Discovery verzögert sich bis Februar 2011

Nach einem Manager Meeting am Donnerstag verkündete die NASA gestern auf einer Pressekonferenz, dass die Discovery aufgrund weiterer Tests bis zum Februar am Boden bleiben muss.

Ein Beitrag von Klaus Donath. Quelle: NASA.

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Ein NASA Mitarbeiter scannt den Tank von außen mit Röntgenstrahlung ab, um Risse an den Stringern durch die Schaumstoffisolierung hindurch zu erkennen. Bisher wurden aber keine weiteren gefunden.
(Bild: NASA)

NASA-Ingenieure versuchen schon seit Wochen den Grund für einen Riss in der Längsversteifung herauszufinden, der am Intertank, der Region zwischen dem Sauerstoff- und dem Wasserstofftank, während des ersten Tankvorgangs im November entstanden ist und Schaumstoffisolierung nach außen gedrückt hat. Ähnliche Risse sind zwar bereits bei der Produktion gefunden worden, allerdings muss diesmal ein anderer Grund vorliegen. Simulationen haben ergeben, dass diese Stringer vom Prinzip her die Belastungen eines Tankvorganges überstehen sollten. Zwar hat man die gerissenen Stringer bereits durch so genannte Doppler ersetzt, also Materialien mit doppelter Stärke, allerdings gibt es Duzende von Längsverstärkungen und solange man den Grund nicht kennt, könnten weitere reißen. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Tatsache, dass man die Aluminium-Legierung im Laufe der Tankproduktion gewechselt hat. Da alle weiteren verfügbaren Tanks mit den gleichen Produktionsmethoden hergestellt sind, würde ein Wechsel des externen Tanks das Problem nicht lösen.

Da während des Tankvorganges extrem kalte, cryogene Treibstoffe in den Tank fließen, schrumpft der gesamte Tank wegen der Kälte etwas zusammen. Im Intertank-Bereich entstehen dabei noch die geringsten Temperaturunterschiede, aber am oberen und unteren Ende, wo die Längsversteifungen an die kalten Treibstofftanks grenzen, gibt es deutlich niedrigere Temperaturen. Offenbar sind dabei unregelmäßige Belastungen entstanden, die man sich bisher nicht erklären kann. Solange man die Ursache nicht kennt, besteht potentiell die Möglichkeit, dass andere Versteifungen auch durch Vibrationen beim Start reißen und Schaumstoff nach außen drücken. Zur Erinnerung: Abgeplatzter Schaumstoff hatte während des Aufstiegs den Hitzeschutz der Raumfähre Columbia im Jahr 2003 durchschlagen, welche daraufhin beim Wiedereintritt verglüht ist. Daher ist man hier besonders gründlich bei den Untersuchungen, um erneute Schäden durch abplatzenden Schaumstoff soweit wie möglich ausschließen zu können.

Um weitere Daten zu erhalten, regten Ingenieure einen instrumentierten Tanktest an. Dabei wird die reparierte Region wieder vom Schaumstoff befreit um zusätzliche Sensoren anzubringen. Nachdem man dann die Stelle erneut isoliert hat, wird der Tanktest durchgeführt. Man erhofft sich dabei neue Daten, mit denen man dem Grund für das Versagen der Stringer auf die Schliche kommen will.

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Die gebrochene Längsversteifung am Externen Tank des Shuttles.
(Bild: NASA)

Da die Prozeduren für das Anbringen der Sensoren und das Auswerten der Daten danach weitere Zeit in Anspruch nehmen werden, sah man keine Möglichkeit mehr, das Startfenster im Dezember zu schaffen. Da im Januar ein weiterer BETA-Cutout sowie Starts von anderen Versorgungsraumschiffen den Shuttle-Start verhindern, musste man bis auf Anfang Februar verschieben. Der Tanktest ist bisher auf den 15. Dezember angesetzt. Zusätzlich wird man auf einem Teststand einen Stringer aufbauen und ihn den Bedingungen eines Tankvorgangs aussetzen. Dadurch erhofft man sich weitere wertvolle Daten. Die NASA handelt hier nach dem Motto: Daten sind mehr wert als die Meinung von 1.000 Experten.

Durch den neuen Starttermin am 3. Februar 2011 gibt es einige Neuplanungen im ISS-Programm. Das Versorgungsraumschiff HTV muss für die Dauer des Shuttle-Besuches vom Nadir- auf den Zenit-Port von Harmony umgesetzt werden, da es sonst den Bewegungsfreiraum der Manipulatorarme blockieren würde, die nötig sind, um Fracht aus dem Shuttle auszuladen. Zudem wurde die HTV-Mission auf 60 Tage verlängert, um genügend Zeit zu haben, Frachthalterungen aus dem vom Shuttle mitgebrachten Leonardo-Modul in das HTV umzuladen, da diese auf der ISS nicht mehr benötigt werden. Zudem enthält das HTV-Modul externe Ersatzteile, die auf einer Gitterstruktur angebracht werden sollen, die das Shuttle erst mitbringt. Dazu kommt eine Verzögerung der STS-134-Mission auf Anfang April. Eine immer noch mögliche Mission STS 135 würde weiterhin im Juni starten können, auch wenn dieser Zeitplan recht eng ist und keine weiteren Verschiebungen dulden würde. STS 135 wird von den ISS-Programmmanagern explizit gewünscht, um die Verzögerungen bei den kommerziellen Cargo-Anbietern aufzufangen.

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