Mitex inspizierte USA 197

Der ohne Kontrolle im geostationären Orbit driftende us-amerikanische Frühwarnsatellit USA 197 soll durch mindestens einen kleinen us-amerikanischen Testsatelliten der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) untersucht worden sein, wurde Anfang Januar 2009 bekannt.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: usaf, nrl, spaceflightnow, defensetech.org, cdi.org.

DARPA
von links nach rechts: Manöverstufe, Mitex-B, Mitex-A – Illustration
(Bild: DARPA)

Am 21. Juni 2006 um 21:34 UTC waren auf einer Delta-II-Rakete in 7925-Konfiguration zwei Kleinsatelliten zusammen mit einer speziellen Manöverstufe ins All gestartet worden. Es sind dies

Mitex-A:

  • Objekt 2006-024A
  • NORAD Nr. 29240
  • alternative Bezeichnung USA 187
  • Hersteller Orbital Sciences Corporation (OSC)
  • Gewicht ~225 Kilogramm
  • Stromversorgung über Solarzellen
NRL
Manöverstufe in Flugkonfiguration
(Bild: NRL)

Mitex-B:

  • Objekt 2006-024B
  • NORAD Nr. 29241
  • alternative Bezeichnung USA 188
  • Hersteller Lockheed Martin
  • Gewicht ~225 Kilogramm
  • Stromversorgung über Solarzellen

Mitex-Manöverstufe:

  • Objekt 2006-024C
  • NORAD Nr. 29242
  • alternative Bezeichnung USA 189
  • Hersteller Naval Research Laboratory (NRL)
  • Hauptriebwerk 400 Newton Schub (MMH/NTO)
  • Stromversorgung über Solarzellen

Mitex steht für Micro-Satellite Technology Experiment, auf Deutsch also Mikrosatellitentechnologieexperiment.
Die Manöverstufe mit der Bezeichnung NRL Precision Orbital Transfer Vehicle hatte die Aufgabe, mit den beiden Kleinsatelliten den geostationären Orbit zu erreichen, nachdem die Kombination von Raumfahrzeugen von der Delta-Trägerrakte nach 30 Minuten und 24 Sekunden Flugzeit in einem geostationären Transferorbit (GTO) ausgesetzt worden war.

Nach Erreichen des geostationären Orbits wurden die beiden Kleinsatelliten von der Manöverstufe abgestoßen und führten ihre Mission als Protoypen und Technologiedemonstratoren aus. Die autonom voneinander operierenden Satelliten sollen unter Erporbung günstiger Herstellungsverfahren und in besonderer Leichtbauweise entstanden sein. Die Bordrechner der beiden Satelliten sollen handelsübliche Prozessoren aus der Serienfertigung benutzen.

USAF
Start der Mitex-Mission am 21. Juni 2006
(Bild: USAF)

Mit eigenen Antriebssystemen versehen war es den Kleinsatelliten möglich, sich zu Beobachtungszwecken aneinander anzunähern. Dass diese Annäherung auch an andere Satelliten erfolgen könnte, und weitere Aufgaben nicht auf das ausschließliche Beobachten beschränkt sein müssten, wurde von interessierten Kreisen für möglich gehalten. Wenn nicht Mitex selbst, könnten jedoch weiterentwickelte Satelliten imstande sein, andere Satelliten nach Annäherung an diese zu beschädigen oder zu zerstören, oder diese auch nachzutanken oder in einen anderen Orbit zu bugsieren. Die Fähigkeit, andere Satelliten im geostationären Orbit gezielt anzusteuern und deren unmittelbare Nähe aufzusuchen, machte man sich jetzt zu Nutze.

Einer der beiden Kleinsatelliten soll so nahe an den driftenden Frühwarnsatelliten USA 197 herangekommen sein, dass die Radarechos der beiden Raumfahrzeuge am 23. Dezember 2008 verschmolzen. USA 197 alias DSP-23 war zuletzt bei 8,5 Grad Ost im geostationären Orbit positioniert, bevor es zum Kontrollverlust kam und die Drift begann. Ob und ggf. welche Ergebnisse einer Mitex-Beobachtung von USA 197 gewonnen werden konnten, wurde bisher nicht bekannt.

Ein Zusammenstoß des driftenden USA 197 mit anderen Satelliten im geostationären Orbit kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die kontrollierbaren Satelliten, auf die USA 197 zusteuert, müssen ggf. unter Verbrauch eigenen Treibstoffes ausweichen.

Satelliten aus dem geostationären Orbit können mit dafür zusätzlich vorgehaltenem Treibstoff in einen in der Regel höher liegenden Friedhofsorbit in ausreichendem Abstand geschickt werden, wenn sich ihre Lebensdauer dem Ende zuneigt oder die Betriebssicherheit erheblich einschränkende Defekte aufgetreten sind. Bei USA 197 gab es jedoch einen solchen Ausfall, der angeblich keinerlei Kontrollmöglichkeit übrig ließ.

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