Satelliten-Doppelstarts auf Proton-M-Raketen

Die Kommunikationssatelliten KazSat 2 und SES 3 sollen laut einer am 11. Februar 2010 von International Launch Services (ILS) bekannt gegebenen Information zusammen auf einer Proton-Rakete gestartet werden.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Chrunitschew, ILS, Kazakhstan Today, Roskosmos.

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Vorbereitung eines Doppelstarts: Im Hintergrund Express-MD 1 auf der Oberstufe, vorne Express-AM 44
(Bild: Tsenkicom)

Voraussichtlich in den letzten Tagen dieses Jahres oder aber Anfang 2011 soll der Doppelstart von KazSat 2 und SES 3 stattfinden. Die zur Verfügung stehende Leistung der von Chrunitschew hergestellten und von ILS vermarkteten Trägerrakete ist für den Transport der beiden Raumfahrzeuge mehr als ausreichend.

Die Startmasse des von der Orbital Sciences Corporation gebauten und auf dem Satellitenbus Star 2.4 basierenden SES 3 beträgt 3.170 Kilogramm, die von KazSat 2, der von Chrunitschew gebaut wurde und bei dem die einzelnen Komponenten des Satelliten um eine zylinderförmige, lasttragende Struktur herum montiert sind, 1.330 Kilogramm. KazSat 2 und SES 3 sollen nach dem Start Positionen im Geostationären Orbit beziehen.

KazSat 2 wird im All dringend als Ersatz für den nach zahreichen technischen Problemen frühzeitig ausgefallenen KazSat 1 benötigt (Raumfahrer.net berichtete). Aufgrund der Erfahrungen mit KazSat 1 war man bestrebt, beim zweiten Kommunikationssatelliten für Kasachstan eine Reihe von Konstruktionsänderungen und -verbesserungen umzusetzen.

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Die Satelliten werden verbunden
(Bild: Tsenkicom)

KazSat 1 mit einer Startmasse von 1.092 Kilogramm war am 18. Juni 2006 schließlich auf einer Proton-K-Rakete in den Weltraum transportiert worden. Ursprünglich war geplant, schon KazSat 1 im Rahmen eines Doppelstarts auf einer Proton-M zu beförden, wozu es jedoch wegen Unstimmigkeiten über die Nutzung des in Kasachstan liegenden Startgeländes Baikonur durch Proton-Raketen nicht kam. Wie KazSat 2 war seine Struktur für das Aufsetzen eines weiteren mitfliegenden Satelliten ausgelegt. Man wollte KazSat 1 zusammen mit einem Express-AM-Satelliten starten.

Am 11. Februar 2009 wurden die russischen Kommunikationssatelliten Express-AM 44 und Express-MD 1 im Rahmen eines Doppelstarts transportiert. Der von Reschetnjow in Zusammenarbeit mit Thales Alenia Spazio gebaute Express-AM 44 mit einer Startmasse von 2.532 Kilogramm saß dabei auf dem von Chrunitschew konstruierten Express-MD 1 mit einer Startmasse von 1.140 Kilogramm.

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Express-AM 44 auf Express-MD 1 und Breeze-M-Oberstufe
(Bild: Tsenkicom)

Beim Start eines Kommunikationssatelliten kleinerer Masse zusammen mit einem mittlerer Masse auf einem Proton-M-Träger handelt es sich also um ein bereits erprobtes Verfahren. Daher sollte es für SES kein besonderes zusätzliches Risko darstellen, SES 3 auf diese Weise ins All senden zu lassen.

Andere Verfahrensweisen sind ebenso möglich. Bereits praktiziert wurde der Start zweier gleichartiger, direkt aufeinandersitzender Kommunikationssatelliten. So wurden die von RSC Energia in Zusammenarbeit mit Thales Alenia Spazio gebauten Yamal-201 und -202 am 24. November 2003 für Gascom auf einer Proton-Rakete ins All befördert.

Orbital Sciences Corporation (OSC)
SES 3 im All – Illustration
(Bild: Orbital Sciences Corporation (OSC))

Unter dem Titel “Proton Duo” will ILS künftig eine in Zusammenarbeit mit der Orbital Sciences Corporation (OSC) entwickelte Lösung anbieten, die es ermöglichen soll, bei einem Start einer Proton-Rakete zwei von OSC gebaute Kommunikationssatelliten zusammen zu transportieren. In einem Interview kündigte Frank McKenna, Präsident von ILS, an, Proton-Duo-Missionen Einzelkunden anzubieten, die bei einem Start zwei Satelliten ins All bringen lassen wollen und schätzte, die erste derartige Mission könnte Anfang 2012 stattfinden. Welche Marktbedeutung dieses proprietäre Konzept erlangen wird, bleibt abzuwarten.

Eine Proton-M-Rakete im Phase-III-Design ist in der Lage, maximal 6.150 Kilogramm Nutzlast in einen Geotransferorbit zu bringen.

Raumcon:

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