Naro 1 im dritten Anlauf erfolgreich

Somit gehört nun auch die Republik Südkorea zu den Raumfahrt betreibenden Nationen, obwohl ein Großteil der als Naro 1 bezeichneten Rakete aus russischer Produktion stammt.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: KAIST, Raumcon, Skyrocket.

Der Start erfolgte heute früh, gegen 8.00 Uhr MEZ vom Naro-Raumfahrtzentrum im Süden der Provinz Jeolla, etwa 500 Kilometer südlich von Seoul. Vor Ort war es 16 Uhr am Nachmittag, Nutzlast war der Satellit STSat 2C.
Zunächst flog die Rakete mehrere deutliche Richtungsänderungen, um das Überfliegen bewohnter Gebiete zu vermeiden. Anschließend stieg sie immer schneller in den blauen Himmel über dem Startgelände. Nach knapp 4 Minuten wurde die ausgebrannte erste Stufe abgeworfen und die zweite nahm ihre Arbeit auf. Etwa 9 Minuten nach dem Start war offenbar der geplante Orbit erreicht und der Satellit wurde ausgesetzt.

Die Naro 1, die auch als KSLV-1 für Korean Space Launch Vehicle bezeichnet wird, entstand in Kooperation zwischen Russland und Südkorea. Die erste Stufe entspricht in weiten Teilen dem Antriebsblock UM 1 der geplanten russischen Trägerrakete Angara, die in diesem Jahr ihren Jungfernflug absolvieren soll. Statt des dort verwendeten Triebwerks RD 191 verwendet die Naro 1 allerdings das schubschwächere RD 151. Die Oberstufe arbeitete mit einem Feststofftriebwerk und wurde in Südkorea entwickelt und gebaut.

Zwei vorherige Versuche waren gescheitert. Beim ersten Fehler im August 2009 löste sich die Nutzlastverkleidung nicht vollständig, wodurch die Nutzlast zu schwer wurde und den geplanten Orbit nicht erreichte. Sie stürzte stattdessen zurück auf die Erde. Beim zweiten Versuch im Juni 2010 ging das Signal nach 137 Sekunden verloren.

Der heutige Erfolg datiert 7 Wochen nach dem ersten erfolgreichen Start einer Rakete aus Nordkorea. Am 12. Dezember startete eine Unha 3 mit dem Satelliten Kwangmyŏngsŏng 3 ins All und setzte diesen in einem Erdorbit ab. Allerdings konnte der Satellit nicht unter Kontrolle gebracht werden. Südkorea zieht nun mit STSat 2C nach.

ST steht für Science & Technology. Der weniger als 100 kg schwere Satellit ist mit einem Laserreflekor zur zentimetergenauen Bahnvermessung, einer Langmuir-Sonde für Plasmamessungen, dem Space Radiation Effects Monitor (SREM), einem Gerät zur Messung der Umgebungsbedingungen des Satelliten sowie verschiedenen Testapparaturen ausgerüstet. Zu letzteren gehören ein Drallrad, ein Infrarot-Sensor sowie ein Femtsosekunden-Laseroszillator, die ihre Tauglichkeit für den Weltraumeinsatz nachweisen sollen. Energie bezieht STSat 3C über zwei kleine Solarzellenpaneele sowie Solarzellen, die auf der Außenseite des Körpers angebracht sind.

Die Systeme des Satelliten sollen 1 Jahr lang funktionieren. Der Überprüfungsprozess wird allerdings zunächst einige Stunden in Anspruch nehmen. Die geplante, elliptische Bahn liegt in Höhen zwischen 300 und 1.500 Kilometern bei einer Bahnneigung von 80 Grad gegenüber dem Äquator.

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