Cryosat 2: SIRAL 2 aktiv, LEOP abgeschlossen

Das Radarsystem SIRAL 2 an Bord des europäischen, am 8. April 2010 gestarteten Eisforschungssatelliten Cryosat 2 wurde erfolgreich aktiviert und funktioniert nach ersten Meldungen wie vorgesehen.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ESA.

ESA / AOES Medialab
Cryosat 2 blickt auf die Erde – Illustration
(Bild: ESA/AOES Medialab)

Einige Stunden nachdem das SIRAL 2 genannte Radarsystem zum ersten Mal im All eingeschaltet worden war, konnten am Boden die ersten gewonnenen Messdaten empfangen werden. Am Morgen des 11. April 2010 war SIRAL 2 aktiviert worden, und am gleichen Tag gegen 18:40 Uhr MESZ liefen die ersten Daten in der Bodensation im schwedischen Kiruna ein.

SIRAL 2 zur Vermessung der Dicke des Eises in den Ozeanen und auf den Landmassen unserer Erde ist ein interferometrischer Radarhöhenmessser mit synthetischer Apertur. Die englische Abkürzung steht für Synthetic Aperture Interferometric Radar Altimeter, die Ziffer 2 kennzeichnet die zweite Version des Instruments (eine erste Flugversion ging an Bord des Vorgängers von Cryosat 2, Cryosat nach einem Fehler in der Trägerrakete im Oktober 2005 verloren).

Die unter anderem mit zwei großen Antennen ausgestattete Radaranlage kann in drei unterschiedlichen Betriebsmodi eingesetzt werden, um auch den Anforderungen an möglichst hohe Auflösung und sichere Unterscheidung von Eis und Wasser gerecht zu werden. Über dem zentralen Eisschild und über der offenen See kann SIRAL 2 im konventionellen Impulsbetrieb arbeiten. Über Meereseis ist ein Betrieb unter Benutzung der synthetischen Apertur vorhesehen, der durch eine erhöhte laterale Auflösung eine Verbesserung bei Messungen, wie weit Eis aus dem Wasser ragt, ermöglichen soll. Schließlich will man SIRAL 2 an den Rändern der Eisschilde im interferometrischen Betrieb einsetzen. Davon erwartet man sich zusätzliche Genauigkeit bei der Bestimmung der Neigung und der Höhe von Eisflächen am Rande der Eisschilde.

Erste Auswertungen der am 11. April 2010 empfangenen Messdaten vom Ross-Schelfeis deuten darauf hin, dass nicht nur schneebedeckte Oberflächen, sondern auch interne Strukturen in sehr guter Qualität dargestellt werden können. Dieses hervorragende Ergebnis zu einem sehr frühen Zeitpunkt ist Bestätigung für die harte, ausdauernde Arbeit der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler und Techniker, äußerte der wissenschaftliche Leiter des Cryosat-Projektes, Professor Duncan Wingham.

Mit dem Aktivieren der wissenschaftlichen Nutzlast von Cryosat 2 endete eine Phase bestehend aus Start des Satelliten und dessen ersten Erdumrundungen, auch LEOP für Launch and Early Orbit Phase genannt. In der nun folgenden mehrwöchigen Inbetriebnahmephase, bezeichnet als IOT für In Orbit Tests, werden Kalibrierungsarbeiten der Instrumente an Bord des Satelliten und von Anlagen im Bodensegment vorgenommen. Die entsprechenden Arbeiten will man laut Plan im Juni 2010 abschließen.

Cryosat 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36508 bzw. als Objekt 2010-013A.

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