergehenden Vision will Cash solche Teleskope auf einer zukünftigen Mondbasis montieren.

Wir dürfen uns wohl auf neue, revolutionäre Ergebnisse freuen.

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