Preis für Öffentlichkeitsarbeit an das ÖWF verliehen

Jedes Jahr wird auf den European Planetary and Science Congress, welcher gegenwärtig in Frankreich stattfindet, ein Preis für exzellente Öffentlichkeitsarbeit verliehen. Dieses Jahr ging dieser Preis an das Österreichische Weltraumforum, welches sich seit Jahren durch seine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit auszeichnet und dabei ein Vorbild für andere Organisationen und Institutionen abgibt.

Ein Beitrag von Ralph-Mirko Richter. Quelle: EPSC-DPS 2011, Europlanet, ÖWF.

OEWF (Paul Santek)
Im April 2011 führte das ÖWF in Zusammenarbeit mit der ESA einen Feldtest in der Region Rio Tinto in Spanien durch. Neben einem Raumanzug wurde dabei ein Rovermodell getestet.
(Bild: OEWF (Paul Santek))

Seit dem 3. Oktober findet in Nantes der diesjährige European Planetary and Science Congress (EPSC-DPS Joint Meeting 2011) statt. Neben der Diskussion der neuesten Erkenntnisse über die Planeten, Monde und Asteroiden in unserem Sonnensystem innerhalb der Wissenschaftsgemeinde legt das für die Organisation dieses Kongresses verantwortliche europäische Forschungsnetzwerk Europlanet auch ein besonderes Augenmerk auf die Öffentlichkeitsarbeit der an den Forschungen beteiligten Planetologen, denn eines der erklärten Ziele von Europlanet ist die allgemeinen Verbesserung der Kommunikation zwischen der Wissenschaftsgemeinde und der Öffentlichkeit.

Durch die Arbeit des Forschungsnetzwerkes soll so unter anderem auch das sogenannte “Public Outreach”, die Verbreitung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die gleichzeitig erfolgende Einbindung der interessierten Öffentlichkeit in die damit verbundenen Arbeiten der beteiligten Wissenschaftler der europäischen Forschungsinstitute, verbessert werden. Durch eine innovative Öffentlichkeitsarbeit, so das Ziel, sollen die Aktivitäten der europäischen Planetenforscher bei den Bürgern, bei der Industrie und nicht zuletzt auch bei den für die Vergabe der für die Forschungsarbeiten benötigten Finanzmitteln verantwortlichen politischen Entscheidungsträgern mehr Beachtung finden.

Um Einzelpersonen, Gruppen oder Institute zu würdigen, welche sich in Bezug auf diese Zielsetzung in der Vergangenheit besonders engagiert haben, verleiht das “Europlanet Outreach Steering Committee” (OSC) jährlich den Preis für “Excellence in Public Engagement with Planetary Science”. Der Preis soll herausragende Leistungen im Bereich der Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit würdigen bei denen die Empfänger des Preises innovative Verfahren und Vorgehensweisen entwickelt haben, um die jeweiligen wissenschaftlichen Arbeiten der allgemeinen Öffentlichkeit zu vermitteln und zugänglich zu machen. Eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit erfordert allerdings ein großes Maß an Phantasie und Enthusiasmus und zudem einen großen Arbeitsaufwand, welcher über einen langen Zeitraum erbracht werden muss. Um diesen Aufwand zu würdigen ist der Preis mit einer Summe von 4.000 Euro dotiert.

Der diesjährige “Price for Excellence in Public Engagement with Planetary Science” wurde vom OSC an das Österreichische Weltraum-Forum (ÖWF) verliehen. Das ÖWF verfügt über einen sehr aktiven Kern an Mitgliedern, welche oftmals auch beruflich in die Weltraumforschung involviert sind oder bei denen es sich um Weltraum-Enthusiasten handelt, die sich aus privatem Interesse im ÖWF engagieren. In enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und der Industrie führt das ÖWF Forschungen im Bereich der verschiedensten Weltraumaktivitäten durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf astronomischen Arbeiten, der bemannten Erkundung des Mars, der Erdbeobachtung und der Astrobiologie.

ÖWF (B. Gubo, G. Grömer, M. Klein)
Auf dem diesjährigen Ars Electronica Center Festival bestand die Möglichkeit, den Rover Dignity des ÖWF durch eine simulierte Marslandschaft zu steuern.
(Bild: ÖWF (B. Gubo, G. Grömer, M. Klein))

Seit 1998 verfolgt das ÖWF auch ein Programm zur Öffentlichkeitsarbeit. Durch öffentliche Vorträge, Informationsveranstaltungen und Ausstellungen soll die “Faszination am Weltraum” weiter in der Gesellschaft verbreitet werden. Das Spektrum der Öffentlichkeitsarbeit reicht hierbei von einfachen Referaten vor Schulklassen und der Beratung von Lehrern bis hin zur Teilnahme an Großveranstaltungen mit bis zu 80.000 Besuchern. Des weiteren vermittelt der ÖWF der Presse und der interessierten Öffentlichkeit bei Bedarf Kontakte zu Instituten und Einrichtungen, welche im Bereich der Weltraumforschung tätig sind.

Die öffentlichen Veranstaltungen des ÖWF, werden oft in Zusammenarbeit mit Wissenschafts-Museen durchgeführt. Des weiteren ist das ÖWF auch regelmäßig auf Festivals wie zum Beispiel dem Ars Electronica Center Festival in Linz oder auf Messen wie der Herbstmesse in Innsbruck vertreten. Des weiteren erstellt das Österreichische Weltraum-Forum für die Presse regelmäßige Dossiers zu Themen und Ereignissen aus dem Gebiet der Planetologie. Über die verschiedenen Aktivitäten des Forums wird auf einer eigenen Webseite und zusätzlich mittels Twitter, Facebook und Youtube sowie durch einen monatlich erscheinenden Newsletter berichtet.

“Das Österreichische Weltraum-Forum ist ein Vorzeigemodell für Organisationen, welche in der Öffentlichkeit wirken”, so Dr. Thierry Fouchet, der Europlanet-Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit. “Die Juroren waren sehr beeindruckt von der Bandbreite der verschiedenen Aktivitäten, von den angewandten innovativen Methoden, mit denen unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden, sowie von der großen Anzahl der Veranstaltungsbesucher.”

OEWF (Katja Zanella-Kux)
Ein Mitglied des ÖWF im August 2010 bei einem Feldtest des Raumanzuges Aouda.X am Kaunertaler Gletscher in den Alpen.
(Bild: OEWF (Katja Zanella-Kux))

“Wir fühlen uns sehr geehrt, diesen Preis zu erhalten”, so Mag. Gernot Grömer, der Obmann des ÖWF, “Wir betrachten Bildung und Öffentlichkeitsarbeit als eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das Wissen und die Faszination, welche wir an die Gruppen weitergeben, mit denen wir auf den Gebieten Weltraumforschung, Astronomie und Raumfahrt zusammenarbeiten, beginnt mittlerweile zu unserer Organisation zurückzufließen. Dieser Rückfluss erfolgt in Form von talentierten Praktikanten, begeisterten Freiwilligen und sogar in Form von Experten, die ihre Erfahrungen in unsere Arbeiten einbringen.”

“Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass diese jungen Leute, welche wir mit unseren Aktivitäten erreichen, der Generation angehören, die unsere Reisen durch das Sonnensystem fortsetzen wird – eine bemannte Mission zum Mars mit eingeschlossen”, so Gernot Grömer weiter. “Wer kann denn schon sagen, ob wir mit einem unserer Vorträge, Workshops oder Projekte nicht bereits bei dem einen oder anderen der Zuhörer den Grundstein für eine zukünftige Karriere als Planetenwissenschaftler oder Mars-Astronaut gelegt haben.”

Speziell die wissenschaftlichen Aktivitäten des ÖWF auf dem Gebiet der Marsforschung werden durch einen starken Fokus auf die Aspekte Wissensvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit ergänzt. Das Forum hat dazu in der Vergangenheit Wettbewerbe an Schulen durchgeführt, bei denen zum Beispiel Mars-Missionen entworfen wurden und eine Reihe von Lehrhilfen zum Thema Planetenwissenschaften für verschiedene Zielgruppen entwickelt, welche vom Kindergarten-Alter über Teenager bis hin zu Erwachsenen reichen. Dazu gehören auch Simulations-Raumanzüge, eine Mars-Landschaft oder ein ferngesteuertes Marsrover-Modell einschließlich Kameras und eines Greifarmes.

Erst im April 2011 führte das ÖWF eine Feldexpedition zur “Mars Analog”-Forschungsstation in der Halbwüste Rio Tinto in Spanien durch. Im Rahmen dieser Expedition wurde der Raumanzug-Simulator Aouda.X getestet, welcher zuvor in einem Zeitraum von drei Jahren entwickelt wurde. Bei diesen Mission handelte es sich um einen Teil des PolAres-Programms – eines interdisziplinären und für die Dauer von mehreren Jahren angelegten Forschungsprogramms des ÖWF. Hierbei sollen in Kooperation mit internationalen Partnern Strategien zur Vorbereitung einer zukünftigen Erforschung der Marsoberfläche durch Roboter und Menschen entwickelt und getestet werden.

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