PromISSe: Letzte Aktivitäten der Crew und Countdown

Crew und Rakete sind bereit für einen Start am 21. Dezember.

Ein Beitrag von Ian Benecken. Quelle: ESA.

Nachdem André Kuipers und seine Mannschaftskameraden, der russische Kosmonaut Oleg Kononjenko und der US-Astronaut Don Pettit, das Training abgeschossen hatten, begannen sie mit den direkten Vorbereitungen auf den Flug. Zunächst legte die Crew ihre Flugbereitschaft den führenden verantwortlichen Personen von Roskosmos vor, welche diese akzeptierten. Danach legte die Crew zeremoniell wie jede Sojus-Crew vor ihnen an der Kreml-Mauer Blumen im Gedenken an Juri Gagarin, den ersten Kosmonauten, Sergej Koroljow, den Chefkonstrukteur der Sowjets in den frühen Sechzigern sowie die bei Weltraummissionen verstorbenen Kosmonauten Wladimir Komarow (Sojus 1), Georgi Dobrowolski, Wiktor Pazajew und Wladislaw Wolkow (Sojus 11) nieder.

Am 8. Dezember war es dann soweit. Die Crew verließ Moskau in Richtung Baikonur, Kasachstan, und begab sich in Quarantäne, was auch die Verabschiedung von der Familie bedeutete. Früh in der Nacht verabschiedeten sich die drei Raumfahrer herzlich von Familie und engen Freunden, bevor sie zusammen mit ihren Ärzten in ein von Roskosmos bereitgestelltes Flugzeug stiegen, das sie nach Baikonur bringen sollte.

Früh am 9. Dezember erreichte die Crew dann Baikonur, wo sie noch auf dem Flugfeld von dem vor Ort verantwortlichen Cheftechniker Nikolai Selintschikow von RKK Energia, der Firma, die für die Abfertigung der Sojus-Kapsel und -Rakete verantwortlich ist, begrüßt wurde. Er bestätigte, dass alles nach Plan laufe.

In der folgenden Woche war die Besatzung mit diversen Aufgaben beschäftigt: Sie inspizierte ihre Sojus-Kapsel, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen und um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist. Ihre Sokol Start- und Landeanzüge mussten die Raumfahrer testweise anlegen, um zu überprüfen, ob diese dicht sind und auch wirklich passen. Ebenso überprüften die Kosmonauten letzte Fluggegenstände und machten sich mit diesen vertraut.

Doch es gab auch erfreulichere Aufgaben für die Crew. Ein wichtiger zeremonieller Akt, den jede Mannschaft vor dem Start erledigt, ist das Hissen ihrer Nationalflaggen sowie ein Besuch im Koroljow-Museum mit Führung und anschießender Verewigung durch Unterschrift.

Ebenso hatte die Crew Zeit für sich, um sich noch vor der Mission zu entspannen. Dazu konnte Billard, Tischtennis oder Schach gespielt werden. Auch gab man der Besatzung Gelegenheit, sich um letzte wichtige persönliche Dinge zu kümmern, wie das Bezahlen von Rechnungen, was in den kommenden sechs Monaten auf der ISS nur schwer möglich wäre. Außerdem wurden letzte medizinische Test mit der Crew durchgeführt.

Während sich die Raumfahrer so auf ihre Mission einstimmten, wurden auch die Sojus-Raumkapsel und die Trägerrakete auf ihre Mission vorbereitet. Nachdem die Crew ihre Kapsel inspiziert hatte, wurde diese mit der Nutzlastverkleidung versehen und dann an der Sojus-FG Rakete montiert.

Der Rollout via Eisenbahn erfolgte am frühen Morgen des 19. Dezember kasachischer Zeit. An der Startrampe angekommen, der gleichen Startrampe übrigens, von der 1961 Juri Gararin ins All startete, wurde die Rakete aufgerichtet und für den Start bereit gemacht.

Der Countdown für den Start, der am 21. Dezember um 14:16:15 Uhr MEZ erfolgen soll, begann 34 Stunden davor mit dem Vorbereiten der ersten Stufe der Sojus-FG-Rakete (international auch Booster genannt) auf das Betanken.

Nach dem Start braucht die Sojus-Kapsel etwa 2 Tage, um die ISS zu erreichen. Gesteuert wird die Sojus vom russischen Kosmonauten Oleg Kononjenko. Doch auch André Kuipers ist ausgebildet, die Sojus im Notfall zu bedienen. Kuipers beschreibt seine Aufgabe in der Sojus wie folgt: „Ich werde dem Kommandanten Oleg Kononjenko assistieren müssen vom linken Sitz aus, wenn wir uns der ISS nähern. Ich genieße es wirklich, die Kapsel zusammen mit ihm zu manövrieren und sanft mit der ISS zu koppeln. Sogar während den Simmulationen merkte ich, wie mein Herz schneller klopfte und mein Adrenalinpegel stieg.“

Die für den Flug eingesetzte Sojus-TMA-03M-Raumkapsel gehört zur neuesten Kapsel-Generation, die in ihrer jüngsten Version, der TMA-M, viele kleinere Verbesserungen erhalten hat. Im Gegensatz zur Kapsel der derzeit auf der ISS residierenden Crew, die noch mit der letzten Version der TMA-Serie gestartet ist, besitzt die TMA-M-Variante ein moderneres Computersystem, welches erstmalig in der Lage ist, ohne Einwirken der Mannschaft mit den Bordcomputern der ISS zu kommunizieren. Es kann sich auf diese Art automatisch mit regelmäßigen Updates in Form von neusten Bahndaten versorgen, welche der Computer der Sojus in dem unwahrscheinlichen Fall, dass die ISS-Crew ungeplant die Station verlassen und landen muss, benötigt. Bei der alten Sojus musste die ISS-Crew solche Updates regelmäßig manuell von der Bodenstation einspielen. Diese Arbeit fällt nun weg. Durch neuere Komponenten konnte die Masse der Sojus außerdem um ca. 70 kg reduziert werden, was bedeutet, dass jetzt mehr Nutzlast mitgenommen werden kann.

Im folgenden eine Liste der Startvorbereitungen (Zeitangaben in Stunden)

T-34:00:00Booster werden für die Treibstoffbetankung vorbereitet
T-6:00:00Batterien werden in die Booster installiert
T-5:30:00Staatliche Kommission gibt ihre Zustimmung , die Startrakete zu benutzen
T-5:15:00Crew kommt am Platz 254 an
T-5:00:00Betankung beginnt
T-4:20:00Raumanzüge werden von der Crew angelegt
T-4:00:00Booster sind mit Flüssigsauersoff beladen
T-3:40:00Crew trifft sich mit der Delegation
T-3:10:00Staatliche Kommision erhält einen Statusbericht
T-3:05:00Besatzung begibt sich auf den Weg zum Startplatz
T-3:00:00Erste und zweite Stufe sind nun mit dem Oxidator betankt
T-2:35:00Besatzung erreicht den Startplatz
T-2:30:00Besatzung klettert in ihre Sojus-Kapsel über das Orbitalmodul
T-2:00:00Crew ist nun in angeschnallt im Kommandomodul
T-1:45:00Sojus-Kapselhardware wurde getestet und die Anzüge sind nun gekühlt
T-1:30:00Startkommandoabfrage und Versorgungseinheit sind vorbereitet
Luken zwischen Orbit- und Wiedereintrittsmodul der Sojus-Kapsel werden geschlossen
T-1:00:00Startvehikel-Kontrollsystem wird für die Benutzung vorbereitet, Gyoskopinsturmente werden aktiviert
T-0:45:00Die Zugangsarme zur Sojus-Kapsel werden weggeklappt
T-0:40:00Tests der Sojus-Kapsel abgeschlossen, Dichtigkeitstest an den Raumanzügen werden durchgeführt
T-0:30:00Startabbruchsystem wird scharf gemacht, Startversorungseinheit wird aktiviert
T-0:25:00Zugangsarme sind nun zurückgefahren
T-0:15:00Dichtigkeitstests der Raumanzüge abgeschlossen, Crew stellt die Startabbruchhardware auf Automatikmodus
T-0:10:00Gyroskope und Datenaufzeichnungsgerät werden aktiviert
T-0:07:00Alle Startvorbereitungsmaßnamen sind abgeschlossen
T-0:06:15Startschlüssel für das Startkommando wurde ausgehändigt
Automatisches Progamm für die finalen Startoperationen wurde aktiviert
T-0:06:00Startanlagen und Startvehikel sind bereit
T-0:05:00Systeme schalten auf Bordkontrolle
Bodenkontrollsystem aktiviert erstes Startkommando
Kommandanten-Kontollen wurden aktiviert
Crew schließt ihre Helme und erhält ihre Atemgase nun aus der Luftversogung des Bordsystems
Startschlüssel wurde im Startbunker eingesetzt
T-0:03:15Brennkammern werden mit Stickstoff gereinigt
T-0:02:30Treibstoftanks der Booster werden nun unter Druck gesetzt
Bordinstrumente aktivieren zweite Startkommando
Druckbeaufschlagung aller Tanks mit Stickstoff beginnt
T-0:02:15Sauerstoffabfluss- und Sicherheitsventile werden geschlossen
Befüllung der Rakete mit Sauerstoff und Stickstoff werden beendet
T-0:01:00Rakete ist nun auf interner Stromversorgung
Automatische Sequenz beginnt
T-0:00:40Bodenstromversorgungsarm der dritten Stufe wird abgetrennt
T-0:00:20Startkommando meldet Rakete in Startposition
Raketentriebwerke der ersten und zweiten Stufe werden gezündet
T-0:00:15Versorgungsarm für Booster wird abgetrennt
T-0:00:10Triebwerksturbopumpen sind auf Fluggeschwindigkeit
T-0:00:05Triebwerke der ersten Stufe sind auf maximalem Schub
T-0:00:00Start

Aufstiegszeitliste (Zeitangaben in Minuten)

T-0:00Start
T+1:10Rakete hat nun eine Geschwindigkeit von 1.800 km/h
T+1:58Trennung der ersten Stufe (Booster)
T+2:00Rakete hat nun eine Geschwindigkeit von 5.400 km/h
T+2:40Startabbruchsystem und Nutzlastverkleidung werden abgeworfen
T+4:58Trennung der zweiten Stufe in einer Höhe von 170 km
T+7:30Rakete hat nun eine Geschwindigkeit von 21.600 km/h
T+9:00Dritte Stufe ist nun ausgebrannt
Sojus-Kapsel wird von der dritten Stufe abgetrennt
Antennen und Solarpaneele der Sojus-Kapsel werden ausgefahren
Flugkontrolle wird an das Kontrollzentrum in Moskau übergeben
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